Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Der 1. Mai in Duisburg: Proteste gegen Rechte Hetze

Am Duisburger Hauptbahnhof wurden die Demonstrant*innen von einem Graffiti mit einer klaren Botschaft begrüßt. [Fotos: Lena Janßen]
03.05.2019 13:56 - Redaktion

Am 1. Mai waren in Duisburg tausende Menschen auf der Straße, um gegen einen Neonazi-Aufmarsch zu protestieren. Laura Lindemann, Lena Janßen und Magdalena Kensy haben die Proteste begleitet:

„Frieden bedeutet nicht nur Abwesenheit von Krieg. Frieden bedeutet auch ein Leben in Freiheit, in dem die Menschenrechte eines jeden respektiert werden.“ Usha arbeitet im Ladenlokal 47 in Duisburg und hat eine Rede für den Frieden und gegen Rechte Hetze geschrieben. „Und heute, am Tag der Arbeit, zeigen uns die Neonazis mal wieder sehr deutlich, dass dieser persönliche Frieden bedroht ist. Daher ist es wichtig, aufzustehen und ein klares Zeichen gegen Rassismus zu setzen.“

Die Menschen ringsherum applaudieren. Auf dem Dellplatz in Duisburg fand am 1. Mai ein „Interkulturelles Frühstück für eine offene Gesellschaft“, organisiert vom Duisburger Ladenlokal 47 und dem RiseUp-Duisburg-Bündnis, statt. „Bei dem Frühstück handelt es sich um eine Kultur- und Infoveranstaltung, die Menschen zusammenbringen soll“, erklärt Usha. „Es ist schön zu sehen, dass auch Kinder gekommen sind.“ Überall hingen bunte Fahnen, es gab Kaffee, Snacks und Musik. Entweder, man brachte etwas zu Essen mit oder bediente sich auf Spendenbasis.  
„Ich bin hier, weil ich den Rechten keinen Platz bieten möchte“, sagt eine Besucherin des interkulturellen Frühstücks. „Ich möchte mich gegen ihre Ideologien stellen.“ Wie für sie, war der Dellplatz für viele Menschen gestern nur die erste Station. Die meisten zogen später weiter, um gegen den Aufmarsch der Neonazis zu demonstrieren. Usha ist für eine friedliche Demonstration. „Ich werde heute noch zur Pauluskirche gehen, wo wir unsere eigenen Vorstellungen für Weltoffenheit und Solidarität kundtun.“ An der Pauluskirche sollte am späten Nachmittag noch eine Abschlussdemonstration des Bündnisses RiseUp stattfinden.

Auftakt am Dellplatz

„Dies ist eine friedliche Veranstaltung, wir bitten die Polizei, lassen Sie unsere Veranstaltung in Ruhe und lassen Sie die Leute zu den angemeldeten Kundgebungen“, appellierte eine Teilnehmerin von RiseUp via Mikrofon auf dem Dellplatz in Duisburg. Um kurz vor 12 Uhr war der Treffpunkt für Teilnehmende der Blockaden gut gefüllt. Rund 600 Gegendemonstrant*innen hatten sich um 11:30 Uhr auf dem Vorplatz des Duisburger Hauptbahnhofes getroffen und lieferten sich eine Rennerei mit den Polizeikräften. Diese wollten die Demonstrant*innen am Verlassen des Bahnhofsvorplatzes hindern.„Die Anwälte sind eingetroffen, welche uns den Weg freimachen“, ertönte es über die Mikrofonanlage, zudem wurde die Polizei aufgefordert, etwas mehr Abstand zu der Versammlung zu halten. Diese kam dem Wunsch auch nach. Nach kurzer Zeit konnten die Demonstrant*innen auch in Richtung Wanheimerort gehen.

