Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Antisemitismus: Aufregung um DGB-Veranstaltung

 Junge GEW und Antifaschist*innen rufen zu einer Gegenkundgebung

vor der Veranstaltung auf.

[Symbolfoto: David Peters]

09.12.2019 13:11 - David Peters

Der DGB Dortmund Hellweg lädt am 11.12. um 19 Uhr zu einer Veranstaltung in der Dortmunder Pauluskirche ein. Thema: „Israel, Palästina und die Grenzen des Sagbaren”. Kritik an der Veranstaltung kommt von der örtlichen jüdischen Gemeinde und der jungen GEW.

Der Referent Andreas Zumach, der sich selbst nicht als BDS-Unterstützer sieht, soll sich auf Einladung des DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund), Attac und dem Nachdenktreff mit „Israel, Palästina und den Grenzen des Sagbaren“ beschäftigen. Dabei soll es um die BDS-Bewegung („Boycott, Divestment and Sanctions“) gehen. Die Bewegung hat es sich zum Ziel gesetzt, den israelischen Staat politisch, wirtschaftlich und kulturell zu boykottieren. Im Gegensatz zum deutschen Bundestag bewertet Andreas Zumach die BDS-Kampagne nicht als antisemitisch. In einem gemeinsamen Antrag der CDU/CSU, FDP, SPD und den Grünen wird auch auf den historischen Kontext eingegangen: „,Don’t Buy‘-Aufkleber der BDS-Bewegung auf israelischen Produkten wecken unweigerlich Assoziationen zu der NS-Parole ,Kauft nicht bei Juden!‘ und entsprechenden Schmierereien an Fassaden und Schaufenstern.“

„Der DGB-Stadtverband erachtet es gerade vor dem Hintergrund der sehr emotional geführten Debatte als wichtig, eine differenzierte Diskussion über die Bewegung im Rahmen einer Bildungsveranstaltung führen zu können“, heißt es in der Veranstaltungseinladung, in der die israelische Politik als „völker- und menschenrechtswidrig“ betitelt wird. Die jüdische Gemeinde Dortmund hingegen bezeichnet die Veranstaltung als „tendenziös“: „Aus den bisherigen Auftritten des alleinigen Referenten Andreas Zumach ist aber hinlänglich bekannt, dass es ihm allein darum geht, die antisemitische Boykottbewegung BDS vom Vorwurf des Antisemitismus rein zu waschen.“ Stattdessen empfiehlt die Gemeinde dem DGB Dortmund eine Veranstaltung zu „gesellschaftlich relevanteren Themen, wie beispielsweise: ,Die gesellschaftliche Entgrenzung des antisemitischen Ressentiments‘.“

2017 sorgte eine BDS-Veranstaltung an der Universität Duisburg-Essen für einen Bruch der AStA-Koalition aus RCDS, LHG, Antihelden und der Internationalen Liste (akduell berichtete). Die Veranstaltung sorgte für großes Aufsehen (akduell berichtete).

Junge GEW ruft zu Gegenkundgebung auf

Auch die junge GEW, die Mitglied im DGB ist, zweifelt an der Unvoreingenommenheit des Referenten und bezeichnet ihn als „absolut falsche Wahl“. Man habe im Vorfeld versucht, Kontakt zum DGB- und GEW-Stadtverband aufzunehmen, um dem DGB zum Rückzug aus dem Kreis der Veranstaltungsorganisator*innen zu bewegen, dies sei aber ohne Erfolg geblieben.

Im Gegensatz zum deutschen Bundestag bewertet Andreas Zumach die BDS-Kampagne nicht als antisemitisch.

Laut der jungen GEW wurde auch die Bitte der jüdischen Gemeinde an den DGB, das Podium um eine weitere Position zu erweitern, um eine kritische Diskussion zu ermöglichen, abgelehnt. „Wir als junge GEW Dortmund distanzieren uns deutlich von der Veranstaltung. Wir bedauern sehr, dass uns dies in den Strukturen unserer eigenen Organisationen begegnet und werden weiterhin gegen diese Positionen ankämpfen.“

Stattdessen rufen die jungen Gewerkschafter*innen am Veranstaltungstag zu einer Kundgebung auf dem Vorplatz der Pauluskirche auf. Ab 18 Uhr wollen sie ihren Widerspruch gegen die Veranstaltung, den BDS und jeden Antisemitismus deutlich machen. Auch eine antifaschistische Gruppe aus Dortmund hat sich zur Gegenkundgebung angekündigt: „Wir unterstützen die Proteste und stehen solidarisch an der Seite der jungen GEW und der jüdischen Gemeinde. Wo auch immer Antisemitismus oder die Rechtfertigung dessen eine Plattform geboten bekommen, bleibt es die Aufgabe aller Antifaschist*innen, diesen in seine Schranken zu weisen", so Kim Schmidt, Pressesprecherin der Autonomen Antifa 170 dazu.

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