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KULTUR

UDE-Studentin baut hyperrealistischen Beethoven

Foto: caro

07.06.2018 21:50 - Sarah Dannehl

Ta-ta-ta-taaaa, ta-ta-ta-taaaa: Er ist einer der bedeutendsten Künstler der Wiener Klassik. Selbst taub komponierte er noch Stücke. Die Stadt Bonn widmet Ludwig van Beethoven 2020 ein Jubiläumsjahr. Im Hinblick darauf arbeitet die Studentin Jana Merkens von der Universität Duisburg-Essen gerade für ihre Masterarbeit an einer Silikonfigur des Komponisten.

Etwa 3,20 Meter groß soll er werden. Das entspricht einem Maßstab von circa 1:2. Doch er wird sitzen, nicht stehen – sonst wäre die Skulptur zu groß und die Studentin könnte sie nicht in ihrem Atelier zuhause anfertigen. Fast fertig ist bereits der Kopf mit den ikonisch verwuschelten, graumelierten Haaren. Circa vier Wochen habe sie allein für die Modellierung aus Ton gebraucht. „In den Ton werden alle Falten und Poren modelliert“, erklärt die Künstlerin. Darüber streicht sie Schichten aus Silikon, ehe sie zum Abschluss das Modell mit Gips ummantelt. Das Negativ aus Silikon zieht sie dann vom Ton ab, legt es in die Gipsform und gießt es wiederum mit Silikon aus. „Da muss man ein richtig gutes Trennmittel verwenden“, so Merkens. Ansonsten verbinden sich Form und eingegossenes Silikon zu einer Einheit.


Aufwendige Techniken

Da man solche Techniken im Kunsttudium (Lehramt) nicht erlerne, musste sich die Studentin alles durch Youtube-Tutorials selbst erarbeiten. Nur die sichtbaren Teile der Figur sollen aus Silikon bestehen, der restliche Körper voraussichtlich aus Schaum. „Das würde sonst ein Vermögen kosten“, sagt Merkens. „Ich habe echt gespart, damit ich mir das leisten kann. Und natürlich ist man dann vorsichtiger bei den Versuchen.“ Allein für Hände und Kopf schätzt Merkens die Materialkosten auf 2.000 bis 3.000 Euro. Hinzu kommen Kosten für die in Übergröße und zeitgetreu angefertigte Kleidung sowie Schuhe in Größe 74. Für die fertige Figur inklusive Arbeitszeit schätzt Merkens den Wert auf etwa 25.000 Euro.

 

Da sie schon immer gerne naturalistisch gearbeitet habe und sie sich dafür interessiert, wie man Menschen realitätsnah abbilden kann, fasziniere sie gerade die Arbeit mit Silikon. „Man hat eine hautähnliche Eigenschaft und kann sogar Haare einpflanzen“, so die Studentin. In einem aufwendigen Verfahren färbt sie das Silikon. „Man braucht wieder Silikon, Lösungsmittel und Pigmente. Silikon kann man nicht einfach anmalen“, erklärt sie. Die verdünnte Silikonlösung wird dann auf das Modell aufgetragen. “Das geht dann eine ewige Verbindung ein, das bekommt man nicht mehr ab. Fehler kann man dann nicht mehr korrigieren.“

Beethoven Hand.jpg

Das Beethoven-Jahr

Auf die Idee, eine Beethoven-Skulptur anzufertigen, kam Merkens durch ein Gespräch mit dem Geschäftsführer des Geburtshauses von Beethoven. Dieser kannte bereits ihre Silikonfigur des Künstlers Max Ernst, die sie im Rahmen ihrer Bachelorarbeit anfertigte. Anlässlich des 250. Geburtstages Beethovens plant die Stadt Bonn vom 16. Dezember 2019 bis zum 17. Dezember 2020 ein Jubiläumsjahr gefüllt mit Theaterstücken und Konzerten. Es gebe zwar keinen konkreten Auftrag, dem Verein Bürger für Beethoven stellte Merken saber bereits ihre Idee vor und stieß auf großes Interesse. „Ich mache das jetzt erstmal aus eigener Motivation für das Fest und hoffe, ihn später der Stadt zu verkaufen“, sagt die Künstlerin. Sobald sie fertig ist, möchte sie ihre Skulptur schon mal der Beethoven-Statue auf dem Bonner Münsterplatz gegenüber stellen.

Gleichzeitig kann Merkens die Arbeit an der Skulptur für den praktischen Teil ihrer Masterarbeit nutzen. 40 Seiten schriftliche Ausarbeitung kommen aber noch hinzu. Dass sie damit ein zeitintensiveres Projekt angehe als ihre Kommiliton*innen sei ihr bewusst, aber auch nicht wichtig: „Ich mache mein eigenes Ding.“ Es gehe ihr vor allem um die Kunst. „Mir ist egal, ob ich dann ein oder zwei Semester länger studiere.“

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