Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Eine dunkle Vergangenheit: Straßennamen im Ruhrgebiet

Hindenburgstraße in Essen [Foto: Saskia Ziemacki]

10.12.2021 13:30 - Saskia Ziemacki

Von Kolonialherren bis hin zu Persönlichkeiten, die mit den Grausamkeiten von Kriegen in Verbindung gebracht werden: Einige Straßen- und Platznamen im Ruhrgebiet erinnern an eine düstere Geschichte. Immer wieder gibt es Namensänderungen, um eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit anzuregen oder als Zeichen gegen politischen Extremismus. Doch die Stimmen der Umbenennungsgegner:innen sind oft laut: Straßennamen müssten keinen Vorbildcharakter haben, sondern als historische Quellen dienen.

Lüderitzstraße, Mülheim, Bottrop und Lüderitzallee, Duisburg

Adolf Lüderitz ist bekannt als „Begründer“ der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika in Namibia und Initiator des deutschen Kolonialwesens. Nach ihm ist nicht nur eine Stadt in Namibia benannt, sondern auch diverse Straßen in Deutschland. 1998 wurde die Lüderitzstraße in Bochum bereits umbenannt. Der Grund: Die Herrschaft des Deutschen Reiches über seine Kolonien wird verherrlicht. Auch betrügt Lüderitz die Einheimischen um einen großen Teil ihres Landes: Beim sogenannten „Meilenschwindel“ lässt er sie glauben, ein Gebiet in englischen Meilen zu kaufen, anstatt in den viermal so langen preußischen Meilen. 

Moltkestraße Duisburg, Essen, Dortmund und Moltkeviertel, Essen

Der preußische Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke wird als einer der erfolgreichsten Feldherren des 19. Jahrhunderts bezeichnet, da er Preußen in den Deutschen Einigungskriegen zum Sieg geführt hat. Wird er im militärischen Bereich heute noch hochgelobt, ist er als Kolonialpropagandist eine umstrittene Persönlichkeit. Zu seiner Zeit ist er begeisterter Anhänger des „Kolonisators“ Deutsch-Ostafrikas (heute Tansania), Hermann von Wissmann. Über seine brutale Kriegsführung zur Niederschlagung des sogenannten „Araberaufstands“ 1889/90 sagt Moltke: „Der Mann macht mir Freude. Der geht doch feste da unten vor und hängt die Schufte auf, da wo sie es verdienen.“

Friedrich-Ludwig-Jahn-Platz, Gelsenkirchen

Friedrich Ludwig Jahn, bekannt als Turnvater Jahn, gilt als der Begründer der deutschen Turnbewegung. Aufgrund dessen sind ein Sportplatz und ein Stadion in Gelsenkirchen nach ihm benannt. Dabei geht es Jahn nicht um Fitness, sondern um die Wehrtüchtigkeit im Krieg gegen Napoleon. 1811 gründet er den Berliner Turnverein, der nur für Männer „deutscher Abstammung“ offen ist. Als Fanatiker der nationalen Einheit und getrieben durch seinen Hass auf Frankreich lautet sein Motto: „Hass alles Fremden ist des Deutschen Pflicht“.

Hindenburgstraße, Essen

Rund 65 Straßen und Plätze sind nach Paul von Hindenburg benannt. Im Ersten Weltkrieg wird er Chef der Obersten Heeresleitung, die 1918 monatelang die bevorstehende Niederlage vertuscht. Von 1925 bis zu seinem Tod wird er Reichspräsident und ernennt Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler. Er löst den Reichstag auf und wird dadurch zum aktiven Wegbereiter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Mit Maßnahmen wie der „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes“ werden die Grundrechte außer Kraft gesetzt.
 

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