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KULTUR

Roboter-Festival: Die verlorene Stimme

Fancy Roboterdance mit geiler Glitzerhose. [Foto: Dieter Hartwig]

15.04.2019 13:01 - Laura Lindemann

InhaltIst der biologische Mensch ein Auslaufmodell? Und was passiert, wenn sich die Menschheit auf Künstliche Intelligenz verlässt? Fragen, die die Kultur-Welt beim „Hi, Robot!“-Festival vom 13. März bis 31. März im Tanzhaus NRW in Düsseldorf diskutierte.

Rauschen. Zwei Tänzerinnen und ein Tänzer bewegen sich in enger, metallisch glänzender Kleidung, leichtfüßig und gleitend über die Bühne. Hinter ihnen ist eine rötlich schimmernde Sonne, umringt von einer Berglandschaft auf eine Leinwand projiziert, die den Raum in rotes, warmes Licht taucht. Nacheinander betreten die Zuschauer*innen die kleine Bühne des Tanzhaus NRW in Düsseldorf.
Eine Performerin liegt regungslos auf dem Boden. Die beiden anderen hocken vor ihr und tasten sie ab, erfühlen ihren Körper, suchen nach Leben. Daraufhin öffnet die Tänzerin die Augen. „Wo bin ich?“ Sie blickt in die aufgehende Sonne. „Auf der Erde“, antwortet der vor ihr kniende Tänzer.

Die drei Performer*innen führen das Stück This Thing I Am, von dem in Berlin lebenden Choreographen, Performer und Forscher Martin Nachbar auf. Die 55-minütige Performance wird hier im Rahmen des „Hi, Robot! Das Mensch Maschine Festival“ aufgeführt. Initiiert vom Tanzhaus NRW, setzt es sich künstlerisch mit der Frage „Wie viel Roboter verträgt der Mensch?“ auseinander.

Langsam richtet sich die Tänzerin auf, hebt Arme und Beine, streckt sich und scheint förmlich in ihren eigenen Körper zu gleiten. Ein Erwachen aus mechanischer Starrheit. Musik setzt ein. Die Performer*innen tanzen mit geschwungenen Bewegungen, berühren sich gegenseitig, wenden sich wieder voneinander ab. Sie kommunizieren über ihre Körper. Folgen dem gleichen Rhythmus. Wie weit reichen ihre Gliedmaßen vom Körper weg? Wie ist das Verhältnis von ihren Füßen zum Boden? Sind sie standhaft oder müssen sie optimiert werden? Es ist ein Austesten und Erforschen der eigenen Körperlichkeit.

Funktionsstörungen und Software-Updates

Das Licht geht von Rot ins Bräunliche über. Ein matter Schleier ersetzt das anfängliche Schimmern. Die zuvor schwerelos wirkenden Bewegungen werden abrupt unterbrochen. Die einzelnen Schritte der Performer*innen sind abgehackt, sie verlieren die Kontrolle über ihre Körper. Die sanfte Musik wird durch ein unangenehm lautes, schrilles und unnatürlich klingendes Geräusch ersetzt. „Ich will dafür sorgen, dass keine Erinnerungen verloren gehen. Dafür musste ich viele Software-Updates über mich ergehen lassen“, spricht der Tänzer das Publikum an. Mit schmerzverzerrtem Gesicht verlässt er die Bühne. Währenddessen versuchen die beiden Tänzerinnen Gleichgewicht zu finden, halten sich gegenseitig fest. Dabei verknoten sie sich immer mehr, ziehen und zerren aneinander bis sie schließlich zu Boden sinken. Funktionsstörung. Klassischer Softwarefehler.

Ein realistisches Szenario? Denn was passiert, wenn sich die Welt zunehmend auf künstliche Intelligenz verlässt? Und was, wenn sie der Menschheit mehr schadet als hilft? Ob der biologische Körper nur ein Auslaufmodell ist? Fragen, die die Kultur-Welt beschäftigt. Nicht nur das Tanzhaus NRW veranstaltete Aktionen für „Hi, Robot!“, auch Filmemacher und Computerdesigner teilten ihre Gedanken. Über 20 Veranstaltungen fanden vom 13. bis zum 31. März in Düsseldorf statt, zusätzlich in Ausstellungen, Workshops und Diskussionsrunden.

Ganz ohne Softwarefehler

Die Sonne hat mittlerweile einen hellen Grauton bekommen, die Performer*innen verstricken sich zunehmend in Kabelgeflechte. Lange Seile sind an ihren Körpern befestigt und kontrollieren somit jede Bewegung. „Während meiner letzten Prüfung verlor ich meine Stimme.“ Eindringlich blickt eine der Tänzerinnen ins Publikum. „Aber nun kann ich Geräusche produzieren, die ihr noch nie zuvor gehört habt.“ Sie stößt gellende und kreischende Laute aus, bis dem Publikum die Ohren schlackern.

Während des gesamten Stücks verschwimmen die Grenzen zwischen Körper und Technik immer mehr. Fließende Bewegungen enden in einem mechanischen Kontrollverlust, Urwaldgeräusche vermischen sich mit futuristisch-elektronischen Klängen. „Ich muss mich zusammenreißen, denn ich erfinde mich immer neu und löse mich dann wieder auf“, ergreift eine andere Performerin das Wort. „Ich kriege die Zeit nicht auf die Reihe.“ Sie fasst sich an die Stirn, versucht, sich zu sammeln und zu sortieren. Die Bühne ist schwarz. „Das Gefühl von Verantwortung hat mich überwältigt.“

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