Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

Siehst du die Mauern, die du mit deiner Sprache baust?

Wie wär’s mit einem Buch statt Texten für die Uni?

[Foto: Julika Ude]
06.09.2022 13:36 - Julika Ude

Du hast genug von Uni-Texten, willst in eine andere Welt abtauchen und suchst noch das passende Buch? Hier gibt’s einmal im Monat einen Schmöker-Tipp aus unserer Redaktion. Dieses Mal: Das 2020 erschienene Buch „Sprache und Sein” von Kübra Gümüşay mit 208 Seiten.

„Was war zuerst da: unsere Sprache oder unsere Wahrnehmung?“, beginnt Journalistin Kübra Gümüşay die erste Seite ihres Buches. Mit einer Anekdote fährt sie fort: Sie saß mit ihrer Familie am Meer und ihre Tante wies sie darauf hin, wie schön der yakamoz leuchte. Gümüşay konnte nichts Leuchtendes entdecken. Erst als ihre Eltern ihr erklärten, dass yakamoz die Reflexion des Mondes auf dem Wasser beschreibt, nahm auch sie das helle Leuchten in der tiefen Dunkelheit wahr.

Seit sie weiß, was das Wort bedeutet, sieht sie yakamoz bei jedem ihrer nächtlichen Spaziergänge. Und genau darum geht es in ihrem Buch: Um Sprache, die unsere Wahrnehmung beeinflusst. Es geht um Struktur von Sprache, die von (politischen) Machtverhältnissen geprägt ist. Es geht um priviligierte Unbenannte, die ihre Wahrnehmung von der Welt in Sprache wiederfinden und die Norm dafür vorgeben. Und es geht um Benannte, die in Kollektivkategorien gesteckt werden, um vermeintliche Andersartigkeit zu benennen. Um eine Sprache, die längst nicht für alle ein zu Hause bietet.

Warum solltet ihr dieses Buch lesen?

Die Diskussion um die Macht von Sprache ist keine neue. In ihrer Publikation finden Studien, Gedichte, Anekdoten und unbeantwortete Fragen Platz. Das lässt das Buch an einigen Stellen etwas ungeordnet erscheinen. Aber das Anregen zum selber denken und ihre Perspektive sind es auch, die das Buch so bereichernd machen.
Kübra Gümüşay hat häufig die Erfahrung gemacht, benannt zu werden. Sie muss sich inspizieren lassen und erklären, weil sie als Vertreterin eines vermeintlichen Kollektivs gesehen wird. Aufgrund ihrer Herkunft, aufgrund ihres Geschlechts. Wegen der von anderen getätigten Zuordnung zu der Kategorie ihr, nicht zu dem wir.

Sie schafft Bewusstsein dafür, dass Sprache Mauern baut, die für einen selber nicht sichtbar sind, solange man nicht selbst dagegen laufen muss – oder darauf hingewiesen wird. Sie regt dazu an, zu hinterfragen. Gerade durch die offen bleibenden Fragen schafft sie Sensibilität, die man nach der Lektüre nicht abschüttelt, sondern dazu nutzt, um an der eigenen Sprache zu arbeiten.

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