Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

Revolution und Klangketten

Die Resultate der Kunstpraxisstudis fest im Blick. [Foto: Arissa Ritter]
20.05.2019 11:44 - Laura Lindemann

Zweisam. Eine junge Frau sitzt allein in einem Zugabteil und schaut aus dem Fenster. Draußen ist es dunkel. Ihr Gesicht spiegelt sich in der Scheibe. Sie muss sich mit sich selbst konfrontieren. Die Künstlerin möchte mit diesem Selbstportrait ihr Inneres nach außen tragen.

Wenn man den Blick abwendet, kommt man vom Moment der Betrachtung dieser Zweisamkeit in einen hellen und belebten Raum. Der Geruch von Sekt und O-Saft mischt sich mit dem Stimmengewirr vieler junger Menschen. Die Studierenden der Kunstpraxis an der Universität Duisburg-Essen präsentierten ihre Jahresausstellung RESULTATE 2019 vom 15. bis zum 17. Mai am Campus Essen. „Die Studierenden zeigen Ergebnisse, die nicht nur auf Papier geschrieben sind, sondern real und plastisch anfassbar werden“, sagt Jörg Eberhard, Professor für experimentelle Gestaltung, zur Eröffnung. „Hier entsteht etwas, das man zeigen kann und das gleichzeitig auf etwas hinweist, also ein ganzheitlich zusammenhängendes Objekt.“

Oft stellen die Studierenden hierbei Privates in einen öffentlichen Kontext. Eine Studentin hat ihren sterbenden Großvater begleitet und ihn in verschiedenen Stadien portraitiert. Ein anderer Student zeigt gemalte Jugendbildnisse von Revolutionär*innen wie Che Guevara, um die Personen greifbar zu machen und in einen jugendlichen Kontext zu bringen. Das Werk Orbitale ist ein Selbstportrait einer weiteren Künstlerin, auf dem sie nackt zu sehen ist, um sich mit ihrem Ich auseinanderzusetzen. In einem der Räume steht eine kleine Hütte, in der überall bunte Kuscheltiere platziert sind. „Wenn man den Raum betritt, fällt das Auge zwangsläufig auf ein Kuscheltier, dass einen an die eigene Kindheit erinnert und an die damit verbundenen Gefühle“, erklärt Eberhard.

„Ich finde es gut, dass es hier so viel verschiedenen Content gibt“, schwärmt eine Besucherin und Studentin an der UDE. „Die Portraitzeichnungen gefallen mir besonders gut, weil das Gesicht eines Menschen am meisten aussagt. Einige sind von vorne abgebildet, andere von der Seite, und immer haben sie verschiedene Blickrichtungen und Charakterzüge.“

Picture of the Day

Zu Beginn der Eröffnung, gibt es eine Klang-Performance unter dem Begriff „Making Things Public“. Die Performer*innen geben sich nacheinander einen fast durchsichtigen Faden in die Hand. Sobald der Faden berührt wird, stimmt der*die Künstler*in einen Ton an, sodass am Ende eine Art Klangkette entsteht. Dadurch soll der Grat zwischen dem Erleben und der bildnerischen Darstellung aufgezeigt werden.

Theresa Ciroth studiert Kunst und Deutsch auf Lehramt und arbeitet nebenbei als Werkassistenz am Institut für Kunst und Kunstwissenschaft an der UDE. „Ich mag diese Räumlichkeiten, wo so schweres Geschütz steht, sehr gerne“, sagt sie mit einem Strahlen und zeigt auf eine große Metallpresse. „Ich verbringe hier teilweise Nachmittage mit dreckigen Händen an den Pressen. Dass ich dafür Credit Points bekomme, ist einfach der Wahnsinn.“ Als Fachschaftsmitglied hat Theresa die Ausstellung mitorganisiert. Sie erklärt, dass  die Studierenden ihr Ausstellungsthema meist frei wählen könnten, jedoch je nach Kurs übergeordnete Aufgaben bekommen. So gibt es bei den Radierungen beispielsweise Begriffe wie „Nacht“ oder „Paradox“, nach denen sie sich grob richten müssen.

Oft finden sich in der Ausstellung auch Themen wieder, in denen die Studierenden einen kritischen Blick auf die Gesellschaft werfen. In einer schwarz-weiß Fotografie schauen Frauen mit wachem und entschlossenem Blick in die Kamera. Ihr Ausdruck ist stark, doch scheint es, als würden sie schwach gehalten werden, da ihre Gesichter durch Ketten, Tücher oder die eigenen Haare verdeckt sind. Etwas, das sie daran hindert, sich komplett zu zeigen.

Das Bild mit dem Titel „Pic of the Day“ zeigt Bilder aus sozialen Netzwerken, die gerade hochgeladen werden, um eine virtuelle Realität abzubilden. Ein Künstler hat schwarz-weiß Fotos aneinandergereiht, auf denen jemand in bunter Farbe Graffiti an Züge und Bahnübergänge sprüht. Das Bild strahlt Ruhe aus und wirkt wie eine Art Stillleben. Ein stiller Protest gegen die Normen und Regeln, die einem Individuum in der Gesellschaft auferlegt werden. Draußen ist es inzwischen dunkel. Nur in den Fensterscheiben spiegeln sich die hell erleuchteten Lampen und die Gesichter der Besucher*innen. 
 

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