„1. Mai Nazifrei“ 

Das Lied Schrei nach Liebe von den Ärzten ertönte in voller Lautstärke über kleine Boxen, die eine Gruppe von Punkern dabei hatte. In der Menschenmasse war eine „Die Partei“ Fahne zu erkennen, andere trugen Schilder mit der Aufschrift „Hass ist krass. Liebe ist krasser.“ Es herrschte muntere Stimmung, doch gab es auch Stimmen, welche Bedenken kund taten, ob der Plan, den Neonaziaufmarsch zu blockieren, überhaupt aufgehen würde. „Man versucht ja gerade, überhaupt zu den Kundgebungen zu gelangen, ob überhaupt Blockaden stattfinden können sieht man ja dann“, merkte Daniel an. Er nimmt häufiger an Demonstrationen teil. Viele Anwohner*innen schauten aus den Fenstern, standen in ihren Haustüren und an der Straße, um die Demonstration zu verfolgen. Viele machten Fotos und manche sogar Videos, um die „Erster Mai Nazifrei“ Rufe zu verewigen. Einige winkten dem Demonstrationszug zu oder applaudierten. 

„Alle zusammen gegen den Faschismus“ 

Um 13 Uhr stoppte der Marsch an der Kreuzung zur Kulturstraße. Die Stimmung wurde ernster, die Rufe lauter und die Polizei zeigte sich noch präsenter. Sie zog ihre Helme auf und hielt die Schlagstöcke bereit, auch ein Wasserwerfer wurde aufgefahren. Viele Demonstrant*innen riefen daraufhin Sprüche, wie „Ohne Helm und ohne Knüppel seid ihr nichts.“ Kurz darauf folgte die erste Durchsage der Polizei: „Bitte folgen Sie der Anweisung und bleiben Sie auf der Route, gehen Sie nicht rechts oder links in die Seitenstraßen hinein.“ In der Zwischenzeit entstanden kleinere Grüppchen innerhalb der Demonstrant*innen. Einige setzten sich auf den Boden, rauchten, hörten Musik und redeten. Nach 20 Minuten Stillstand ging der Marsch weiter. „Siamo tutti antifascisti“, skandierte die Menge, unterstützt durch ein rhythmisches Klatschen.

Eine kleine Gruppe Protestierender spaltete sich währenddessen ab und versuchte, in eine nicht gesicherte Seitenstraße zu gelangen, wobei es kurzerhand zu einer Auseinandersetzung zwischen Polizist*innen und den Demonstrierenden kam. Der Zwischenfall sorgte für einen erneuten Stopp, wobei Sanitäter*innen durch die Menge liefen und einen Mann mit aufgeplatzter Augenbraue versorgten. „Versuchen Sie nicht, an den Seiten auszubrechen. Wir werden die Wasserwerfer einsetzten, wenn so etwas nochmal passiert. Ich werde diese Aussage nicht wiederholen“, ertönte es aus den Lautsprechern der Polizei.

Eingekesselt und abgesperrt 

Die Absperrungen auf der Düsseldorfer Straße bedeuten für den Marsch der RiseUp Bewegung einen kompletten Stillstand. Die Route der Rechten sollte planmäßig auch über die Düsseldorfer Straße führen, weswegen die Polizei großräumig den Bereich abgesperrt hatte. Journalist*innen befanden sich auf Dächern von Apotheken und anderen Geschäften und verfolgten das Geschehen von oben. Einige Demonstrant*innen versuchten, nach hinten hin ausbrechen, woraufhin die Polizei die Demonstration einkesselte. 

Duisburg Hochfeld: Schauplatz rechter Hetze und Gegenprotest

 „Nazi-Schweine“, war einer der ersten Ausrufe, als die Rechten in einiger Entfernung an den Gegendemonstrant*innen vorbei marschierten. Der Geräuschpegel stieg in Sekundenschnelle, verstärkt durch Beschimpfungen und Pfiffe. Genauso schnell wie der Aufmarsch der Nazis auftauchte, verschwand er wieder und es kehrte eine entspanntere Atmosphäre ein. Nachdem sich die Gegendemonstration auf der Düsseldorfer Straße langsam auflöste, wanderten die Gegenprotestant*innen Richtung Hochfeld. Dort - am Bahnhof Hochfeld Süd - sollte die Demo der Partei „Die Rechte” ein Ende finden. Mittlerweile war die Sonne rausgekommen und die meisten Protestant*innen saßen in größeren Gruppen auf der Straße oder am Wegesrand, sonnten und unterhielten sich. Und sie warteten. So wie auch die Polizei, die bereits den Zugang zur Brücke der Solidarität gesperrt hatte. Unter anderem bewachten sie auch den Bahnhof, inklusive der Gleise, und zwei Hubschrauber kreisten immer wieder über die Menge und den Bahnhof. 

