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LOKALES

„Bilder einer fließenden Welt“

Die fließende Welt der impressionistischen Malerei wird von einer zeitgenössischen Installation bekräftigt.

[Foto: Freya Pauluschke/ Chiharu Shiota © Museum Folkwang Essen]
 

09.05.2022 10:15 - Freya Pauluschke

Anlässlich des 100. Jubiläums zeigt das Museum Folkwang noch bis zum 15. Mai 2022 impressionistische Kunst aus den Sammlungen von Karl Ernst Osthaus und Kōjirō Matsukata. Stimmungsvolle Szenerien und vibrierende Farben zieren die Räumlichkeiten des Museums. Wir haben uns die Ausstellung „Renoir, Monet, Gauguin – Bilder einer fließenden Welt“ genauer angeschaut.

Karl Ernst Osthaus gründete 1902 das Folkwang Museum in Hagen. Nach seinem Tod wurde seine Kunstsammlung 1922 nach Essen verkauft, wodurch sich der Folkwang-Museumsverein gründete. Die Verbindung seiner Sammlung mit dem Essener Kunstmuseum brachte eine international renommierte Sammlung hervor. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte Osthaus den sogenannten „Folkwang-Gedanken“, der die Einheit von Kunst und Leben sowie den Dialog der Künste und Kulturen voraussetzt.

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Von Helena Wagner in Lokales
 

Zu Lebzeiten begegneten sich die beiden Kunstsammler Osthaus und Matsukata nie, doch die Jubiläums-Ausstellung führt ihre gemeinsamen Interessen zusammen. Es handelt sich um eine Sammlung des französischen Impressionismus aus dem National Museum of Western Art in Tokio, die erstmals seit den 1950er Jahren wieder umfassend in Europa präsentiert wird. Neben Renoir, Monet und Gauguin sind unter anderem auch die Künstler Cézanne, van Gogh, Manet und Rodin ausgestellt.

Impressionen von Licht und Farbe

Vor allem die Gemälde von Gustav Courbet, Charles-François Daubigny und Claude Monet stellen das rauschende Meer, stille Ufer, Seerosenteiche oder erwachende Häfen dar. Zusammen mit der Kommatechnik, die den Farbauftrag in kurzen Pinselstrichen vorgibt, wirken die Werke verschwommen und dynamisch, was ihnen den Effekt von „Bildern einer fließenden Welt“ verleiht. Das circa 1x2 Meter große Gemälde Le Bassin aux Nymphéas von Claude Monet saugt die Betrachtenden förmlich in den sanften Grünton des Teiches auf. Im Impressionismus wurde meist unter freiem Himmel und eher skizzenhaft gemalt, um die Lichtverhältnisse möglichst naturgetreu und schnell einzufangen. Ziel war es, die Wahrnehmung und Stimmung eines Momentes auf die Leinwand zu bringen.

Mit das Erste, was beim Betreten des Ausstellungsraumes in den Blick fällt, ist das Gemälde Im Boot (Junge Mädchen in Ruderboot) von Monet. Das leicht getrübte Blau verleiht Ruhe. Das eindrucksvolle Portrait der Lise mit dem Sonnenschirm von Pierre-Auguste Renoir gehört auch zur Sammlung der Dauerausstellung des Museum Folkwang. Von Paul Gauguin sind paradiesische Werke seiner Reisen durch die Bretagne, Karibik und Polynesien zu sehen. Darunter Contes Barbares, eines seiner bekanntesten Werke. Neben zahlreichen Gemälden finden sich lebensgroße Figur-Plastiken aus Auguste Rodins Lebenswerk Höllentor, zum Beispiel sein Hauptwerk Der Denker.

Ein Meer voller Hoffnungen

Inmitten der Ausstellung treten die Besucher:innen einem roten schwebenden Meer entgegen. Die Installation „I hope…“ von der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota zeigt rote, von der Decke hängende Schnüren und unzählige rote Zettel, dessen Masse nach unten hin undichter wird. Erst auf dem zweiten Blick sind die schwarzen Metall-Skelette dreier filigraner Boote in dem Zettel-Meer zu erkennen. Tritt man näher an die Installation heran, kann man lesen, was auf den Zetteln steht. Auf jedem ist oben „I hope…“ vorgedruckt. Die Künstlerin hat Menschen aus der ganzen Welt dazu eingeladen, ihre Wünsche und Hoffnungen auf die roten Zettel zu schreiben: „be kind to others“, „endlich wieder das Gesicht hinter der Maske sehen können“, „für mehr Gleichheit und Gerechtigkeit“, „smiles without masks“, „satt essen“, „that I have hope for the future“.

