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KULTUR

TikTok: Zwischen Vergnügen und Kontrolle

TikTok liegt im Trend. [Foto: Jacqueline Brinkwirth]

30.06.2020 10:54 - Jacqueline Brinkwirth

Weltweit nutzen rund 800 Millionen Menschen TikTok. Auch in Deutschland sind mittlerweile 5,5 Millionen Nutzer*innen registriert – Tendenz steigend. Doch obwohl die Videoapp vor allem mit unkomplizierter Unterhaltung wirbt, steht sie auch im Fokus kritischer Stimmen. Ein Blick auf Inhalte, Datenschutz und Kontrolle.

Im August 2018 ging TikTok an den Start und sammelte innerhalb kürzester Zeit Millionen Nutzer*innen weltweit. Das Prinzip hinter der App ist simpel: Nutzende können Videoclips ansehen, selbst aufnehmen und mithilfe von Filtern und Spezialeffekten bearbeiten.

Einige Videos werden auf der For-You-Page (FYP) gepusht, mehr Zuschauenden angezeigt und haben so die Chance, viral zu gehen. Welches Video auf der FYP landet und welche FYP für wen generiert wird, entscheidet ein Algorithmus. Dieser lernt auf Basis des individuellen Verhaltens innerhalb der App dazu und zeigt vermehrt Inhalte an, die den Interessen des*der Einzelnen entsprechen. Mit dem Erfolg der App mehrten sich 2019 jedoch auch kritische Stimmen. Im Fokus der Kritik: fehlender Jugendschutz, Diskriminierung von queeren Nutzer*innen und Nutzende mit Behinderung sowie Sicherheits- und Datenschutzbedenken. Die öffentliche Debatte über den Umgang mit bestimmten Inhalten wirft folgende Frage auf: Ist TikTok wirklich so harmlos, wie es auf den ersten Blick erscheint?

Tik Tok ist unterhaltsam, aber…

Schaut man sich den Datenverkehr zwischen Nutzer*innen und App an, so wird laut Recherchen der Süddeutschen Zeitung deutlich, dass TikTok bereits bei der Installation auf dem Smartphone bestimmte Identifikationsnummern, sogenannte Werbe-IDs, ausliest. Genutzt werden diese, um Anwender*innen zu identifizieren und das Verhalten innerhalb der App beobachten zu können – auch ohne die vorherige Erstellung eines Kontos. In der App ist Software von Facebook und Appsflyer in Form von SDKs (Software Development Kits) verbaut, die auf die Analyse von Nutzer*innenverhalten spezialisiert ist. Beide Konzerne erhalten beständig Daten von TikTok: Wie lange war jemand online, welche Inhalte wurden angesehen, welche Kanäle abonniert? Facebook kann beispielsweise anhand der Werbe-ID bestimmte Nutzende identifizieren und einem Facebook-Profil zuordnen. Aus den gebündelten Daten können dann statistische Vorhersagen über eine Person erstellt werden, beispielsweise über das Kaufverhalten oder die politische Einstellung. Appsflyer gibt rund 4500 Partnerfirmen an, die für Kampagnen Zugriff auf Nutzer*innendaten bekommen könnten.

Fakt ist, dass TikTok Einfluss auf die Verbreitung von einzelnen Videos nehmen kann.

Diese Praxis der Datensammlung und -weitergabe ist zwar moralisch fragwürdig, aber auch bei anderen sozialen Netzwerken oder Apps üblich. 

In der Vergangenheit tauchten zudem Vorwürfe auf, dass TikTok bestimmte Inhalte, beispielsweise von queeren Personen, Menschen mit Behinderungen oder politischer Natur, in bestimmten Ländern nicht zeigen würde oder diese gar löschte. Grund dafür sollen laut Mutterkonzern ByteDance Moderationsrichtlinien sein, um Nutzende vor Hatespeech oder Cyberbullying zu schützen. Aus den Recherchen von netzpolitik.org geht dazu hervor, dass diese Richtlinien allerdings so offen formuliert sind, dass eine gezielte Unterdrückung von Inhalten durchaus möglich ist. TikTok argumentierte, dass einige der Regeln nie zur Anwendung gekommen seien oder mittlerweile nicht mehr angewendet würden. Eine gezielte Diskriminierung oder Zensur habe nicht stattgefunden. Fakt ist jedoch, dass TikTok Einfluss auf die Verbreitung von einzelnen Videos nehmen kann. So harmlos die App auch erscheinen mag und so unterhaltsam die Videos der Plattform sein können, sollten Nutzende einen kritischen Blick auf Datenschutz und Inhalte haben.

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