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KULTUR

Vier Miniserien, die ihr 2020 gesehen haben solltet

Marcin Dorocinski als Vasily Borgov und Anya Taylor Joy als Beth Harmon [Foto: Phil Bray/ Netflix]
29.12.2020 15:27 - Canberk Köktürk

Die Miniserie: zu lang für einen Film, zu kurz für eine Serie. Eine Handlung, die innerhalb einer Staffel auserzählt ist. Auch wenn dieses Format bereits seit den 1960ern existiert, hat es durch die Streamingdienste wieder an großer Popularität gewonnen. Viele Produktionen können durch dieses Genre ihren Charakteren mehr Tiefgang als in einem Film verleihen und der Handlung genug Raum bieten, ohne sie unnötig aufplustern. Die Miniserie ist wie ein gutes Buch. 2020 sind vier Miniserien erschienen, die ihr euch unbedingt ansehen solltet.

Das Damengambit

Elizabeth Harmon ist eine Waise, die in den 1950ern in einem Waisenhaus in Kentucky aufwächst. Im tristen Alltag des Waisenhauses, der durch ihre Unterforderung im Schulunterricht verstärkt wird, entdeckt Elizabeth den Hausmeister Mr. Shaibel alleine schachspielend in seinem Quartier. Ab diesem Zeitpunkt beginnt Elizabeths Reise in der männergeprägten Schachwelt. Hier fällt sie nicht nur als Frau auf, sondern vielmehr durch ihr Können. Die Mini-Serie behandelt neben ihrem Werdegang als Spitzensportlerin auch ihre persönliche Bewältigung von Traumata, Sucht und Einsamkeit. 

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Ein seltsames Kinojahr geht zu Ende. Trotz des Lockdowns und Verschiebungen von wichtigen Kinostarts gab es 2020 dennoch besondere Filme zu sehen.
 

Anya Taylor-Joy verkörpert die interessante Protagonistin, wodurch Das Damengambit auch für Zuschauer:innen, die sich nicht für Schach interessieren, ein besonderes Drama wird. Schachkenner:innen werden in den gespielten Partien bemerken, dass diese Serie von Expert:innen wie dem ehemaligen Schach-Weltmeister Garri Kasparow begleitet wurde.

Drama, 7 Episoden, Netflix 2020. Darsteller:innen: Anya Taylor-Joy, Bill Camp, Moses Ingram, Marielle Heller, Thomas Brodie-Sangster.

The Last Dance

Die Chicago-Bulls der 90er Jahre gehören zu den besten Teams, die die National Basketball League (NBA) je gesehen hat. Der Protagonist dieser Mannschaft, Michael Jordan, gehört zu den größten Sportlern aller Zeiten. Auch wenn ihr keine Sport- oder Basketballfans seid, wird diese Serie euch in zehn Folgen durch Mord, Spielsucht, Intrigen und historisch wichtige Ereignisse in ihren Bann reißen.
The Last Dance bietet nicht nur gut restauriertes Bildmaterial der sportlichen Highlights dieser Zeit, sondern auch die Biografien von legendären Spielern wie Scottie Pippen, der beste Zweite Mann der NBA-Historie, Hippie-Coach Phil Jackson und Dennis Rodman, falsch verstandener Badboy und Defensiv-Monster. Die Mini-Serie fühlt sich an wie ein Superhelden-Ensemble-Epos des Sports mit Michael Jordan als Iron Man. Durch die Zeitsprünge hat The Last Dance eine besondere Dramaturgie. Parallel zu den bemerkenswerten Lebensgeschichten der Protagonisten sehen wir die Erfolge der Bulls und die wundervoll schönen Sporthighlights.

Dokumentation, 10 Episoden, Netflix 2020. Darsteller:innen: Michael Jordan, Scottie Pippen, Phil Jackson, Dennis Rodman, Steve Kerr. 

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Michael Jordan in der Doku-Miniserie The Last Dance [Foto: Netflix]
 

Unorthodox

Esty ist eine junge Frau, die in einer streng orthodox-chassidischen Religionsgemeinschaft in Brooklyn bei ihren Großeltern aufgewachsen ist. Im Laufe der Serie werden Bräuche und Kultur der orthodox-jüdischen Gemeinschaft dargestellt, unter anderem Estys arrangierte Hochzeit mit Yanky. Ihre Hochzeit und der Aufbau einer eigenen Familie entsprechen Estys Vorstellung vom glücklichen Leben und den Erwartungen der Gemeinde. Die Ehe verläuft jedoch nicht so, wie sie sich das junge Paar vorgestellt hat.

Die Protagonistin fühlt sich immer mehr unterdrückt und hinterfragt das Leben in der Gemeinschaft. Sie entscheidet sich, Brooklyn heimlich zu verlassen und ihre Mutter in Berlin aufzusuchen. Ihr Ehemann Yanky und der Ex-Aussteiger Moishe werden vom Rabbi beauftragt, die junge Frau mit allen Mitteln zurück zur Gemeinschaft zu holen. Unorthodox ist keine leichte Kost für einen entspannten Serienabend. Die Handlung, die schauspielerische Leistung und die ambivalente Protagonistin, die von einer extremen Welt in eine andere taucht, sind besonders stark hervorzuheben. Unorthodox sollte man sich im Originalton ansehen, um die Multilingualität der Serie miterleben zu können.

Drama, 4 Episoden, Netflix 2020. Darsteller:innen: Shira Haas, Amit Rahav, Jeff Willbusch, Alex Reid, Aaron Altaras.

Mrs. America

Mrs. America erzählt die Geschichte des Equal Rights Amendment (ERA) in den 1970ern. Das ERA ist ein Verfassungszusatz, der Männer und Frauen rechtlich gleichstellt  und seit den 1930ern in den USA immer wieder vom Kongress und Senat abgelehnt wurde. Erst 1972 stimmten Senat und Kongress für die Veränderung. Eine Verfassungsänderung muss in den USA jedoch neben einer Zweidrittelmehrheit im Kongress auch von drei Viertel aller fünfzig Bundesstaaten angenommen werden.

Wir begleiten ein Jahrzehnt lang einen Kulturkampf und ein Wettrennen um Bundesstaaten, der „STOP-ERA“- Bewegung, einer konservativen Gruppe um die republikanische Politikerin Phillys Schlafly gegen die berühmten Feministinnen der 1970er in den USA Gloria Steinem, Betty Friedan, Shirley Chisholm und Bella Abzug. Mrs. America ist nicht nur durch die Besetzung, Soundtrack, Kostüm und Szenenbild eine der besten Mini-Serien des Jahres, sondern stellt auch sehr gut dar, warum die USA bis zum heutigen Zeitpunkt eine gespaltene Nation ist.

Drama, 9 Episoden, FOX 2020. Darstellerinnen: Cate Blanchett, Rose Byrne, Uzo Aduba, Margo Martindale, Elizabeth Banks.
 

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