Gegen 16.45 Uhr kam wieder Bewegung in die Menge, die Menschen rückten näher zusammen, es wurden erneut Sprechchöre angestimmt. „Alerta, alerta, antifascista,” tönte es. Bisher war es am Bahnhof Hochfeld Süd friedlich gewesen, doch je näher das erneute Zusammentreffen der Gegenprotestant*innen mit den Nazis rückte, desto angespannter wurde die Stimmung. Immer mehr Sprechchöre wurden angestimmt und auch die vermummten Beweis- und Festnahmeeinheiten der Polizei stellten sich zwischen die Demonstrant*innen. Dies traf auf Unverständnis, denn diese Einheiten sind nicht dafür bekannt, besonders zimperlich oder bürgernah zu sein: „Ohne Helm und ohne Knüppel seid ihr Nichts” oder „Ganz Duisburg hasst die Polizei”, schallte es wieder und wieder aus der Menge. Um kurz vor 17 Uhr ertönte dann eine Durchsage aus den Lautsprecheranlagen: „Wir lösen diese Versammlung hier jetzt friedlich auf. Wer vom Hochfelder Markt mit mir hier hergekommen ist, kann sich jetzt gerne anschließen und wir gehen dorthin zurück. Diese Versammlung war nur bis 15.15 Uhr angemeldet und diese Zeit ist lange überschritten.”  Hunderte von Menschen vor dem Bahnhof begannen zu buhen und riefen lautstark: „Wir bleiben hier”. Bis eine kurze Zeit später eine weitere Durchsage verlautete: „Also ich würde sagen, wir kündigen hiermit bei der Polizei eine neue Versammlung an und wir bleiben hier.” Daraufhin brach großer Jubel aus.

Kurz danach kam es dann zum erneuten Zusammentreffen zwischen Gegendemonstrant*innen und Nazis. Letztere kamen, mit nicht mehr als 300 Leuten und in Begleitung von einem großen Polizeiaufgebot, über die Brücke gelaufen. Doch ihre Stimmen gingen im Gesang, Gebrüll und Gepfeiffe der Gegenprotestant*innen unter. 

Nachdem die Polizei die Neonazis dann per Sonderzug aus dem Bahnhof Hochfeld Süd hinaus begleitet hatte, löste sich langsam auch die zweite Versammlung auf und die Protestierenden liefen weiter zur Pauluskirche in Hochfeld. Von dort aus sollte eine Demonstration zum Duisburger Hauptbahnhof starten. Dort angekommen, war die Stimmung deutlich ausgelassener, als noch zuvor am Bahnhof Hochfeld Süd. Es wurde Musik gespielt, gegessen und getrunken und die ersten Redebeiträge verlesen. Um 18 Uhr startete dann die Demonstration des Bündnisses Rise Up. Zu Beginn wurde verkündet, dass die Route an der Gefangenensammelstelle vorbeilaufen würde, um sich mit Menschen solidarisch zu zeigen, die bei den Aktionen gegen den Neonazi-Aufmarsch in Polizeigewahrsam genommen wurden. Die Stimmung war entspannt, ein paar Menschen tanzten, unter anderem zu Zusammenhänge von Sookee

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Gegen 19 Uhr kamen die Demonstrierenden wieder am Duisburger Hauptbahnhof an und wurden dort von einem neuen, riesigen Graffiti begrüßt: „Duisburg Nazifrei” zierte die Gebäudewand des Bahnhofs. Dies stieß auf große Begeisterung. Und während die Abschlusskundgebung lief, wurde die Polizei immer wieder darum gebeten, sich von den friedlichen Protesten zu entfernen. Diese zeigte sich unbeeindruckt und zog aus nicht-nachvollziehbaren Gründen immer wieder Protestant*innen einfach aus der Menge. Aus dem Lautsprecherwagen wurde appelliert, solidarisch zu sein und aufeinander aufzupassen.

Langsam lichtete sich der Vorplatz des Duisburger Bahnhofs und auch die abschließenden Kundgebungen neigten sich dem Ende zu: „Danke! Danke, das ihr heute alle hier gewesen und mit uns auf die Straße gegangen seid. Wir kommen wieder!”
 

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