Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

1. Mai in Duisburg: Mit zivilem Ungehorsam gegen Neonazis

    Rise Up informiert auch mit Flyern über ihr Programm [Foto: Rise Up Duisburg]

26.02.2019 13:00 - Redaktion

Die Neonazi-Partei Die Rechte will am 1. Mai 2019 durch Duisburg marschieren. Das neue Bündnis „Rise Up – Duisburger Jugendbündnis gegen Rechts“ will den Aufmarsch verhindern. Warum das wichtig ist, wer die Neonazis sind und für welche Inhalte das Bündnis steht, haben wir sie im Interview gefragt.

ak[due]ll: Ihr habt das Bündnis RiseUp erst vor kurzem gegründet. Was unterscheidet euch von anderen Gruppen, die sich gegen Neonazis engagieren?

Paul: Wir versuchen, vor allem junge Menschen zu erreichen. Dabei treten wir aber explizit nicht in Konkurrenz mit anderen Bündnissen. Wir wollen die Menschen erreichen, die sich vielleicht das erste Mal gegen Rechts engagieren und einen Ort suchen, das umzusetzen.

ak[due]ll: Wie sieht das konkret aus?

Paul: Wir versuchen es auf verschiedenen Wegen: über Social Media, E-Mail, aber auch im  persönlichen Gespräch. Wir organisieren zum Beispiel Stadtteil-Spaziergänge, wo wir die Nachbarschaften über den Aufmarsch und die Partei aufklären. Wir machen Info-Veranstaltungen, Aktionstrainings, offene Treffen und hoffen so, möglichst viele junge Duisburger*innen zu erreichen.

ak[due]ll: Was für Gruppen engagieren sich bei euch bisher?

Paul: Wir sind erstmal für alle Gruppen offen. Aktuell sind bei uns antifaschistische Gruppen, Recht auf Stadt-Initiativen, Studierende, der AStA, Kulturschaffende und einzelne Personen organisiert.

ak[due]ll: Für den 1. Mai hat die Neonazi-Partei „Die Rechte“ in Duisburg einen Aufmarsch angekündigt. Das haben sie ja schon 2015 versucht und es abgeblasen. Warum kommen sie jetzt?

Paul: Die Parteistruktur ist nur die Oberfläche. Darunter verbirgt sich die Nachfolgestruktur von verbotenen Kameradschaften, zum Beispiel des Nationalen Widerstand Dortmund. Die Rechte versucht in Duisburg einen neuen Kreisverband aufzubauen. Hier sollen Nazis, die früher in Kameradschaften waren, gesammelt werden und unter dem Partei-Slogan agieren. Mit der Demo versuchen die Neonazis, Präsenz zu zeigen und den Ortsverband zu stärken.

In letzter Konsequenz sind wir alle, die Menschheit, damit gemeint.

ak[due]ll: Welche Folgen hätte das?

Paul: Was daraus im Alltag folgt, sieht man zum Beispiel in Dortmund. Eine gestärkte Rechte ist immer eine Gefahr für alle Menschen, die in das Feindbild der Neonazis passen. Wir gehen davon aus, dass viele, die sich der Weltanschauung zugehörig fühlen, durch einen erfolgreichen Aufmarsch ihre Überzeugungen auch in Taten umsetzen. Das können Gewalttaten sein, die bis in den Rechtsterrorismus hinein reichen. Wenn es da keinen Widerstand gibt, könnte der Eindruck entstehen, es gäbe dafür eine Legitimation. Deshalb ist es uns auch so wichtig den Aufmarsch, wenn möglich, komplett zu verhindern.

ak[due]ll: Wer gehört denn ins Feindbild der Neonazis?

Paul: Ins Feindbild gehören alle Menschen, die als migrantisch markiert und angesehen werden, alle die deren Ansicht nach den „Volkskörper“ zersetzen, seien das politische Gegner*innen, Menschen, die nicht ins binäre Geschlechterkonstrukt passen, die nicht heterosexuell sind, Menschen mit Behinderungen, Obdachlose und weitere. In letzter Konsequenz sind wir alle, die Menschheit, damit gemeint. Auch Antisemitismus spielt eine sehr große Rolle. Gerade Die Rechte fällt immer wieder mit antisemitischen Provokationen auf.

ak[due]ll: Mit welchen Mitteln wollt ihr den Aufmarsch eigentlich verhindern?

Paul: Mit allen möglichen des friedlichen, zivilen Ungehorsams. Wir wollen uns da aber auch nicht festlegen und festlegen lassen, wie das konkret aussieht am Ende.

ak[due]ll: Kritiker*innen des zivilen Ungehorsams behaupten oft, das sei illegal. Was sagt ihr denen?

Paul: Wir halten zivilen Ungehorsam für legitim. Es gibt auch Gerichtsurteile zu Sitzblockaden, die vom Versammlungsrecht gedeckt waren. Nazis sind nicht Teil eines demokratischen Diskurses, sondern wollen ihn abschaffen. Wir wollen ihnen auch die Möglichkeit nehmen sich zu vernetzen. Das ist nicht legitim, auch wenn die Demo genehmigt wird. Von uns wird aber keine Gewalt ausgehen. Wir finden auch die Fixierung auf diese Frage nicht zielführend. Es gibt einen bunten Strauß an kreativen Methoden, vom musikalischen Beitrag über Flashmobs und Blockaden bis zur Kommunikationsguerilla. Außerdem wollen wir am 1. Mai nicht nur den Aufmarsch verhindern, sondern auch eigene Inhalte an die Leute bringen. Es ist schließlich der Tag der Solidarität zwischen den Arbeiter*innen.

ak[due]ll: Was sind das für Inhalte?

Paul: Wir wollen ein solidarisches Miteinander aufbauen, eine Zukunft in der wir gerne leben, wo wir einander solidarisch zur Seite stehen, einen lebenswerten Alltag haben, keine Ausbeutung, ein intaktes Klima, das überhaupt die Grundlage für unsere Zukunft ist. Wir wollen, dass Geflüchtete menschenwürdig behandelt werden, und natürlich die Emanzipation aller Geschlechter.

"Embrace the unexpected"

Der jährliche TEDx Talk an der Ruhr Universität Bochum unter dem Motto „Embrace the unexpected“
 

Staub+Trocken=

9211

Nutzer*innen sind auf incels.is, einem der größten Incelforen weltweit (Stand: März 2019)

Wie viele User das Portal incels.is hat und über was sich dort ausgetauscht wird, erfahrt ihr hier.
 

Wer trägt die Kosten der Notre-Dame?

Nach dem Feuer in der Notre-Dame steht die Frage offen, wer die Kosten der Restaurierung tragen wird.
 
Konversation wird geladen