Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

Utopisten an die Macht!

Die Pappstadt UTOPIA  

[Foto: Anna Riemen]

15.04.2019 13:55 - Anna Riemen

Vom 16. März bis zum 7. April 2019 fand in Duisburg zum 40. Mal das Kulturfestival „Duisburger Akzente“ statt. Unter dem Oberthema Utopien wurden künstlerische Beiträge aus Theater, Bildender Kunst, Literatur und Film sowie kulturhistorische Ausstellungen, Symposien oder Vorlesungsreihen an verschiedenen Orten der Stadt gezeigt. Einige Aktionen bestehen auch noch über das Ende der „Akzente“ hinaus fort.

So auch die Ausstellung des Künstlerkollektivs „K & K Kelbassa’s Panoptikum“, bestehend aus den beiden Künstlern Detlef Kelbassa und Corinna Kuhn. Das Kultur- und Stadthistorische Museum Duisburg stellt noch bis zum 2. Juni ihren Beitrag zum Oberthema Utopien aus: „Weltensammler, Sinnsucher, Paradiesforscher“ ist der Titel ihrer multimedialen, interaktiven Raum-Installation, die sie als „eine Wunderkammer der Utopien zum Erleben, Entdecken und Staunen“ beschreiben. Die Führung durch die Ausstellung leiten die Künstler*innen selbst und bieten Besucher*innen durch die Möglichkeit, mit ihnen das Gespräch zu suchen, ein zusätzliches interaktives Element. Hier ein kleiner Einblick in die Ausstellung.

Kunst zum Entdecken und Anfassen

Die Ausstellung legt größeren Wert auf Details als auf Umfang: Auf verhältnismäßig kleinem Raum sind wenige, jedoch mit raffinierten Details ausgestattete Kunstwerke ausgestellt, die nicht nur zum Ansehen, sondern auch zum selbst erforschen einladen. Die genutzten Elemente sind vielfältig: Unter den Ausstellungsstücken sind simple Materialien, wie Pappmaschee und Ton zu finden, doch auch Möbelstücke und integrierte Bildschirme. 

Durch Artefakte aus Naturforschung und Entdeckertum wird sich im vorderen Teil der Ausstellung der Leitfrage, wie eine Orientierung in der Welt möglich ist und wie der Mensch versucht, sie zu erklären, angenähert. Glocken aus Pappmaschee, unter die Besucher*innen sich stellen können, geben Bilderwelten auf kleinstem Raum wieder. Ein „Wunderkammerschrank“ mit zahlreichen Schubladen und Fächern, die mit Gegenständen aus Kunst und Natur bestückt sind, dürfen nach Lust und Laune durchstöbert werden. Auch ein ehemaliger Taubenreisekoffer wurde zum Kabinett umfunktioniert.

Führungen, die die Künstler selbst leiten, finden statt am: Mittwoch, 1. Mai, 15 Uhr und Sonntag, 2. Juni, 15 Uhr. Bis zum 2. Juni kann man sich die Ausstellung DI-SA von 10-17 Uhr, SO 10-18 Uhr angucken. Eintritt kostet für Studenten 2 Euro.

 Der abgedunkelte hintere Teil der Ausstellung widmet sich der Frage nach dem Umgang mit der Zeit: etwa suggerieren Orakelgefäße mit Spiegeln am Boden, dass der Mensch sich letztendlich bei seinem Versuch, die Zukunft zu bestimmen, selbst begegnet. Talismane, alchemistisch angehauchte Geräte oder eine Mumie aus Pappmaschee ergeben ein buntes Sammelsurium zum Zeitthema. Eine Vodoopuppe, die den Namen „Der kleine Herr Winterkorn“ trägt, hat einen Ehrenplatz erhalten. „Vielleicht verleitet ihn die Akkupunktur des Herzens bei seinem kleineren Ich noch dazu, zu einem leidenschaftlichen Beschenker der Armen zu werden“, grinst Corinna Kuhn.

„UTOPIA“ als Übungsfeld für ein respektvolles Miteinander

Neben vielerlei medialen Kunstwerken der beiden Künstler selbst nimmt einen großen Teil der Ausstellung die Pappstadt „UTOPIA“ ein, die gemeinsam von Besuchern in Mitmachateliers sowie mit Schüler*innen der GLOBUS-Gesamtschule angefertigt wurde. Das raumhohe Gebilde ist eine Verschachtelung vieler kleiner Geschichten: Schaut man durch die Öffnungen der Pappbauten, eröffnen sich verschieden künstlerisch gestaltete kleine Räume und Nischen hinter den äußeren Pappwänden. „UTOPIA“ ist ein raumfüllendes Kunstwerk mit vielen Urhebern: das Stadtmodell wurde Ende Januar begonnen und bis zur Ausstellungseröffnung am 24. März immer weiter ausgebaut. Die Absicht dahinter sei gewesen, ein phantasievolles utopisches Übungsfeld zu schaffen – eine spielerische Aufforderung dazu, nicht nur „UTOPIA”, sondern auch sein eigenes Umfeld aktiv mitzugestalten. „Wichtig war uns die Haltung. Man kann Utopien in viele Richtungen denken, aber es ging darum, dass Menschen sich frei entfalten konnten, andererseits aber auch das, was sie bereits vorfanden, respektieren mussten“, so Detlef Kelbassa. Künstlerische Freiheit, aber auch Respekt und Toleranz seien von den Kunstschaffenden gefragt gewesen. Einerseits durften sie frei an „UTOPIA“ weiterbauen, wie es ihnen gefiel, andererseits mussten sie dabei auf die bereits vorhandenen Strukturen achten. Ähnlich hilfreich seien diese Richtlinien, so Corinna Kuhn, auch für ein idealtypisches Zusammenleben. „Utopia als Übungseinheit zu sehen, ist nicht nur etwas für Kinder. Erwachsene brauchen das ebenfalls“, meint sie.

Was tun, wenn Künstler*innen scheiße sind?

Sollten wir Werke anders beurteilen, wenn Künstler*innen sich scheiße verhalten?
 

Die Uni hacken

Was könnte am Campus besser laufen? Zu dieser Frage traten vier Teams beim Hackathon am 5. April gegeneinander an.
 

!Vom Stammtisch

Wann darf ich im Zug die Notbremse ziehen?

 
Konversation wird geladen