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LOKALES

Aufregung um Kunstaktion

Eine der Stelen wurde neben dem Gedenkstein für Mehmet Kubaşık aufgestellt,
der vom Neonazi-Terrornetzwerk NSU ermordet wurde.
[Fotos: David Peters]
​​​​​​​10.02.2020 16:39 - David Peters

Eine schornsteinähnliche Steinkonstruktion neben dem Gedenkstein für NSU-Opfer Mehmet Kubaşık sorgte in Dortmund für Verwirrung. Die Soko Rechts der Dortmunder Polizei ermittelte, dann stellte sich heraus: Es war eine Kunstaktion.

Am 27. Januar hielt in der Dortmunder Mallinckrodtstraße gegen Mittag ein Auto mit einem Anhänger, berichtet eine Anwohnerin. Eine Gruppe in orangen Anzügen stellte mit Hilfe einer Sackkarre ein Steinkonstrukt neben dem Gedenkstein für Mehmet Kubaşık ab. Kubaşık wurde von Mitgliedern des Neonazi-Terrornetzwerks „NSU“ 2006 in seinem Kiosk erschossen. Die Gruppe in den orangenen Anzügen filmte ihre Aktion, verteilte Flyer und eine Frau tanzte auf der Straße, so die Anwohnerin. Danach verließ die Gruppe den Ort des Geschehens. 

Zurück blieb eine schornsteinähnliche Steinkonstruktion auf der „6 Mio.“, „Sebulon“ und an den Seiten „Jedem das Seine“ stand. 6 Millionen ist auch die ungefähre Anzahl der Jüdinnen und Juden, die während des Nationalsozialismus systematisch ermordet wurden. „Jedem das Seine“ wurde als Inschrift des Eingangstors des Konzentrationslager Buchenwald bekannt. „Sebulon“ ist einer der 12 Stämme Israels. Brisant auch der Tag der Aufstellung: Der 27.1. ist der Tag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee und gilt als „Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“.

Soko Rechts ermittelte

Eine Woche später wurde die Dortmunder Polizei auf das Steinkonstrukt aufmerksam, sicherte Spuren und ließ es entfernen. Die Soko Rechts ermittelte: Es bestand der Verdacht der Volksverhetzung und der Verdacht der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener. Der Verdacht erhärtete sich nicht, denn am darauffolgenden Tag stellte sich heraus: Es handelte sich nicht um eine antisemitische Provokation, sondern um eine Aktion des Künstler*innenkollektivs Kooperative K, die damit den Opfern der Shoah gedenken wollten. In der Dortmunder Bittermark war eine weitere Stele entdeckt worden und auch die dazugehörigen Flyer, die den wirklichen Hintergrund der Aktion erklären. Der Dortmunder Rabbiner Baruch Babaev bezeichnete die Aktion in der WDR Lokalzeit als „gut gemeint, aber sehr schlecht gemacht“.

Künstler zeigt Verständnis für die Reaktionen

Künstler Dietmar Schneider ist einer der Organisator*innen der Aktion. Der Hagener wollte damit eine andere Form der Erinnerungskultur schaffen. 12 Steinkonstruktionen, bewusst in Form von Schornsteinen, die an die KZs erinnern sollten, stellten die Künstler*innen in Dortmund, Köln und Hagen auf. 12 Steine für die 12 Stämme Israels. Jeder einzelne beschriftet mit einem der Stammesnamen. Dazu eine Tanzperformance der Tänzerin Sara Peña unterlegt mit Musik, die von zwei Frauen der jüdischen Gemeinde Hagen ausgewählt wurde. „Wir wollten damit an die Verbrechen erinnern, damit sowas nie wieder passiert“, erklärt sie.

Das Projekt ist damit aber noch nicht abgeschlossen. Die Gruppe will einen Film über ihre Aktion und die Geschichten der Orte, an denen die Stelen aufgestellt wurden in Form eines Podcasts veröffentlichen und damit insbesondere Schüler*innen ansprechen.

Schneider äußerte auch Verständnis für die Fehlinterpretation der Aktion: „Vielleicht hätten wir noch ein kleines Schild an den Steinen befestigen sollen.“ An dem Stein in der Dortmunder Mallinckrodtstraße waren die Flyer, die die Aktion erklärten, nämlich schnell verschwunden. Übrig blieb nur der Stein mit der brisanten Botschaft. An der Aufregung gäbe es aber auch positives: Es sei gut, dass jetzt darüber gesprochen werde, so Schneider.

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