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KULTUR

Verloren zwischen Filmen - Ein Analog-Guide

Bei maximal 36 Aufnahmen pro Film sind Urlaubsfotos gleich viel bedeutsamer.

[Foto: Nikita Verbitskiy]

02.12.2021 14:22 - Nikita Marcus Verbitskiy

Die analoge Fotografie kann ein wunderbares Hobby sein, um  sich kreativ auszuleben und am Ende der ganzen Geschichte sogar etwas vorweisen zu können. Durch die immense Auswahl günstiger Kameras entfällt eine hohe Hürde der digitalen Fotografie. Allerdings ist der Einstieg oft nicht leicht und es gibt viele kleine Details, in die man sich einlesen muss. Um euch Zeit zu ersparen, haben wir die wichtigsten Punkte in einem Guide gesammelt.  

Vorab: Analoge Fotografie ist (langfristig) alles andere als preiswert. Zwar sind die Anschaffungskosten sehr gering, allerdings zahlt man mit jedem Film und jeder Entwicklung den Preis dafür. Und damit zum ersten Punkt: Was brauche ich am Anfang? 
Eine Kamera (duh), ein Objektiv, im Zweifelsfall (der meistens der Fall ist) eine Batterie und einen Film. Bei Filmen und Kamera stehen zwei Größen zur Auswahl: 35mm und 120mm. Entscheidet man sich für das kleinere 35mm Format, was ich Anfänger:innen alleine aufgrund der Preise empfehlen würde, hat man bei der Kamera im Prinzip zwei Optionen:

Im Text Foto SLR.jpg

Eine typische  35mm SLR, die Canon AE-1

Point-And-Shoot oder Spiegelreflex (SLR)?

Willst du dein Bild sorgfältig mit möglichst viel Kontrolle über das Endergebnis kreieren? Oder spontane Schnappschüsse machen, die einen “so cool war deine Oma damals”-Look haben? Eine Spiegelreflexkamera ist zwar nicht so portabel oder leicht zu bedienen wie eine Point-And-Shoot Kamera, hat aber dafür meist eine bessere Qualität und größere Objektive, die einem Bild Schärfentiefe (aka den Porträtmodus-Effekt) verleihen. Kauft man eine SLR, kann man das Objektiv wechseln und überlegen, ob man einen schmaleren (>50mm) oder weiteren (<35mm) Bildausschnitt ablichten möchte. Achtet hier darauf, dass ihr den passenden Anschluss an der Kamera habt! Bei einer Point-And-Shoot ist das Objektiv fest verbaut. 

Im Text Foto P_S.jpg

Die meisten Point-And-Shoots haben irgendwo „AF“ stehen, verwenden also Autofokus

Blende, Belichtungszeit und Fokus schnell erklärt 

Solltet ihr euch für die SLR entscheiden, müsst ihr euch mit diesen Begriffen auseinandersetzen. Die Namen und die vielen damit verbundenen Zahlen und Knöpfe mögen zwar erst einschüchternd wirken, sind aber im Endeffekt ganz simpel:
Wie lange belichte ich mein Bild? 
Wie viel Licht lasse ich auf einmal rein?
Welcher Teil soll scharf sein?
Ihr müsst eigentlich nur darauf achten, dass ihr die Belichtungszeit auf 1/60 Sekunde oder kürzer lasst (ohne Stativ ist das Bild sonst verwackelt) und die Blende entsprechend groß oder klein haltet, damit das Foto gut belichtet ist. Fast jede Kamera hat einen Belichtungsmesser und verrät euch dann, ob das Bild unter- oder überbelichtet ist. Beim Fokus dreht ihr am Objektiv, bis das Bild scharf erscheint. Ein paar Filme lang könnt  ihr mit verschiedenen Einstellungen experimentieren und ein Gefühl entwickeln, wie ihr die Parameter für welchen Anlass einstellt. Eine sehr kurze Belichtungszeit macht zum Beispiel Sinn, wenn sich das Objekt bewegt, da es sonst verschwommen aussieht. Eine längere wird nötig, wenn es dunkler wird und ihr keinen Blitz benutzen möchtet.

Welchen Film soll ich kaufen?

Heutzutage lautet die Frage wohl eher, welchen Film kann ich kaufen? Film ist seltener (und somit leider auch teurer) geworden. Meistens  müsst ihr auf das Internet vertrauen oder hoffen, dass die Kodak Gold Dreierpacks bei dm und Rossmann nicht sofort ausverkauft sind (Spoiler: sie sind es). Im Grunde müsst ihr nur auf die Größe achten, also 35mm oder 120mm Film, und ISO-Werte verstehen: Je höher der ISO-Wert, desto lichtempfindlicher und körniger der Film. 
Also ISO 50-200 für gutes Wetter und gestochen scharfe Fotos und ISO 400-1600 für mehr Korn (=Vintage Look), Aufnahmen drinnen oder bei Dämmerung und abends. Dann an der Kamera den richtigen ISO einstellen und fertig! In der Fotostrecke findet ihr Beispiele für verschiedene Filme und wie die aussehen. Wollt ihr eure fertig belichteten Filme endlich in ihrer vollen Pracht sehen, müsst ihr euch entweder eine Dunkelkammer zuhause einrichten oder auf die Drogeriemärkte oder spezialisierte Labore zurückgreifen. Letztere sind zwar meist etwas teurer, bieten jedoch deutlich mehr Möglichkeiten und sind oft verlässlicher. Wollt ihr die Abzüge haben, empfehle ich, diese mit dem fertig entwickelten Film bei Rossmann oder dm zu bestellen, das läuft meistens unproblematisch ab.

Let’s Go!

Hast du deine Kamera, deinen Film und dein Objektiv da? Dann kannst du ein Youtube-Lehrvideo schauen, wie du den Film einlegst, später bemerken, dass du dafür ja eine Batterie brauchst und diese bestellen. Drei Tage später kannst du dann endlich losziehen und brauchst nur noch eines: dein Motiv! 

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    Ein Lichtleck ist eigentlich ein unerwünschter Fehler, kann aber immer eine interessante neue Dimension in das Bild bringen.


     

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    Manchmal klemmt der Verschluss oder die Belichtungszeit zu lang - das muss aber nicht immer schlecht sein. 

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