Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

25 Jahre Straßenmagazin „bodo“

Das Straßenmagazin bietet neben Stadtgeschichten und Kultur
auch einen sozialen Anteil. ​​​​​​​[Foto: David Peters]
10.03.2020 15:34 - David Peters

Vor 25 Jahren erschien die erste Ausgabe des Straßenmagazins bodo – herausgegeben von einem gleichnamigen Verein. Der Verein kümmert sich aber nicht nur um das Erscheinen des Magazins: auch soziale Arbeit und das Ziel, Wohnungslosen eine Lobby zu geben, gehören zur Agenda. Wir haben mit Chefredakteur Bastian Pütter über die Aufgaben, Chancen und Probleme von bodo gesprochen.

„Angefangen hat alles vor 25 Jahren mit einer Idee, die gar nicht unsere war“, berichtet Bastian Pütter, Chefredakteur der bodo. „Ein paar Leute aus Bochum und Dortmund waren in Hamburg und haben sich das Projekt der sozialen Straßenzeitung Hinz&Kuntz angesehen und kopiert.“ Verkäufer*innen in sozial schwierigen Lagen verkaufen das Magazin auf der Straße. 2,50 Euro kostet eine bodo, die Hälfte des Preises geht an den*die Verkäufer*in.

Auslöser des Projekts war eine Phase mit steigender Wohnungsnot, aus der auch eine Wohnungslosenkrise entstand, erklärt Pütter. Der Verlust der eigenen Wohnung sei auch immer mit einem rapiden Abstieg verbunden. Menschen, die eigentlich in der Mitte der Gesellschaft befanden, finden sich nach einer persönlichen Krise und der Wohnungslosigkeit meist am Rand der Gesellschaft wieder. Das Projekt versucht auch den Verkäufer*innen die Perspektivlosigkeit zu nehmen, die sich während der Wohnungslosigkeit häufig einstellt.

Niedrigschwelliges Jobangebot als Einstieg in den Arbeitsmarkt

Eine vierstellige Zahl an Verkäufer*innen haben über die Jahre für bodo gearbeitet, berichtet Pütter: „Wir haben ein sehr niedrigschwelliges Jobangebot. Du kannst reinkommen, brauchst keinen Wohnsitz, keinen Lebenslauf und wir haben kein Assessmentcenter. Wir haben ein paar Regeln und dann kannst du sofort anfangen.“ Um eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wie beim Jobcenter handelt es sich aber nicht: „Wir haben für uns verstanden, dass man Arbeit nicht simulieren kann, wie es in ABMs manchmal getan wird.” Zum Ansatz von bodo gehört es, den Menschen den Wert ihrer Arbeit und ihres Engagements zu vermitteln. So möchte man auch die Identifikation mit dem Projekt fördern.

„Wir machen keine 48 Seiten Elend.“

Mit den Zeiten änderten sich auch die Probleme, die der Verein bekämpfen möchte. „In den 00er Jahren haben wir festgestellt, dass wir die Leute zwar von der Straße bekommen, aber nicht in einen Job“, so Pütter. Als Reaktion darauf wurde ein Umzugsunternehmen gegründet und mit dem Verkauf von Büchern begonnen, die dem Verein geschenkt wurden. „Das sollte nicht wie auf einem Kirchenbasar sein, sondern wir wollten daraus ein professionelles Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekt schaffen.“ Ein Job bei bodo sei für viele der (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Lobbyarbeit und Stadtmagazin

Der Verein finanziert sich aus den Einnahmen der Verkäufe und Spenden. Staatliche Förderung bezieht er nicht, dadurch ergäbe sich auch eine gewisse Unabhängigkeit, erklärt Pütter. Der Verein möchte den Wohnungslosen nämlich eine Lobby geben. Neben der Schaffung von Arbeitsplätzen und dem Magazin gehört auch die Lobbyarbeit für Wohnungslose zu den Aufgabenfeldern. Bastian Pütter erklärt die Intention dahinter: „Wir haben mit Leuten zu tun, die ganz viel können und ganz viel wollen, aber es gibt Hürden, die denen im Weg sind. Wir sehen uns in der Position, diese Hürden mit aus dem Weg zu räumen, durch Öffentlichkeit, aber auch durch Einbindung der Betroffenen.“ Das seien zum Beispiel Kooperationen mit Theatern oder Schulen, aber auch die sozialen Stadtführungen, die bodo veranstaltet. 

Neben den sozialen Aspekten muss aber auch jeden Monat das Magazin herausgebracht werden. Dazu arbeitet das kleine Redaktionsteam mit freien Journalist*innen  und Fotograf*innen zusammen. Heraus kommt dabei ein Magazin mit Stadtgeschichten, Kultur,  und einem sozialen Anteil. „Wir machen keine 48 Seiten Elend. Das wollen auch unsere Verkäufer*innen gar nicht“, so Pütter. 
 

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