Dadurch erhält die impressionistische Ausstellung einen zeitgenössischen und zukunftsweisenden Charakter. Neben aktuellen Angelegenheiten wie Gleichberechtigung und Weltschmerz werden unter anderem die Auswirkungen des Coronavirus auf unser Sozial- und Innenleben präsent. Auch Osthaus und Matsukatas wollten ihre Zeitgenoss:innen in ihren Museen zur Teilhabe anregen.

In unserer Fotostrecke könnt ihr einen Eindruck der Ausstellung bekommen: 

  • Pierre-August Renoir: Lise – La femme à l’ombrelle (Lise mit dem Sonnenschirm), 1867, Öl auf Leinwand, 184 x 115,5 cm, Museum Folkwang, Essen, Foto: Freya Pauluschke

    Pierre-August Renoir: Lise – La femme à l’ombrelle (Lise mit dem Sonnenschirm), 1867, Öl auf Leinwand, 184 x 115,5 cm, Museum Folkwang, Essen, Foto: Freya Pauluschke

  • Chiharu Shiota: I hope… (Detail), 2021, Seil, Papier, Stahl, Courtesy of K11 Collection und König Galerie, Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Chiharu Shiota, Foto: Freya Pauluschke

    Chiharu Shiota: I hope… (Detail), 2021, Seil, Papier, Stahl, Courtesy of K11 Collection und König Galerie, Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Chiharu Shiota, Foto: Freya Pauluschke

  • Vincent van Gogh: Les bateaux amarrés (Rhonebarken), 1888, Öl auf Leinwand, 78,2 x 88,6 x 10 cm, Museum Folkwang, Essen, (ehemals Kunstmuseum Essen), Foto: Freya Pauluschke

    Vincent van Gogh: Les bateaux amarrés (Rhonebarken), 1888, Öl auf Leinwand, 78,2 x 88,6 x 10 cm, Museum Folkwang, Essen, (ehemals Kunstmuseum Essen), Foto: Freya Pauluschke

  • Chiharu Shiota: I hope… (Detail), 2021, Seil, Papier, Stahl, Courtesy of K11 Collection und König Galerie, Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Chiharu Shiota, Foto: Freya Pauluschke

    Chiharu Shiota: I hope… (Detail), 2021, Seil, Papier, Stahl, Courtesy of K11 Collection und König Galerie, Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Chiharu Shiota, Foto: Freya Pauluschke

  • August Rodin: Le penseur (Der Denker), 1881/82 (Guss: spätestens 1919), Bronze, 71,5 x 45 x 60 cm, The National Museum of Western Art, Tokyo. Matsukata Collection, Foto: Freya Pauluschke

    August Rodin: Le penseur (Der Denker), 1881/82 (Guss: spätestens 1919), Bronze, 71,5 x 45 x 60 cm, The National Museum of Western Art, Tokyo. Matsukata Collection, Foto: Freya Pauluschke

  • Paul Gauguin: Cavaliers sur la plage (I) (Reiter am Strand (I)), 1902, Öl auf Leinwand, 65,6 x 75,9 cm, Museum Folkwang, Essen, Foto: Freya Pauluschke

    Paul Gauguin: Cavaliers sur la plage (I) (Reiter am Strand (I)), 1902, Öl auf Leinwand, 65,6 x 75,9 cm, Museum Folkwang, Essen, Foto: Freya Pauluschke

  • Claude Monet: Le bassin aux nymphéas (Der Seerosenteich), um 1916, Öl auf Leinwand, 131,2 x 201,3 cm, Museum Folkwang, Essen, Foto: Freya Pauluschke

    Claude Monet: Le bassin aux nymphéas (Der Seerosenteich), um 1916, Öl auf Leinwand, 131,2 x 201,3 cm, Museum Folkwang, Essen, Foto: Freya Pauluschke

  • Paul Signac: Le Port de Saint-Tropez (Der Hafen von Saint-Tropez), 1901/02, Öl auf Leinwand, 131 x 161,5 cm, The National Museum of Western Art, Tokyo, (ehemals Museum Folkwang, Hagen/Essen), Foto: Freya Pauluschke

    Paul Signac: Le Port de Saint-Tropez (Der Hafen von Saint-Tropez), 1901/02, Öl auf Leinwand, 131 x 161,5 cm, The National Museum of Western Art, Tokyo, (ehemals Museum Folkwang, Hagen/Essen), Foto: Freya Pauluschke

  • Gustave Courbet: La vague (Die Wogen), um 1870, Öl auf Leinwand, 72,5 x 92,5 cm, The National Museum of Western Art, Tokyo. Matsukata Collection, Foto: Freya Pauluschke

    Gustave Courbet: La vague (Die Wogen), um 1870, Öl auf Leinwand, 72,5 x 92,5 cm, The National Museum of Western Art, Tokyo. Matsukata Collection, Foto: Freya Pauluschke

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