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KULTUR

„We Want You!“ – Die Botschaft aller Plakate

Die Litfaßsäule ist ein extra für Werbeplakate geschaffener Ort.
[Foto: Freya Pauluschke / Ausstellungsansicht „We Want You!“,
Museum Folkwang, 2022]

16.05.2022 13:59 - Freya Pauluschke

Werbung ist überall. Riesige Plakatwände im urbanen Raum nehmen wir inzwischen nur noch unterschwellig wahr. Doch wie entwickelte sich die Erscheinungsform des Plakates? Das Deutsche Plakat Museum, eine Spezialsammlung im Museum Folkwang, zeigt noch bis zum 28. August 2022 die Geschichte des Plakates – von den Anfängen bis heute. Wir haben uns die Ausstellung „We Want You!“ genauer angeschaut.

Als ich die Ausstellung betrete, fühle ich mich wie in eine Theaterkulisse versetzt. Eine alte Straßenlaterne steht im ersten Raum und lässt ihn in einem gedämmten Licht erscheinen. Ich gehe auf ein Bild zu, was fast eine ganze Wand füllt. Es zeigt eine Straßenecke, ein Plakatierer entfernt Flugblätter von einer Hauswand. Neben ihm ein Mann, der die Papierfetzen aufhebt – „I want all the Scraps I can collect.“ steht darunter. Durch die Größe des Bildes in Kombination mit der Straßenlaterne wirkt es, als würde man durch die Straßen des 18. Jahrhunderts wandern, da wo das Plakat seinen Ursprung hat. Die Vorläufer des Plakates zeigen mehr Text als Illustrationen und wurden meist wild in der Stadt an freien Flächen angebracht. Sie laden zu Theater- und Zirkusvorstellungen, Auftritten von Gauklertruppen oder Zauberkünstler:innen ein. Die Ausstellung unterteilt die Plakate in Zeitabschnitte und Länder. Es werden hauptsächlich Plakate aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA präsentiert.

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Im nächsten Raum steht eine 5-eckige grüne Litfaßsäule mit Kuppel. An dieser Nachbildung sind farbenfrohe französische Plakate angebracht, darunter ein Eröffnungsplakat des Pariser „Salon du Cycle et de l’Automobile“. Um die Ecke steht eine runde grüne Litfaßsäule mit einem Werbeplakat für Grammophon-Platten und Propagandaplakaten von Kriegsanleihen. Poster wie das berühmte „I Want You for U.S. Army“ oder das Wahlplakat der Nationalsozialisten zur Reichstagswahl 1933 mit dem Untertitel „Der Marschall und der Gefreite kämpfen mit uns für Frieden und Gleichberechtigung“ spiegeln die Kriegspropaganda des Ersten und Zweiten Weltkrieges wider. Darüber hinaus sind viele Werbeplakate für Zigaretten, Schuhe, Reisen mit dem Orient-Express oder Kunstausstellungen, wie Bauhaus-Wanderschauen oder der documenta zu sehen. Die Plakatthemen der DDR-Zeit sind stark politisch und humanistisch. Es ist deutlich zu sehen, dass Fotografie und Computerkunst im Laufe der Zeit bei der Gestaltung des Plakates präsenter werden. Früher wurde häufiger mit Illustrationen oder Karikaturen gearbeitet.

Lebendige Bilder

Der Fokus der Ausstellung liegt auf der Präsentation, Wahrnehmung und Wirkung des Plakates im öffentlichen Raum. Nach dem sogenannten „wilden Kleben“ kam Mitte des 19. Jahrhunderts die Litfaßsäule, erfunden vom Berliner Drucker Ernst Litfaß. Durch die nur für Außenwerbung gedachte Säule, wurde das Stadtbild aufgeräumt und von der Wildplakatierung befreit. Mit technologischem Fortschritt kamen auch neue Techniken, Werbung zu präsentieren, wie zum Beispiel die Video-Walls, wovon sich eine in Raum 07 befindet. Im vorletzten Raum werden animierte Plakate präsentiert. Mithilfe der Artivive-App können die Museumsbesucher:innen ihr Smartphone auf die Plakate halten und somit die Standbilder zu Bewegtbildern umwandeln.

