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KULTUR

Sampling „La Planete Sauvage“

Ursprünglich wurden meist Schallplatten verwendet und mit einem sogenannten 
„MPC“ neu zusammengeschnitten. [Foto: pixabay]
12.12.2021 17:34 - Nikita Marcus Verbitskiy

Hip Hop lebt von der Kultur, beide nähren sich gegenseitig. Doch dabei muss es sich nicht immer um Streetwear, Graffiti und Grills handeln. Inspiration kann sich aus jedem Winkel anschleichen und in das Mosaique der Einflüsse eingefügt werden. Film, Fotografie und auch Haute Couture spielen eine große Rolle in der kreativen Blase, die den Hip-Hop ausmacht. Heute möchten wir euch den Film und seine Rolle für das Genre anhand eines Beispiels näher bringen.

Was haben ein surrealistischer französischer Animationsfilm von 1973 und das erste Mixtape des in Harlem ansässigen Hip-Hop Kollektivs A$AP Mob gemeinsam? 
Welche Gemeinsamkeit teilen Travis Scotts erste EP und eine indische Action-Romanze aus dem selben Jahr? In diesen Beispielen wurden alte Musikstücke, die für die jeweiligen Filme komponiert wurden, von Hip-Hop Produzenten für einen Trap-Beat neu aufgelegt. Dieser Prozess ist im Hip-Hop Gang und Gebe und nennt sich „Sampling“. 

Ein vielleicht etwas bekannteres Beispiel für Sampling ist die Wiedergeburt von ABBAs Gimme! Gimme! Gimme! durch Madonnas Hung Up. Die Verbindungen, die durch Sampling entstehen, können immer aufs neue überraschen. Produzent:innen graben in jeder Ecke des musikalischen Kosmos nach Inspiration und finden diese an Orten, die man sich niemals vorstellen könnte.

The Birth of Hip-Hop

„Crate Digging“, also das Durchstöbern alter Platten um diese wiederzuverwerten, ist eine uralte Praxis von Hip-Hop Produzent:innen. Ende der 1970er Jahre haben DJ’s den „Breakbeat“ Teil alter Soul und Disco Tracks durch das wechselnde Abspielen der gleichen Platte auf zwei Plattenspielern künstlich verlängert, da die junge Szene am liebsten dazu tanzte. Während des Breakbeats kamen meist nur Drums und keine beziehungsweise sehr wenig Stimme vor. Darauf hat ein „Master of Ceremony“ (kurz genannt MC) zum Publikum gesprochen um die Menge anzuheizen. Geboren war ein neues Genre. 

Sehnsucht und Ahnung - Eine begehbare Musikinstallation

In der Musikinszenierung „Sehnsucht und Ahnung“ kommt das Publikum dem Kammerorchester ungewöhnlich nah.
Von Selome Abdulaziz in Kultur
 

Mit der Zeit hat sich das Ganze jedoch ein wenig gedreht. Meist wollen die Produzent:innen die Drums selbst programmieren oder einspielen und suchen sich Melodien, die die richtige Atmosphäre schaffen. Bevorzugt werden hierbei analog klingende Instrumente und Synthesizer oder Stimmen. Diese sind am schwierigsten aufzutreiben und haben eine Textur und Präsenz, die durch die digital verfügbaren Alternativen nicht zu ersetzen ist. Zum Sampling gehört nicht nur das Einweben existierender Melodien in die Drums. Man muss in den meisten Fällen das Sample „flippen“. Zum Beispiel dadurch, dass man es höher oder tiefer, schneller oder langsamer macht und manchmal sogar komplett neu zusammenschneidet. 
Kanye West, zum Beispiel, hat sich zu Beginn seiner Karriere einen Namen als Produzent gemacht, als er den „Chipmunk“ Sound durch das höher pitchen alter Soul-Sänger zu seinem Markenzeichen machte. 

Synthetische Samples im Trap

In den letzten Jahren entstand jedoch eine Nachfrage nach bereits fertigen Samples, die sofort verwendbar sind. Trap machte den von J Dilla und 9th Wonder geprägten, hörbar geschnittenen, Sound weniger populär, auf den analogen Vintage-Klang wollte jedoch niemand verzichten. Daraus entstand der Erfolg von spezialisierten „Sample Packs“ von Musikern wie Frank Dukes oder dem deutschen Duo Cubeatz. Sie schufen mithilfe teurer Synthesizer und altem Equipment mundgerechte Musikhäppchen, die jeder Produzent einfach einsetzen und verwenden konnte. Sie hatten den gewünschten Klang und waren so vorgefertigt, dass nichts bearbeitet und angepasst werden musste. Auch das mühselige Durchsuchen obskurer alter Musik fiel weg. 

Doch was haben Frank Dukes und Cubeatz mit Alain Goraguer, dem Komponisten des Soundtracks für den zuvor erwähnten Film La Planete Sauvage, gemeinsam? Der Film wurde 1973 veröffentlicht und könnte nicht weiter entfernt von den ready-to-paste Sammlungen kurzer Melodien von Dukes und Co. sein. Und doch sind gewisse Parallelen unverkennbar. Alle drei waren in der Erschaffung unzähliger Hits der letzten Jahre unverzichtbar. Die kurzen Melodieabschnitte im Film klingen wie für einen Hip-Hop Beat gemacht. Die Klangfarbe und Textur der Instrumente ist altersbedingt genau richtig. Damals konnte man nur heutzutage rares und gefragtes Equipment, wie z.B. ein Fender Rhodes E-Piano verwenden. Und durch reinen Zufall entstehen im Zuge der funky Gitarren, ominösen Keyboards und ätherischen Stimmeinlagen Melodien, die den Zahn unserer Zeit treffen, als wären sie dafür geschaffen worden. 

Schaut gerne bei unseren Instagram Reels rein, um ein Beispiel für Sampling im Oldschool Hip-Hop und im Trap zu hören.
 

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