Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Antirassistische Begegnung in Essen

(Symbolbild: Flickr.com/Rasande/CC BY-NC 2.0)

04.03.2019 12:27 - Sophie Schädel

Um den 21. März finden die Internationalen Wochen gegen Rassismus statt, bei denen europaweit mit Ausstellungen, Workshops und anderen Veranstaltungen Zeichen gegen Rassismus gesetzt werden. Einige Aktivist*innen aus dem Essener Nordviertel nehmen das zum Anlass, ein Experiment zu wagen.

„Wir wollen ab Freitag, dem 15. März, für mindestens einen Tag ein Zeichen gegen Abschiebungen und andere rassistische Gewalt zu setzen“, so der Zusammenschluss der Essener Aktivist*innen in einem Aufruf.

Max, einer der Aktivist*innen, erklärt: „Wir wollen auf der Straße präsent und ansprechbar sein und mit den Leuten über deren Erfahrungen mit Rassismus ins Gespräch kommen.“

Experimentell ist dabei die Form, die die Aktivist*innen für ihre Aktion gewählt haben. Statt einer üblichen angemeldeten Kundgebung mit Transparenten, ist ihr Plan, generell im Stadtteil Präsenz zu zeigen, ohne festen Ort und konkrete Uhrzeit. Damit der Protest trotzdem als solcher wahrnehmbar ist, haben sie sich ein optisches Zeichen überlegt: Wer mitmachen will, soll rote oder orangene Warnwesten tragen. Treffpunkte sind alle Kreuzungen und Plätze im Essener Nordviertel.

Antirassismus von unten

Der Zusammenschluss um Max kritisiert außerdem die offiziellen Wochen gegen Rassismus, da sie auch von offizieller Stelle gefördert werden, beispielsweise vom Innen- und dem Familienministerium.

Was ist Racial Profiling?

Der Begriff bezeichnet ein Vorgehen, bei dem die Polizei und andere Behörden Personen für Kontrollen und andere Maßnahmen anhand äußerlicher Merkmale wie zum Beispiel der Hautfarbe auswählen. Dabei werden die Menschen nach stereotypen Vorstellungen etwa auf Aufenthaltserlaubnis oder Drogendelikte überprüft.

„Für uns fängt Rassismus nicht mit Ausländerhass von Einzelnen an. Dazu gehören auch staatliche Maßnahmen wie Abschiebungen, Racial Profiling und Leute, die man im Mittelmeer ertrinken lässt. Darum wollten wir eine Aktionsform finden, die sich nicht mit dem staatlichen Vorgehen begnügt und mehr ist, als nur ein Zeigen bunter Vielfalt“, kritisiert Max.

Was passiert, wenn sie im Laufe ihrer Aktion von konkreten rassistischen Ereignissen hören? „Falls etwas passiert, ein Übergriff, rassistische Polizeikontrollen oder eine Abschiebung, wollen wir zumindest anwesend sein und protestieren“, sagt Max. „Da Abschiebungen oft nachts oder in den frühen Morgenstunden stattfinden, planen wir, rund um die Uhr vor Ort zu sein“, steht ergänzend im Aufruf. Die Gruppe ist dabei offen für kreative Ideen: „Wir hängen an den Ecken im Viertel herum, da kann ein kleines Konzert oder Kreide malen mit Kindern helfen, in Kontakt zu kommen.“

Das Essener Nordviertel

Der Essener Norden birgt einiges Potential für Aktionen gegen Rassismus, findet Max. Beispielsweise ist das Viertel ein Schwerpunkt von Racial Profiling. (akduell berichtete) Max führt aus: „Hier trifft Vieles zusammen. Menschen aus allen Regionen der Erde, aber auch Verwahrlosung und Verdrängung durch die Stadt und Immobilienunternehmen.

Außerdem ist das Viertel im Fokus von polizeilichen Razzien gegen angebliche Clan-Kriminalität, bei denen Straftaten vor allem im migrantischen Milieu gesucht und verfolgt werden. Das Alles macht den Ort für uns prädestiniert für solche Aktionen.“

Max sagt mit Blick auf eine langfristige Perspektive: „Dieser Protest ist erstmal eher ein Symbol. Aber wir denken, dass man sich gegen Rassismus nicht nur bei Kundgebungen, sondern dauerhaft im Alltag organisieren muss. Wir wollen eine Diskussion anregen, was Rassismus eigentlich ist. Unser Traum wäre, dass Leute sich so organisieren, dass sie rassistische Diskriminierung gemeinsam verhindern können.“

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