Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

Queens of Rock’n’Roll

Noch immer dominieren Männer die Bühnen in Konzerthallen. (Foto: Jody Sticca/flickr.com/CC BY-NC-ND 2.0)

21.04.2018 11:43 - Julia Segantini



Frauen sind in der Rockmusik stark unterrepräsentiert. Obwohl Stars wie Joan Jett, Suzi Quatro oder die Runaways schon in den 70er Jahren zeigten, dass Frauen mindestens genauso gut rocken können wie Männer. Über die Hürden, die Frauen nehmen müssen, um sich im oftmals männerdominierten Rock’n’Roll zu behaupten, haben Joachim Hiller, Chefredakteur des , mit der akduell gesprochen.

„I'm the queen of rock and roll“ sangen 1996 Sleater Kinney in ihrem Song I Wanna Be Your Joey Ramone. Dabei bezieht sich die Band, die aus einer durchweg weiblichen Besetzung besteht, auf den Sänger der legendären Punk-Band Ramones, die als eine der einflussreichsten Gruppen ihres Genres gilt. Auch heute noch ziert das Ramones-Logo T-Shirts vieler Fans – und Nicht-Fans. Obwohl Sleater Kinney zu den bekanntestes All-Female-Bands zählt, dürfte ihr Name jedoch weitaus unbekannter sein als der ihrer männlichen Kollegen. Aber woran liegt das eigentlich?

„Rock’n’Roll wurde von Männern erfunden“, erklärt Hiller. „Es geht dabei um Selbstdarstellung, um expressives Verhalten und darum, den dicken Max raushängen zu lassen. Es klingt klischeehaft, aber Männer wollen dafür Lob von Frauen bekommen.“ Frauen seien zu solch einem Verhalten zwar auch in der Lage, würden von der Gesellschaft aber zurückhaltender erzogen. Die Fangirl- und Groupie-Kultur würde zusätzlich zur Verstärkung von konservativen Geschlechterrollen beitragen. Aus diesen Gründen würden viele Frauen andere Formen des künstlerischen Ausdrucks wählen, die weniger männerdominiert seien. „Und dann ist da natürlich das Klischee der weiblichen Bassistin. Bass ist ja auch ein eher unauffälliges Instrument und wird tatsächlich oft von Frauen gespielt“. Zudem müssten Frauen größere Hürden beim Einstieg in die Musikwelt nehmen. Laut Müller gebe es unterschiedliche Standards, wenn es um Fähigkeiten geht. „Jungs stellen sich einfach selbstbewusst auf die Bühne, egal ob sie gut sind oder nicht. Frauen müssen ihr Instrument erst sehr gut beherrschen, um respektiert zu werden und da oben stehen zu ‚dürfen‘.“



Freizügige Körper

Außerdem werde in Bezug auf Körperlichkeit mit zweierlei Maß gemessen, erklärt Müller. Ein übergewichtiger Musiker werde viel eher akzeptiert als eine übergewichtige Musikerin. Männer träten zudem oft freizügig auf, spielten zum Beispiel oberkörperfrei. „Das wird ja nie großartig thematisiert. Sobald eine Frau sich freizügig inszeniert, reden alle darüber und sagen, dass sie Sex benutzt, um ihre Musik zu verkaufen.“ Anders sei das in Genres wie Metal, wo die oftmals weibliche Sängerin elfenhaft inszeniert werde. In der konservativeren Metal-Szene sei eine sexy Inszenierung weniger möglich, vermutet Müller. „Die Punk-Szene ist dagegen wesentlich emanzipierter“, stimmt Hiller zu.

