Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Hoch die Tassen: Duisburger Alkoholverbot wurde gekippt!

Auch das Wegbier wurde gerettet. [Foto: fro]
28.05.2018 15:00 - Philipp Frohn

Jetzt können auf der Königstraße wieder jederzeit die Kronkorken auf den Boden klimpern und die Sektkorken knallen. Vergangenen Mittwoch kippte das Verwaltungsgericht Düsseldorf den Ratsbeschluss der Stadt Duisburg, der seit Mai 2017 den Alkoholkonsum in weiten Teilen der Duisburger Innenstadt unter Verbot stellte.

Die Richter gaben der Klägerin Marion Wegscheider Recht, dass das Alkoholverbot einen Eingriff in die persönliche Freiheit darstelle. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts ist nur zu begrüßen. Dass sich die Stadt als biederer Sheriff wie zur Zeit der Prohibition aufzuspielen versuchte, war nicht nur unfassbar anmaßend, sondern auch schlichte Verdrängungspolitik.

Denn während der öffentliche Alkoholgenuss im Innenstadtbereich mit Geldstrafen sanktioniert werden konnte, sah die Stadt kein Problem bei Besäufnissen in gastronomischen Betrieben oder auf Großereignissen wie dem Weinfest sowie dem Weihnachtsmarkt. Dass ich anschließend auch im stockbesoffenen Zustand herumpöbelnd durch die City torkeln konnte und mich an jeder zweiten Straßenecke meines Magen- und Blaseninhalts entledigte, störte die städtischen Entscheidungsträger*innen nicht. Ungebührliches Verhalten scheint auf Akzeptanz zu stoßen, solange man vorher ein wenig Zaster im Lokal gelassen hat.

Alkohol als eine Ausgeburt der Hölle zu verurteilen, lag auch nicht im Sinne der Stadt. Das Verbot sollte eine ganz bestimmte Gruppe von Menschen treffen. Seit jeher sieht die Stadt ein Problem in der Trinker*innenszene, die sich zumeist am Kuhtor trifft und – so beklagen zumindest die Geschäftsinhaber*innen – durch Pöbeleien auffalle. Durch das Alkoholverbot erhoffte sich die Stadt, dass die Menschen aus der Innenstadt verschwinden und Shoppingwütigen bloß nicht ins Blickfeld geraten würden.

Das Verbot war nichts anderes als Verdrängungspolitik, die durch den Einsatz eines Streetworkers dem kläglichen Versuch unterzogen wurde, unter einem sozialpolitischen Gewand kaschiert zu werden. Doch haben nicht wenige der Trinkenden Alkoholprobleme, manche sind auch wohnungslos. Darum muss sich die Stadt intensiver kümmern – und nicht durch ein sinnfreies kollektivsträfliches Alkoholverbot.

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