Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

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15 Years Later – Gedenken an Thomas Schulz

Eine Demonstration von Antifaschist*innen wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt.
[Archivfoto: David Peters]
30.03.2020 15:03 - David Peters

In Dortmund haben am vergangenen Wochenende Antifaschist*innen dem vor 15 Jahren ermordeten Thomas Schulz gedacht. Eine Demonstration wurde aufgrund des Corona-Virus bereits vor Wochen abgesagt.

U-Bahnhaltestelle Kampstraße: Am 28. März 2005 wurde hier der Punker Thomas Schulz erstochen. Er hinterließ eine Frau und zwei Kinder. Der damals 17-jährige Täter, ein bekannter und vorbestrafter Neonazi, wurde wegen Totschlags zu 7 Jahren Haft verurteilt. Eine politische Motivation für die Tat lag laut dem Gericht nicht vor. Der Täter wurde vorzeitig entlassen und war danach wieder Teil der extrem rechten Szene und auch an Gewalttaten beteiligt. Schulz war das vierte von insgesamt fünf Todesopfern rechter Gewalt in Dortmund. Seit 2005 demonstrierten deshalb jährlich in Dortmund Antifaschist*innen, um Thomas Schulz, aber auch den anderen Opfern zu gedenken.

Die vorerst letzte Demonstration fand 2015 statt. Die Antifaschistische Union Dortmund, die die Demonstrationen organisiert hatte, gab bekannt, dass sie „in Zukunft neue Wege beschreiten wolle, um der Theorie und Praxis von emanzipatorischer Gesellschaftskritik gerecht zu werden.“ Man wollte außerdem Platz für „neue Konzepte linksradikaler Gedenkpraktiken“ schaffen.

Nach fünf Jahren Pause wollte ein neues Bündnis die Gedenkdemonstration in diesem Jahr wieder aufleben lassen. In den sozialen Netzwerken und im Stadtbild waren schon zahlreiche Flyer und Plakate zu sehen. Doch aus der Demo wurde aufgrund der aktuellen Situation rund um das Corona-Virus nichts. „Die Ausbreitung der Pandemie und die damit verbundenen Vorsichtsmaßnahmen lassen uns keine andere Wahl, als die Demonstration abzusagen”, erklärte der Pressesprecher des Bündnisses, Pablo Fischer.

Gedenken trotz Absage der Demonstration

„Um dennoch an die Tat zu erinnern, fanden sowohl im öffentlichen als auch im digitalen Raum mehrere Aktionen statt“, erklärte das Bündnis. Die Aktivist*innen stellten ein Alternativprogramm am Todestag auf die Beine: Im Dortmunder Stadtbild tauchten Tranparente auf, die an Thomas Schulz erinnerten, an der Haltestelle Kampstraße wurden Blumen, Kerzen und Plakate abgelegt.

Um 14 Uhr, dem eigentlichen Startpunkt der geplanten Demonstration, war im Radio Nordpol, einem Dortmunder Radioprojekt, ein Interview mit einem Zeitzeugen und einer Mitorganisatorin der Demonstration zu hören. Der Zeitzeuge berichtete, wie er damals die Tat wahrgenommen hat und welche Konsequenzen diese für den politischen Aktivismus in Dortmund hatte. Die Mitorganisatorin machte deutlich, dass „ein Ausfall der Demonstration kein Ausfall des Gedenkens“ bedeute. Im Fokus ihres Beitrags stand auch das gegenwärtige Ausmaß der rechten Gewalt in Dortmund.

„Unter den gegebenen Umständen, haben wir das getan, was uns derzeit möglich ist, um Thomas Schulz zu gedenken. Wir möchten nicht, dass die Tat in Vergessenheit gerät”, so Pablo Fischer. Die Organisator*innen beschäftigen sich außerdem mit dem Gedanken, die Gedenkdemonstration zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.

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