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KULTUR

Rave, eat, sleep, repeat: Das Studio Essen feiert Abschied

Fast drei Tage wach für den letzten Rave im Studio Essen

[Foto: Jacqueline Brinkwirth]
 

30.04.2019 17:45 - Jacqueline Brinkwirth

Das Closing-Wochenende im Studio Essen brachte am 05. April 2019 mit Amelie Lens erst eine der erfolgreichsten Djanes der Welt ins Studio und rührte schließlich mit emotionalen Abschiedssets der Residents selbst härteste Techno-Fans zu Tränen. Nach 31 Stunden Tanzen stand fest: Das ist ein einmaliges Erlebnis.

Freitag, 22.00 Uhr. Die Stimmung Zuhause ist gut, gelöst und voller Vorfreude. Gleich geht es zum Closing-Wochenende, das die belgische DJane und Szene-Größe Amelie Lens eröffnen soll. In nur fünf Jahren hat sie die Welt des Techno erobert und 2018 sogar ihr eigenes Label gegründet. Dass Lens beim Closing spielt, macht eines unmissverständlich deutlich: Das Studio will diesen Abschied für alle so unvergesslich wie möglich gestalten.
00.37 Uhr. Als wir am Studio ankommen, heißt es Warten. In der stetig wachsenden Schlange vor dem Club ist Aufregung spürbar. Ein Typ vor mir flüstert mir zu: „Ich hasse Anstehen. Aber ganz ehrlich, wenn es sich für Irgendjemanden lohnt, dann für Amelie.“ Aus  den  Boxen  dringt  harter,  kompromissloser Techno. Im Stroboskoplicht wirken die Tanzenden auf der verrauchten Tanzfläche wie Traumgestalten. Und dann legt Amelie Lens auf. Dieses Set ist unglaublich,  ebenso wie die Stimmung:  Die Lebensfreude, Energie und unbändige Lust am Tanzen, die in diesen vier Stunden alle Menschen fest im Griff hat, kann man sofort spüren. Der Gedanke, dass das hier kondensierte Liebe ist, bereitet mir Gänsehaut.

Afterhour ausgekostet

Was einen guten Rave zu einem wirklich guten Rave macht, ist natürlich nicht nur die Musik, sondern auch die Gemeinschaft. Neben harten Drops und 140 bpm ist das etwas, was die Technoszene auszeichnet. Hier ist Jede*r willkommen und so akzeptiert, wie er oder sie eben ist. In einer der wenigen Tanzpausen dieser Nacht sitzen wir neben Thilo (57). Er erzählt, dass er mit seiner Frau und seinem Sohn da ist: „Techno ist ja quasi auch wie eine Familie. Ist ja wohl klar, dass ich meinem Sohn das nicht vorenthalten will. Und vom Studio verabschieden müssen wir uns einfach. Das war hier immer eine krasse Party.“ 
Nach zehn Stunden Familienfeier ist es Zeit, den Club erstmal für eine Weile zu verlassen.

Den Samstag verbringe ich hauptsächlich im Schwebezustand zwischen Wachsein, Schlafen und Vorfreude auf den 24-Stunden-Abschiedsrave (Die Gründe für die Schließung lest ihr hier). Aufgelegt wird in dieser Nacht von den Resident-DJs, darunter Carl Benson, Tom Craig und Sven Palzer. Sie alle haben das Studio die letzten acht Jahre begleitet und den Sound geprägt, für den der Club über Essen hinaus bekannt wurde. 

Benson liefert ein Set mit Herz, bei dem nicht nur Euphorie zu spüren ist, sondern auch Abschieds-schmerz.

Tränen auch bei den DJs

Sonntag, 09.47 Uhr. Carl Benson liefert den musikalischen Hintergrund, während ich mit schwindenden Kräften kämpfe. Zu Pan-Pots und Stephan Bodzins Sleepless tanze ich die Gedanken an morgen und den Abschied einfach weg. Alles ist neblig und in diffuses lila Licht getaucht. Und Benson liefert ein Set mit Herz, bei dem nicht mehr nur Euphorie zu spüren ist, sondern auch der Abschiedsschmerz. Der Moment, in dem er seinen Gefühlen freien Lauf lässt und unter bitteren Tränen seine letzten Takte spielt, bringt auch mich zum Weinen. Es ist ein eigenartiges Gefühl. Kann man überhaupt über etwas traurig sein, wovon man doch immer nur wenige Stunden am Wochenende ein Teil sein durfte? Dass der Abschied so früh so emotional werden würde, hatte ich nicht erwartet. Neben mir ist sich Carina sicher: „Das wird wie das erste Mal im Studio: genauso schön, nur eben viel trauriger.“

 

Sonntag, 23.56 Uhr. Nach Stunden des Tanzens bin ich körperlich und mental am Ende. Sven Palzer serviert Beat um Beat Techno vom Allerfeinsten. Plötzlich wird es ruhiger. Tough Love von Sailor and I ist der letzte Track, bevor das Licht angeht. Bis dahin sind es allerdings noch einige traurig-schöne, bittersüße und tränenreiche Augenblicke, die nicht nur die übrig gebliebenen Raver*innen untereinander teilen, sondern auch mit allen DJs, dem Barpersonal und der Security. Es wird auf den Theken getanzt, die DJ-Kanzel gestürmt. Das Studio verabschiedet sich mit einem Wochenende voller Momente wie diesem.

Techno ist Liebe

Der Club wird sich danach mit diesen Worten für eine unvergleichbare Nacht bedanken: „Das Ergebnis hat uns sprachlos gemacht. Die positive Energie war von der ersten bis zur letzten Minute zu spüren […]. Wir möchten uns nochmal im Namen des gesamten Teams bei Euch für die wundervollen acht Jahre und diesen glorreichen Abschluss bedanken – es war eine unglaublich tolle Zeit.“

Montag, 01.41 Uhr. Die Welt draußen fühlt sich auf dem Weg nach Hause unwirklich an. Unterzuckerung, Dehydrierung und ein aus Schmerz bestehender Körper sind Zeugnis von 31 Stunden Tanzen. Was bleibt ist ein Gefühl der Liebe. Für Techno, für die Menschen und für das Studio. Hier war ich 2016 auf meinem ersten Rave – ein Erlebnis, das mich ebenso nachhaltig beeinflusst hat wie die Erinnerung an dieses Closing es tun wird. 

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