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KULTUR

Starlight Express – Neuer. Moderner. Besser?

Der Character Electra dreht seine Runden. [Foto: vgs]

03.03.2019 15:58 - Victoria Göres

Starlight Express erzählt von dem Traum eines kleinen Jungen, in dem seine Spielzeugzüge zum Leben erwachen und in rasanten Rennen bei einer Weltmeisterschaft antreten. Um der Thematik zu entsprechen, fahren alle Darsteller*innen auf Rollschuhen durch das Theater mit mehreren Ebenen.

Der Protagonist ist Rusty, eine liebenswerte Dampflok. Er träumt davon, das große Rennen zu gewinnen, obwohl er scheinbar chancenlos ist. Denn er tritt gegen den Weltmeister, die Diesellok Greaseball, und den neu erschienen Superstar, die hochmoderne E-Lok Electra, an. Doch als sich der Erste-Klasse-Wagen Pearl, in die sich Rusty verliebt hat, zugunsten von Electra von ihm abwendet, verlässt ihn der Mut. Daher zieht die selbstbewusste alte Dampflok Mama anstelle von Rusty ins Rennen und sichert sich einen Platz im Finale. Doch ihre Kraft verlässt sie altersbedingt kurz darauf, weshalb es nun an Rusty liegt, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Durch Mama und einen mystischen Schnellzug, den Starlight Express, erlangt Rusty neuen Mut und glaubt an sich, sodass er doch im Finale antritt. Rusty setzt sich gegen die beiden betrügerischen Favoriten durch und gewinnt das Rennen – und findet sogar zu Pearl zurück.

Neuer Look, neue Songs

Musikalisch ist das Stück sehr vielfältig: von Rap und Pop-Balladen über Bluesrock, der für den amerikanischen Greaseball typisch ist, bis hin zu Electro, der Electra kennzeichnet. Die Darsteller*innen tanzen  in teils 15 Kilo schweren Kostümen auf Rollschuhen und lassen sich davon nichts anmerken. So tanzen beispielsweise die „Rockys“, drei Kastenwägen, eine anspruchsvolle Hip-Hop-Choreographie mit Breakdance, als würden die Anzüge nichts wiegen. Die Kostüme der Darsteller*innen wurden ebenso überarbeitet wie das Musical: Electra betritt mit einem schwarzen Anzug voller LEDs die Bühne, begleitet von seinem ebenso futuristischen Gefolge. Weniger futuristisch aber sehr modern sind auch die Kostüme vieler weiterer Charaktere geworden. So tragen die Rockys einen coolen Hip-Hop-Look und auch der Bremswagen Caboose trägt nun einen schwarz-roten Anzug mit Hut, der an den Sänger Bruno Mars erinnert.

Doch nicht nur die Kostüme wurden angepasst, auch das Rollenbild wurde geändert. Wo früher die weiblichen Charaktere ausschließlich Waggons und nicht mehr als bloße Anhängsel waren, treten die Frauen nun selbstbewusst und teils selbst als Züge auf. Mit dem neuen, rockigen Song „Ich bin ich!“ zeigen die Waggons Pearl, Dinah, Carrie und Belle den überwiegend männlichen Loks, dass sie aus Stahl sind. Das neue Motto: „Die Wagen haben jetzt das Sagen.“ Früher haben sich die vier an der Stelle den „Liebesexpress“ beziehungsweise eine „Lok mit Locomotion“ gewünscht – also einen Mann mit dem gewissen Etwas.

Geschlechterunabhängige Charaktere

Leider bekommt eben jenes neue Selbstbewusstsein der Frauen am Ende einen dicken Dämpfer: Dinah, die von Greaseball schlecht behandelt und abserviert wird, nimmt ihn am Ende zurück – trotz der Tatsache, dass er sich nicht für ihre Gefühle oder Prinzipien interessiert. Verschenktes Potential, denn eine deutlich stärkere Botschaft, dass man nicht zu jemandem zurück muss, der nicht gut zu einem ist, wurde hier dem Happy End geopfert und Greaseball kommt ungestraft davon.

Heute sind nicht mehr alle Frauen in Liebesgeschichten involviert – Seit neuestem gibt es auch zwei weibliche Loks: So geht für Frankreich nicht mehr Bobo, sondern Coco an den Start. Der weibliche Zug Nr. 5 wurde von Coco Chanel inspiriert und greift somit, wie alle anderen Loks, ein wenig in die Klischeekiste. Doch die Ansage des „immer pünktlichen“ deutschen ICEs oder die Tatsache, dass der britische Zug „Brexit“ sich selbst disqualifizierte, sorgten für große Lacher. Der zweite weibliche Zug, Mama, die alte Dampflok, zeigt stimmgewaltig, dass trotz ihres Alters noch einiges in ihr steckt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch sie am Ende das große Starlight-Express-Medley singt, bei dem nochmal alle Darsteller*innen auf die Bühne kommen.

Des Weiteren soll der neue Starlight Express sich immer weiter von Geschlechterlimits lösen. Laut der Pressestelle sollen immer mehr Charaktere geschlechterunabhängig besetzt werden können. Man will „die Vorstellung von männlich und weiblich aufbrechen“, denn bei vielen Charakteren sei das Geschlecht egal. So sollen schrittweise mehr Möglichkeiten für weibliche Darsteller*innen hinzukommen. Ob das bereits in die Tat umgesetzt wird, kann man nur vermuten.

Näher an der Gegenwart

Leider blieb bei der Änderung einiges Potential auf der Strecke. Die neue „Frauenpower“ wirkt insbesondere gegen Ende halbherzig, da die Selbstbestimmtheit der Waggons dem vermeintlich schöneren Ende anheimfällt, teils wirkt es fast schon erzwungen. Doch insgesamt taten die Änderungen dem Stück sehr gut, da einige Logiklöcher durch neue Dialoge und Szenen geschlossen wurden. So wird beispielsweise deutlicher gezeigt, wie Greaseball und Electra betrügen und die Szenen mit Pearl und Rusty bekommen mehr Tiefe. Generell ist das Stück durch die Änderungen nun deutlich näher an der Gegenwart und in sich stimmiger.  Und ein Tipp für den schmalen studentischen Geldbeutel: Im Sommer sind die Familien- und Gruppentickets immer deutlich günstiger, was sich insbesondere mit dem Studierendenrabatt sehr lohnt.

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