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LOKALES

Dortmund: Buntes Zeichen gegen Neonazi-Graffitis

Unter Polizeischutz haben Graffiti-Künstler*innen das international bekannte „Nazi-Kiez“-Graffiti in Dortmund entfernt. [Fotos: David Peters]

12.09.2019 15:44 - David Peters

In einer gemeinsamen Aktion von Polizei, Stadt, einem Bündnis gegen Rechtsextremismus und Künstler*innen wurden die international bekannten „Nazi-Kiez“-Graffitis in Dortmund-Dorstfeld übermalt. Behörden und Zivilgesellschaft wollen damit ein Zeichen gegen die örtlichen Neonazis setzen.

Unter dem Schutz von Bereitschaftspolizist*innen bemalten letzten Freitag Graffiti-Künstler*innen die Wände eines flachen Gebäudes in der Dorstfelder Emscherstraße. Jahrelang prangten hier die „Nazi-Kiez“-Graffitis der lokalen Neonazi-Szene, deren führende Köpfe in der Straße wohnen. Die Neonazis und ihre Graffitis machten Dorstfeld international bekannt. Nun steht hier ein farbenfrohes „our colours are beautiful“.

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„Our colours are beautiful“ statt „Nazi-Kiez“.

 

Die Stadt konnte bisher nicht gegen die Graffitis vorgehen, da der Eigentümer der Immobilien an der Entfernung kein Interesse hatte. Das hat sich geändert. „Wir haben den Weg des Dialogs gewählt. Die meisten Eigentümer, die solche Schmierereien auf ihrer Hauswand haben, tolerieren diese nicht, aber sie haben aufgegeben, sie zu übermalen“, so der Dortmunder Rechtsdezernent Norbert Dahmen (CDU).

„Keine Zukunft für ewig gestrige Neonazis“

Die Aktion wurde gemeinschaftlich von dem Verein zur Förderung von Respekt, Toleranz und Verständigung in Dortmund-Dorstfeld, der Polizei, der Stadt und dem Land NRW durchgeführt. Auch der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) und der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange waren vor Ort. „Den Neonazis darf man keinen Millimeter Raum geben. Deshalb ist es eine tolle Sache, dass sich die Bürgerinnen und Bürger, die Stadt und die Polizei gemeinsam gegen die rassistischen Hetzer stellen und deren widerliche Schmierereien entfernen“, erklärte Reul.

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Auch Polizeipräsident Lange betonte die gute Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure: „Alle gemeinsam zeigen wir den Rechtsextremisten hier in Dortmund, dass sie auf verlorenem Posten sind, und dass es keine Zukunft gibt für ewig gestrige Neonazis.“ In Dorstfeld haben sich die lokalen Neonazis eine eigene Wohlfühlzone aufgebaut. Sie leben hier in mehreren Wohngemeinschaften und auch die Geschäftsstelle der extrem rechten Partei „Die Rechte“ befindet sich hier. Mit Graffitis, Stickern und Tags versuchen sie den Stadtteil für sich zu vereinnahmen und als „Nazikiez“ zu propagieren.

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Die Entfernung der bekanntesten Nazi-Graffitis in der Emscherstraße ist laut Rechtsdezernent Dahmen nur der Anfang: „Wir werden als Stadt alles dafür tun, diese Schmierereien im Stadtgebiet zu beseitigen. Das ist heute der erste Schritt. Wir stehen als Stadt für Vielfalt.“
 Einer lokalen antifaschistischen Gruppe geht das nicht weit genug: „Wir begrüßen, dass die Stadt gegen die Graffitis der Neonazis vorgegangen ist. Das ist ein Baustein um gegen rechten Raumkampf vorzugehen. Ob sich die Maßnahme als nachhaltig erweist, werden die nächsten Wochen zeigen“, so Kim Schmidt von der Autonomen Antifa 170.

„Noch wichtiger als die Bekämpfung rechter Symbole ist allerdings, ihnen die Infrastruktur zu nehmen. Wirklich schmerzen würde die Nazis vor allem der Verlust ihrer Wohngemeinschaften und Versammlungsräume in Dorstfeld oder des neuen „Thor Steinar“-Ladens in der Innenstadt.“ Wie lange die neue farbenfrohe Malerei halten wird, ist fraglich. Stadt und Polizei versichern zwar, dass sie ein Auge auf die neue Malerei haben werden, die Dortmunder Neonazis werden die neuen Graffitis vor der eigenen Haustür aber nicht lange tolerieren.

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