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LOKALES

Daily life in the slum

Der Künstler Adam Masava. [Foto: Lup]

30.10.2018 17:03 - Lucienne Ruppert

Vergangene Woche lief im Alibi, einem Freiraumprojekt an der Holzstraße in Essen, eine Ausstellung von Adam Masava. Seine Werke handeln von seiner Herkunft, den Slums in Nairobi. Es war die vorletzte Ausstellung seiner mehrwöchigen Europa-Tour. Die akduell war am letzten Ausstellungstag mit dabei und hatte die Chance, mit dem Künstler zu sprechen.

Eine mal andere Sichtweise auf den Slum. Der nairobische Künstler Adam Masava möchte mit seiner Arbeit die Schönheit des Slums zeigen. Die Kunstwerke im Raum waren auf Leinwand oder auf Blech gemalt. Die Prozedur, die nötig ist, um so ein Blechwerk herzustellen, ist allerdings sehr umfangreich. Wenn die Dächer und Wände der Häuser des Slums ausgetauscht werden, kauft Masava die alten und verrosteten Blechstücke auf, und brennt sie in einem meterhohen Lagerfeuer, um sie dünner zu machen. Danach benutzt er Wasser und Säure, um den Rostprozess zu beschleunigen. Doch Säure ist teuer, und manchmal nutzt der Künstler stattdessen seinen eigenen Urin. Erneut werden die Stücke dünner und gerader gemacht, dieses mal mit Hammerschlägen. Dann wird Schellack aufgetragen, um den Rostprozess zu stoppen.

Erst dann kann der Künstler mit dem Malen anfangen. Dafür malt er erst die Umrisse mit Kreide auf und nutzt Acrylfarbe. Masava arbeitet immer an fünf Stücken zur gleichen Zeit, kreiert also immer eine Serie von Stücken, die von der gleichen Thematik handeln, zum Beispiel Goldiggers. Aber auch wenn er auf Leinwänden arbeitet, ist im Textur wichtig. Um die gewellten Dächer und Wände der Slumhäuser darzustellen, nutzt er Kartonstücke, deren glatte Schicht er vorher abgezogen hat.

Beauty is in the eye of the beholder

Aber warum der ganze Aufwand? Der Rost der auf so vielen Häusern in den Slums zu sehen ist, inspiriert Masava. Für ihn sehe es so aus, als ob ein  "old fashioned painter" die Häuser selbst bemalt hätte, er nennt es ein "Masterpiece" Vor allem, wenn die durch den Regen durchnässten Dächer unter den kenianischen Sonne glänzen und leuchten.

Masava ist es wichtig, die schönen Seiten des Slums zu zeigen; zwar war seine Jugend oft schwer, jedoch hat ihm das Leben im Slum auch viel gelehrt, was er als die „School of life” bezeichnet. Deshalb zeigt er sowohl die Schönheit des Slums selbst, als auch die Menschen die ihn bewohnen. Wenn er mal nicht die rostgoldenen Wellbleche zeigt, sind es vor allem Bilder von laufenden Männern und Frauen. Am häufigsten findet man in seinen Werken jedoch das Motiv der Fahrräder. Diese, erklärt der Künstler, werden in Kenia als Transportmittel verwendet, mit dem viele Menschen ihr Brot verdienen. Oft komme es vor, dass man hinter den gestapelten Kisten von Transportgut die Fahrer*innen selbst nicht mehr sehen kann.

Adam Masava hilft auch auf anderen Weisen seiner Gemeinschaft: Jeden Samstag - in den Schulferien jeden Tag - öffnet er seit sieben Jahren sein Atelier für Kinder und Jugendliche aus dem Slum, und zeigt ihnen, wie man Kunst machen kann. Mit guten Resultaten. So möchte er verhindern, dass junge Leute durch Mangel an Struktur auf schlechte Wege geraten.

Was nun?

Demnächst möchte sich der Künstler an Skulpturen heranwagen. Eine ziemlich genaues Bild hat er dafür schon vor Augen: Aus Draht möchte er rennende, lebensgroße Menschen darstellen, diese mit wiederverwertetem Plastik übergießen und dann bemalen. Diese sollen dann, wieder mit Draht, an Holzplanken befestigt werden, um ihnen Stabilität zu verleihen.

Außerdem hat er vor, nächstes Jahr wieder nach Europa zu kommen, dann mit einem seiner Schüler, dem er den Großteil des Ausstellungsraumes überlassen möchte, um ihm eine erste Erfahrung im Rampenlicht zu ermöglichen. Da Adam Masavas Werke jetzt das Alibi verlassen, sucht letzteres nach neuen Künstler*innen für die Räume.

 

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