Sexismus zeige sich auch in der Berichterstattung. „Doro Pesch ist eine der wenigen weiblichen Metal-Ikonen. Gefühlt heißt jeder zweite Artikel über sie „Doro Pesch steht ihren Mann“, stellt Hiller fest. Wenn ein Bandenmitglied weiblich ist, oder besonders wenn die Band nur aus Musikerinnen besteht, werde dieser Umstand auch ständig in Artikeln thematisiert. „Ich ertappe mich selbst dabei, wie ich in Interviews auf Unterschiede zwischen Mann und Frau eingehe“, gibt er zu. „Ganz typisch sind auch so Fragen wie ‚Wie ist das so als Frau mit Männern aufzutreten oder zu touren‘. Wie soll das schon sein? Viele Musikerinnen reagieren genervt auf solche Fragen“, fügt Müller hinzu. Trotzdem findet er, dass die Berichterstattung sich in den letzten Jahren gewandelt hat. „Im Vergleich zu vor zehn Jahren gibt es jetzt mehr Frauen und auch Transpersonen in Bands und in Musikmagazinen. Ich versuche immer darauf zu achten, dass im Fuze auch Frauen zu Wort kommen“, sagt er. „Aber es gab auch schon Hefte, wo keine einzige Frau drin vorkam und erst vor kurzem hatten wir nach zehn Jahren Fuze unsere erste Frau, die Gitarristin Reba Meers von Code Orange, auf dem Cover.“ Selbige sei auch ein gutes Beispiel für selbstbewusstes Auftreten. „Es kommt oft vor, dass Frauen, auch wenn sie Gitarre spielen, ein Instrument, mit dem man sich gut in den Vordergrund stellen kann, trotzdem eher im Hintergrund halten, auch in Interviewsituationen“, berichtet Dennis.

Toughe Vaginas

Nach Joachims Meinung sei es problematisch, dass All-Female-Band ein eigenes Genre sei. Dadurch würden Unterschiede noch stärker hervorgehoben. „Daher kommen dann auch so Kommentare wie ‚nicht schlecht für eine Frauen-Band‘“, schlussfolgert er. Außerdem würde sich die Genrebezeichnung abschreckend auf viele Menschen auswirken und die Band damit auf dem Markt einschränken, vermutet Müller. Viele solcher rein weiblichen Bands thematisieren Sexismus stark in den Texten. „My vagina is tough and dangerous / Shaking up the major labels / Vagina gonna take the stage / Cause vagina’s got a lot to say“, singen beispielsweise Pussy Riot. Das trüge einerseits zur Abschreckung vieler Mainstream-Hörer*innen bei, begeisterte andererseits aber gerade deswegen auch viele feministisch eingestellte Fans, meint Müller.

Auch wenn weiblicher Rock in den 90er Jahren eine Hochphase hatte, finden Müller und Hiller, dass Frauen es nun leichter haben, in der Rockmusik Erfolg zu haben. „Je weiter solche Debatten wie #metoo voranschreiten, desto besser werden ihre Chancen. Wichtig ist, dass junge Frauen in einem Umfeld aufwachsen, wo so etwas diskutiert wird“, betont Hiller. Allerdings seien diese jungen Frauen heute auch verstärkt medial inszenierten Weiblichkeiten ausgesetzt, die die Emanzipation erschwerten. Trotzdem ist sich Müller sicher, dass „Frauen sich jetzt ihren Weg bahnen. Sie erkämpfen sich ihren Platz.“ Wie Kurt Cobain einst sagte: „Women are the only future in Rock’n’Roll.“

?Studifrage!

Warum gibt es an der Uni Duisburg-Essen kein Quidditch wie in Bochum?

Wir haben für Quidditch-Affinen unter euch nachgefragt.
 

?Studifrage!

Warum wird das WLAN nicht vernünftig ausgebaut?

Derzeit besitzt die UDE den besten W-LAN-Standard. Warum wir davon nicht ganz so viel merken, könnt ihr hier lesen:
 

Perfekte Profs: Hohe Expertise nicht Erstwunsch von Studierenden

Fair, respektvoll, zuverlässig oder schon 1.000 Paper veröffentlicht – worauf kommt es Studierenden an wenn sie sich eine*n perfekte*n Professor*in vorstellen sollen?
 
Konversation wird geladen