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LOKALES

Der DGB und „die Grenzen des Sagbaren“

 Rund 100 Personen demonstrierten gegen jeden Antisemitismus.

[Foto: David Peters]

12.12.2019 14:03 - David Peters

Am Mittwoch fand in der Dortmunder Pauluskirche eine Veranstaltung mit dem Journalisten Andreas Zumach zum Thema „Israel, Palästina und die Grenzen des Sagbaren“ statt. Die Veranstaltung sorgte im Vorfeld für Diskussionen. Die örtliche jüdische Gemeinde bezeichnete sie als „tendenziös“.

Fast 100 Demonstrant*innen stehen am Mittwochabend bei einstelligen Temperaturen vor der Dortmunder Pauluskirche. Einige von ihnen haben Israelfahnen und Plakate, die sich gegen die BDS-Kampagne richten, dabei. BDS steht für „Boycott, Divestment and Sanctions“ und richtet sich gegen den israelischen Staat. Die antisemitische Kampagne will Israel kulturell, politisch und wirtschaftlich boykottieren und schwächen.

Die Teilnehmer*innen der Kundgebung protestieren gegen eine Veranstaltung, die wenig später in der Kirche stattfinden sollte. Der DGB-Stadtverband Dortmund wollte im Zuge der „sehr emotional geführten Debatte“ rund um BDS eine differenzierte Diskussion über die Bewegung führen. Für ebendiese „differenzierte Diskussion“ wurde nur eine Person – Andreas Zumach – eingeladen.

Jüdische Gemeinde kritisierte einseitige Veranstaltung

Die jüdische Gemeinde Dortmund bezeichnete die Veranstaltung als „tendenziös“ und kritisierte die Einladung von Andreas Zumach: „Aus den bisherigen Auftritten des alleinigen Referenten Andreas Zumach ist aber hinlänglich bekannt, dass es ihm allein darum geht, die antisemitische Boykottbewegung BDS vom Vorwurf des Antisemitismus rein zu waschen.“ Auch die junge GEW, die zu einer Gegenkundgebung aufgerufen hatte, fand deutliche Worte zu der Veranstaltung: „Wir als junge GEW Dortmund distanzieren uns deutlich von der Veranstaltung. Wir stellen uns gegen jede Form von Antisemitismus und verurteilen insbesondere die moderne Form des als ,Israelkritik‘ getarnten Antisemitismus.“

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Referent Andreas Zumach sollte alleine eine differenzierte Diskussion führen.
[Foto: David Peters]

 

Damit waren die jungen Gewerkschafter*innen nicht alleine – auch der DGB Landesverband zeigte sich wenig angetan von den Plänen seines Stadtverbands und sorgte dafür, dass in der Kirche Flyer mit der eigenen Position zur BDS-Kampagne verteilt wurden: „BDS stellt die Grundlagen des jüdischen Staates infrage. Wer auch immer das Existenzrecht Israels infrage stellt, wird zu jeder Zeit mit entschiedenem Widerstand rechnen müssen.“

Die Veranstaltung selbst lief ohne Störungen ab. Zumach referierte lange über verschiedene UN-Resolutionen und die, für ihn, menschen- und völkerrechtswidrige Politik Israels und erntete wenig Widerspruch. Als er sich verharmlosend über die erste Intifada äußerte, kam es unter seinen Gegner*innen im Publikum zu höhnischem Gelächter. Bei der ersten Intifada wurden zahlreiche Juden und Jüdinnen, sowie vermeintliche palästinensische Kollaborateure von Palästinensern ermordet.

Zumach erzählte den Zuhörer*innen zudem von einer angeblichen Diffamierungskampagne des israelischen Geheimdienstes gegen die antisemitische BDS-Bewegung. Der Staat Israel würde dort aktiv Lobbyarbeit betreiben. Während der abschließenden Fragerunde begann ein Mann seinen Beitrag mit den Worten „Ich bin Antisemit“. Ihm wurde das Wort entzogen. Als er wenig später erneut eine Frage stellen wollte, wurde er des Raumes verwiesen. Ein Gewerkschafter nutze außerdem die Gelegenheit im Namen der GEW, die Entscheidung der jungen GEW, eine Kundgebung abzuhalten, zu kritisieren.

 

Update 16.12.: Die Gegenkundgebung wurde von einer Einzelperson angemeldet. Die junge GEW hatte lediglich zur Teilnahme aufgerufen. Wir haben das korrigiert.

Schwere Vorwürfe gegen BcKS

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