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KULTUR

PELÉ – Nicht nur Fußball

Über 1000 Tore, drei WM-Titel. Pelé gehört zu den besten Fußballern aller Zeiten. [Foto: Netflix]

19.02.2021 11:10 - Canberk Köktürk

Die Netflix-Dokumentation über den „König“ ist nicht nur eine Geschichte über den Fußball, sondern auch die einer Nation. Restaurierte Archivbilder der 50er bis 70er Jahre und Interviews aus der Gegenwart zeigen, wie eng die Karriere Pelés mit der Identität Brasiliens verknüpft ist.

„Fußball ist etwas für Mutige“, hat Pelés Vater Dondinho, ebenfalls Profifußballer, gesagt. In den ersten Minuten der Dokumentation lernen wir die jungen Jahre Pelés in den 40ern Brasiliens kennen. Seine Familie ist arm und nach Dondinhos Verletzung muss Pelé mit Schuheputzen Geld verdienen.

Während Pelés Kindheit findet 1950 die vierte Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien statt. Eine Chance für das Land, sich global zu beweisen. Im Finale verliert Brasilien vor 200.000 Zuschauer:innen im berühmten Maracanã Stadion 2:1 gegen Uruguay. Das Land ist am Boden zerstört. Pelé verspricht seinem trauernden Vater, er würde irgendwann einen Weltmeistertitel für Brasilien gewinnen. Acht Jahre später soll ihm das, mit gerade einmal 17 Jahren, in Schweden gelingen. Pelé wird zum „König des Fußballs“.

Symbol der brasilianischen Emanzipation

Nach dem ersten WM-Titel avanciert Pelé zum Exportschlager Brasiliens. Er wird der erste Fußball-Millionär durch weltweite Werbeverträge. Das Land entwickelt sich; der Fußball wird zur brasilianischen Identität. Mit seinem Verein FC Santos schlägt er im Weltpokal Benfica Lissabon und den AC Milan. Plötzlich ist Brasilien „da wo Pelé herkommt.“ 1962 verteidigt Brasilien den WM-Titel und der Höhenflug der Nation scheint kein Ende zu nehmen. Doch zwei Jahre später leidet auch Brasilien unter dem Kalten Krieg. Die sozialistische Regierung wird 1964 mit der Hilfe der USA durch einen Militärputsch abgesetzt. Ab 1969 entwickelt sich Brasilien unter General Medici zu einer grausamen Diktatur. Zu diesem Zeitpunkt werden Pelé und die Nationalmannschaft Instrumente für faschistische Propaganda.

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Die Original Netflix Dokumentation PELÉ erscheint am 23. Februar weltweit beim Streamingdienst. [Foto: Netflix]
 

David Tryhorn und Ben Nicholas zeigen in ihrer Dokumentation restaurierte Archivbilder der sportlichen Highlights von Pelés Karriere. Sie produzierten 2016 die Sportdokumentation „Crossing the Line“ über den Hürdenläufer Danny Harris. Wer die Weltmeisterschaften der 50er bis 70er zum ersten Mal erleben möchte, wird von der Qualität der Bilder nicht enttäuscht. Auch die politischen und historische Ereignisse kommen in PELÉ nicht zu kurz. Die Dokumentation verbindet die jüngste Geschichte des größten südamerikanischen Landes und die grausame Diktatur mit Pelés Karriere sowie dem Fußball. Hier fallen die Einflüsse des leitenden Produzenten Kevin Macdonald auf, der 1999 für die Dokumentation „Ein Tag im September“, über die Geiselnahme des israelischen Olympiateams 1972, einen Oscar gewann.

PELÉ macht vieles richtig. Wichtige Wegbegleiter Pelés, wie Zagallo, Jairzinho und Rivellino, kommen zu Wort, aber auch die Kritik an Pelés Haltung gegenüber der Diktatur findet Raum. Die Archivbilder sind für Sportfans schön anzusehen, da sie dynamisch und scharf die Highlights aus einer scheinbar lang vergangen Zeit zeigen. Den satt grünen Englischen Rasen der WM 1966 kann man förmlich riechen. Einzig die lineare Erzählstruktur langweilt an einigen Stellen, da sie die Geschichte nur wiederholt und ihr keine eigene Dramaturgie schenkt. Nach „The Last Dance“ (Über die Chicago Bulls und Michael Jordan) produziert Netflix eine weitere sehenswerte Sportdokumentation über eine Legende für die breite Masse.

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