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KULTUR

Red Hot Chili Peppers mit Unlimited Love – Ein gelungenes Comeback?

Frontmann Anthony Kiedis ist für seine energetische Performance bei Live-Shows bekannt. Mit dem neuen Album geht die Band dieses Jahr auf Tour. [Foto: unsplash]

08.04.2022 14:15 - Selome Abdulaziz

Als 2019 bekannt wurde, dass der Star-Gitarrist der Red Hot Chili Peppers, John Frusciante, zurückkehrt, waren Fans begeistert. Wir haben in das sehnsüchtig erwartete Album reingehört.

Das zwölfte Studioalbum der Red Hot Chili Peppers, Unlimited Love, erschien am 01. April 2022 und hat 17 Tracks mit einer Spiellänge von über 74 Minuten. Es ist in vielerlei Hinsicht ein Album der Rückkehr. Nachdem Gitarrist John Frusciante den Red Hot Chili Peppers 1988 beitrat, kehrte er der Band zweimal wieder den Rücken zu. 1992 stieg er aus, weil ihm der Erfolg nach dem Hit-Album Blood Sugar Sex Magik (1991) zu viel wurde. 1998 wurde er wieder Mitglied und verhalf der Band zu Weltruhm mit den drei Alben Californication (1999), By The Way (2002) und Stadium Arcadium (2006). 2009 verließ er die Band zum zweiten Mal, um sich auf seine Solo-Karriere zu fokussieren. 2019 dann die unerwartete Nachricht: Frusciante kehrt erneut zurück. Neben dem Gitarristen kehrt auch Produzent Rick Rubin zurück, der seit Blood Sugar Sex Magik alle Alben der Band produzierte, bis auf das letzte: The Getaway (2016), auf dem noch Josh Klinghoffer als Gitarrist fungierte.

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Das Besondere an Frusciante ist nicht nur, dass er als einer der besten Gitarristen der Welt zählt. Nachdem der Gründungs-Gitarrist der Chili Peppers, Hillel Slovak, 1988 an einer Heroin-Überdosis starb, entstand eine Lücke in der Band, die außer Frusciante kein Gitarrist füllen könnte. Das Album One Hot Minute, das die Band 1995 mit Gitarrist Dave Navarro aufnahm, war kommerziell weniger erfolgreich als sein Vorgänger und wurde von Kritiker:innen mittelmäßig aufgenommen. Bassist Flea beschreibt das Musizieren mit Frusciante im Vergleich zu Klinghoffer als natürlicher: „[…] artistically, in terms of being able to speak the same [musical] language, it was easier working with John.“

Kann Unlimited Love den Erwartungen gerecht werden?

Nachdem die beiden Alben mit Klinghoffer poppiger und gleichzeitig weniger kommerziell erfolgreich waren als die Vorgänger, weckt das Comeback von Frusciante die Hoffnung auf einen Hauch der alten Chili Peppers. Tatsächlich klingen einige Songs auf Unlimited Love nach Old-School Red Hot Chili Peppers. Der Track Aquatic Mouth Dance ist eine Hommage an den Song American Ghost Dance von der zweiten Platte der Band, Freaky Styley (1985). Der Song ist funky und hat eine groovy Bass Line, ist aber deutlich polierter und weniger roh als der Sound auf Freaky Styley. Trotzdem bleibt der Song im Kopf und besonders das Saxophon und die Trompete überzeugen. Die Single Black Summer und der Song The Great Apes haben einen Stadium Arcadium Vibe, hätten es damals aber wahrscheinlich nur zur B-Side* gebracht.

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Nach sechs Jahren Pause veröffentlichten die Funk-Rocker im April ihr lang ersehntes neues Album. [Foto: unsplash]

Die Band probiert auf dem Album auch Neues aus. Der Song Let ‘Em Cry klingt nach Reggae und Flea spielt Trompete. Es ist nicht der stärkste Song auf dem Album, aber er bleibt im Ohr. Bastards of Light hat einen cheesy 70s Pop Refrain, der aber nicht wirklich zu der Band passt. Der wunderschöne akustische Schlusstrack Tangelo zeigt eine sanfte Seite des Sängers Anthony Kiedis. Auf The Heavy Wing singt Frusciante zum ersten Mal einen Chorus allein, nachdem er auf vergangenen Alben häufig mit seinem Falsetto-Backgroundgesang auffiel. Sein emotionaler Gesang, das psychedelisch angehauchte Solo und grungy Gitarrenriffs machen The Heavy Wing für mich zum stärksten Track des Albums. Der Song baut sich immer weiter auf und die angestaute Energie entlädt sich im Refrain, der sich wie eine Befreiung anfühlt.

Die neuen Chili Peppers

Das Besondere an den Red Hot Chili Peppers ist der Mix aus groovy Funk Songs, die oft alberne oder sexuelle Lyrics haben (Sir Psycho Sexy/Blood Sugar Sex Magik), Rock-Hymnen mit Mitsing-Refrains (Dani California/Stadium Arcadium) und melodischen, oft melancholischen Songs, die von ernsteren Themen handeln (Venice Queen/By The Way). Songs, die einen bewegen, zum Tanzen bringen und unzählige Musiker:innen inspirieren, Gitarrenriffs oder Bass Licks der Band nachzuspielen.

Von dieser Band ist nicht mehr viel übrig. Die Texte waren zwar nie das Hauptaugenmerk der Musiker, aber so inhaltsleer wie auf diesem Album war Kiedis lange nicht mehr. Es wirkt so, als habe er nichts substanzielles mehr zu erzählen. Wirklich denkwürdig sind höchstens die erwähnten Aquatic Mouth Dance und The Heavy Wing. Songs wie Here Ever After, der mit einer bedrohlich klingenden Gitarre und treibenden Drums in einem Action-Film vorkommen könnte oder der Kopfnick-Song Whatchu Thinkin‘ sind zwar gute Songs, bleiben aber nicht lange im Kopf. Die Single Not The One und White Braids & Pillow Chair klingen langweilig und unoriginell. Es finden sich immer noch typische Chili Peppers Elemente wie Kiedis‘ Sprechgesang, eine funky Rhythmusfraktion und melodische Gitarren-Soli. Wer allerdings ein Album der 2000er oder gar 90er Red Hot Chili Peppers erwartet, wird enttäuscht. An den poppigeren, milderen Sound sollten sich Fans wohl gewöhnen.

*Die Rückseite einer Single, die meist einen unbekannteren Song enthält.

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