Hinter jedem Plakat steckt eine Botschaft. Sie wollen die Betrachtenden überzeugen und in ihren Bann ziehen. Sie schreien „Wir wollen dich!“. Die Gestaltung eines Plakates, die oft Realität und Vision oder Wahrheit und Lüge vereint, verrät viel über dessen Auftraggeber und die Gesellschaft, in die es einwirken soll. Plakate beeinflussen uns, fordern auf, ein bestimmtes Produkt zu kaufen, eine Partei zu wählen oder laden zu Ausstellungen ein.

Umweltfreundliche Werbung

Die Ausstellung schließt mit einem Blick in die Zukunft ab. Im Raum steht eine als Wartehalle gestaltete Bushaltstelle, die Funktion, Information und Werbung kombiniert. An der Seitenwand der Konstruktion befindet sich ein digitaler Werbeträger, wie es schon bei vielen unserer gegenwärtigen Bushaltestellen der Fall ist. Ihre gläsernen Wände schaffen Durchblick und ein sicheres Wartegefühl. Filteranlagen sorgen für frische Luft und die Biodiversität wird durch Grünbedachung und Insektenhotels gefördert. Die Solarzellen auf dem Dach beleuchten die Bushaltestelle ressourcenschonend. E-Ink-Fahrplananzeigen sorgen stromsparend für Echtzeit-Informationen. Es wurde also nicht nur an eine bessere Wahrnehmung von Werbung und Service im öffentlichen Raum gedacht, sondern auch nachhaltig an die Umwelt.

Beim Verlassen der Ausstellung können Besucher:innen die Frage „Wofür sollen Plakate eigentlich noch werben?“ auf Post-its beantworten und an eine Zettelwand kleben. Manche Antworten lauten „Selbstliebe“ oder „Tierschutz“, auf anderen Zetteln steht „Stand with Ukraine“ mit Peace-Zeichen und Herz. Außerdem liegen Kopien von vier verschiedenen Plakaten gratis zum Mitnehmen bereit.

In unserer Fotostrecke könnt ihr einen Eindruck der Ausstellung bekommen:

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Fotostrecke Credits: 
1. [Foto: Freya Pauluschke / Werbeplakat Cirque Charles Hinné „Erste große Vorstellung“ (1865), Philipps Garten. Blondin der Zweite (1867), Ausstellung „We Want You!“, Museum Folkwang, 2022]
2. [Foto: Freya Pauluschke / Ausstellungsansicht „We Want You!“, Museum Folkwang, 2022]
3. [Foto: Freya Pauluschke / Ausstellungsansicht „We Want You!“, Museum Folkwang, 2022]
4. [Foto: Freya Pauluschke / Ausstellungsansicht (Litfaßsäule) „We Want You!“, Museum Folkwang, 2022]
5. [Foto: Freya Pauluschke / Wahlplakat „Der Marschall und der Gefreite“ (1933), Ausstellung „We Want You!“, Museum Folkwang, 2022]
6. [Foto: Freya Pauluschke / James Montgomery Flagg – „I Want You for U.S. Army“ (USA, 1917), Ausstellung „We Want You!“, Museum Folkwang, 2022]
7. [Foto: Freya Pauluschke / Ausstellungsansicht „We Want You!“, Museum Folkwang, 2022]
8. [Foto: Freya Pauluschke / Ausstellungsansicht (Video-Wall) „We Want You!“, Museum Folkwang, 2022]
9. [Foto: Freya Pauluschke / Ausstellungsansicht (animierte Plakate) „We Want You!“, Museum Folkwang, 2022]
10. [Foto: Freya Pauluschke / Ausstellungsansicht (Wartehalle) „We Want You!“, Museum Folkwang, 2022]
11. [Foto: Freya Pauluschke / Henri Boulanger Gray – PML & Grand Express Européens. Services vers la Méditeranée (1904-1905), Eugéne Vavasseur – Compagnie des Wagon-Bars (1898), Ausstellung „We Want You!“, Museum Folkwang, 2022]
12. [Foto: Freya Pauluschke / Ausstellungsansicht „We Want You!“, Museum Folkwang, 2022]

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