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KULTUR

Wenig Feuer, viel Rotz: L7 feiern ihr Comeback

 L7 feiern nach zwanzig Jahren ihr Comeback. [Foto: Wikipedia]

11.05.2019 17:22 - Julia Segantini

Die nur mit Frauen besetzte Punkband L7 brachte am 03. Mai mit Scatter The Rats ihr erstes Album seit 20 Jahren heraus. Auch nach zwei Dekaden haben die vier Powerfrauen aus Los Angeles nichts von ihrer Rotzigkeit eingebüßt und kehren mit grungigen Sounds zurück in die Plattenläden. 

Vor allem Ende der 80er und Anfang der 90er machten L7 als einer der ersten Vertreterinnen der Riot Grrrl Bewegung von sich hören. L7 waren im Vergleich zu anderen Bands zwar weniger politisch, kämpften durch ihr provokantes Auftreten jedoch trotzdem gegen die männerdominierte Rockmusik.

„Eat my used tampon, fuckers!“

Unvergessen bleiben dabei Auftritte wie beim Reading Festival 1992, als die Band mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und ihr Set unterbrechen musste. Die unruhige Menge warf daraufhin Schlamm auf die Bühne. Sängerin Donita Sparks konterte wie es nur eine weibliche Punkband könnte: Aus Protest entfernte sie ihren Tampon auf der Bühne, warf ihn in die Menge und schrie: „Eat my used tampon, fuckers!“ (dt.: „Esst meinen gebrauchten Tampon, Ficker!“).

Low-Key-Rotz

Dieses Feuer ist auf der neuen Platte Scatter The Rats leider eher eine Flamme. Geschuldet ist das sicherlich dem weniger punkigen als grungigen Sound, Grunge ist schließlich nicht gerade ein High Energy-Genre. Die Stimmung ist bis auf kleine Ausreißer (Uppin’ the Ice) durchweg gedrückt und alles klingt etwas nach angezogener Handbremse. Einige Highlights gibt es trotzdem – checkt den Album-Opener und die Twang-Gitarre bei Stadium West. Wie es sich gehört ist der Sound zudem schön dreckig und schrammelig und sieht genau wie das Cover, ganz nach L7-Manier, nach DIY aus. 

Beim ersten Durchspielen plätscherte die Scheibe ein wenig dahin, beim wiederholten Anhören änderte sich das zum Glück. Was die vier Frauen da raushauen ist eben nicht so in-your-face-geil, sondern eher low-key-geil. Mag auch daran liegen, dass sie mittlerweile in ihren 50ern sind, was man bei dem rotzigen Sound aber kaum glauben kann. Denn wütend sind sind die Rockerinnen aus L.A definitiv immer noch. So zum Beispiel auf der punkigsten Nummer Garbage Truck, in der es um destruktive Liebe geht: „My love is like a garbage truck, get wasted and I’ll pick you up […] To hell the fuck this whole thing“. Fazit: Beim Label von Joan Jett, Blackhearts Records, sind L7 in den besten Händen. Reinhören sollten in jedem Fall Fans von 90er Grunge und Menschen, die einen Soundtrack für ihre mies-drauf, die-Welt-ist-scheiße-Tage brauchen. Wie L7 selbst bei Proto Prototype singen: „We’ve always known how to slam“.
 

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