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KULTUR

Vier Alben von BPoC

Öfter mal was Neues entdecken

[Foto: pixabay]

13.07.2020 14:34 - Julia Segantini, Laura Lindemann

Wenn ihr eure Playlist beispielsweise bei Spotify durchscrollt, könnte euch eines auffallen: Bisher sind euch womöglich eine Menge talentierter BPoCs entgangen. Wir geben den Musiker*innen eine Bühne und stellen euch vier Alben von BPoCs vor, die wir klasse finden und mit denen ihr eure Playlist auffrischen könnt.

 Marvin Gaye – Whats going on, 1971

Mit dem 1971 erschienen Album What’s Going On ist Marvin Gaye von seinem seicht klingenden Soul, dem Sound des bekannten Plattenlabels Motown Records, abgerückt.

Wofür steht BPoC?

People of Colour (PoC) ist eine Selbstbezeichnung von Menschen, die diskriminierende Erfahrungen machen, weil sie als nicht weiß oder nicht westlich wahrgenommen werden. Es geht ihnen nicht darum, die Hautfarbe an sich hervorzuheben, sondern den Rassismus und die Dominanz der mehrheitlich weißen Gesellschaft zu thematisieren. BPoC (Black and People of Color) wird benutzt, um ausdrücklich von Schwarzen Menschen zu sprechen. Es gibt auch den Begriff BIPoC (Black, Indigenous and People of Color), der indigene Menschen einschließt.

Gute-Laune-Alben wie I Heard It Through the Grapevine zählten zwar bis dato zu seinen größten Hits, machten ihn in den Augen von manchen aber auch zu einem romantischen Schnulzensänger. Die Rückkehr seines Bruders aus dem Vietnamkrieg löst in ihm etwas aus. Unmittelbar danach nimmt er das Album What's Going On auf.

Er singt über Frieden, Korruption, die traumatischen Erfahrungen seines Bruders und stellt sich immer wieder die Frage: „What’s going on?“ Sein Unverständnis über die grausamen Geschehnisse in der Welt, seine Trauer und Wut verarbeitet er in Songs wie What’s Happening Brother. Der Soul ist atmosphärischer, tiefgreifender und auch um einiges nachdenklicher geworden. Aber nicht zu dick aufgetragen. Denn seine gewisse Leichtigkeit und Beschwingtheit hat Gaye niemals komplett abgelegt. Und gerade deshalb treffen seine Worte härter und bringen auch die Zuhörenden ins Nachdenken. Seine Songs gehen fließend ineinander über, obwohl jede Thematik für sich alleine steht. Am Ende bildet das Album eine melodramatische Einheit. Die Musikzeitschrift Rolling Stone setzte dieses auf Platz 6 der 500 besten Alben aller Zeiten.

Für Fans von: Isaac Hayes, The Temptations, Gil Scott-Heron 

Sharon Jones – Soul of a Woman, 2017

In ihrem neusten Album Soul of a Woman gibt Sharon Jones wieder ihre soulig-rauchige Stimme zum Besten. Sofort fühlt man sich in die Musik der frühen 70er Jahre katapultiert und vergisst, dass das Album im Jahr 2016 aufgenommen wurde. Dreht man Lieder wie These Tears richtig auf, fühlt es sich an, als ob ihre Energie und Power sich auf einen selbst überträgt. Es ist also quasi unmöglich, bei dieser Musik still zu sitzen.

Ihre Werke haben vor allem soulige Einflüsse, driften aber auch gerne mal in knallharten Funk ab, wie der Song Pick It Up, Lay It in the Cut auf ihrem ersten Album zeigt. Da blitzt ihre rotzige, rohe Seite durch, die unter den warmen Soul-Klängen schlummert. Mit ihrem neusten Album spürt man noch einmal mehr, dass die einstige Gospelchor-Sängerin, die Energie geladenere Version von Amy Winehouse ist, die immer wieder für musikalische Überraschungen sorgt. Während das Album aufgenommen wurde, kämpfte die Sängerin bereits mit Krebs. Mit dem Wissen sorgt der Song Searching for a New Day noch einmal mehr für Gänsehaut. Nach ihrem Tod 2016 wurde das Album veröffentlicht.

Für Fans von: Amy Winehouse, James Brown, Lee Fields 

National Wake - Walk in Africa, 2013 (ursprünglich 1981)

Die Punkband gründet sich Ende der 70er Jahre im Zuge der Studierendenproteste gegen das Apartheid-Regime in Südafrika. National Wake mischen dreckigen Punk mit afrikanischen Beats, entspanntem Reggae, verspielten Ska und lassen sogar etwas Funk durchblitzen.

Ganz verwunderlich ist die musikalische Ähnlichkeit von National Wake zu The Clash also nicht.

Nicht nur bei etwas härteren Nummern wie International News, in dem sie Missstände wie die staatliche Zensur anprangern, ist die Band politisch. Allein deren Existenz ist ein Statement. National Wake sind als multiethnische Band ein Meilenstein im südafrikanischen Punk, der auch dort eher von Weißen praktiziert wurde und wird. Sie konnten nur 700 Exemplare ihrer Platte verkaufen. Denn 1982 löste sich die Band nach massivem politischem Druck vonseiten der südafrikanischen Regierung, die die politischen Inhalte zensieren wollte, auf und der Handel mit ihren Kassetten wurde unterbunden. 2013 wurde die Platte neu aufgelegt. Die südafrikanische Punk-Szene war nie von der westlichen abgekoppelt. Besonders englische und amerikanische Musik waren dort beliebt. Ganz verwunderlich ist die musikalische Ähnlichkeit von National Wake zu The Clash also nicht. Schließlich profitierten eben jene Ende der 70er von der Reggae- und Ska-Musik, die BPoCs damals in den Clubs spielten. Bis heute ist besonders Ska ein wichtiges Element im Punkrock.

Für Fans von: The Clash, The Specials, The Stooges

The Adelians - s/t, 2016

Fans von Vintage-Sounds aufgepasst. Bei diesem Album kann man kaum glauben, dass es aus dem Jahr 2016 stammt. Wäre da nicht die leicht quäkende, kraftvolle Stimme im modernen Gesangsstil von Sängerin Florence. Ihre R&B-geladene Energie passt wunderbar zum 60s-Sound der Band mit treibenden Beats und verleiht den souligen Rhythmen mit Soul-Pop-Girlgroup-Flavour einen modernen Touch.

Die 27-jährige Sängerin zeigt eindrucksvoll, warum Gruppen wie The Supremes oder The Marvelettes auch knapp fünfzig Jahre später noch funktionieren. Bei Florence könnte ihr Einfluss nicht offensichtlicher sein. Trotzdem schafft sie es, sich immer wieder davon zu lösen. Dann wirft sie jegliche Technik über Bord, um ungeniert ins Mikro zu kreischen. Besonders gelingt ihr das, wenn sie auf französisch singt. Florence ist nämlich gebürtige Pariserin. Bisher ist die französische Kapelle nahezu unbekannt. Wer Trendsetter sein will, sollte sich diese rockige Soul-Perle nicht entgehen lassen. Anspieltipp: Stay – ein Cover von Rihannas gleichnamigen Hit als Vintage-Soul-Variante.

Für Fans von: The Supremes, The Temptations, Seratones

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