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KULTUR

Oberhausener Kurzfilmtage: Zwischen Innovation und Filmkultur

Die Oberhausener Kurzfilmtage fanden in diesem Jahr online statt.

[Symbolbild: pixabay] 

18.05.2020 11:50 - Laura Lindemann

Bereits im Jahr 1895 zeigten die Filmproduzenten und Brüder Skladanowsky im Rahmen eines Varieté-Programms im Berliner Wintergarten neun kurze Filme. Doch erst nach der avantgardistischen Kurzfilmbewegung in den 1920er und 1930er Jahren fand der Kurzfilm hohen gesellschaftlichen Anklang und wurde zu einem Experimentierfeld für Künstler*innen. Heute verschwinden die Kurzfilme immer mehr aus den öffentlich-rechtlichen Fernsehprogrammen, obwohl sie ein wichtiger Bestandteil der Filmkultur sind. Dr. Lars Henrik Gass spricht sich anlässlich der Oberhausener Kurzfilmtage für ihren Erhalt aus. 

Die internationalen Oberhausener Kurzfilmtage fanden vom 13. bis 18. Mai zum 66. Mal statt. Coronabedingt wurde das Festival in diesem Jahr online durchgeführt. Im Internet wurden über 350 Filme gezeigt. „Dazu gehören nicht nur die fünf Wettbewerbe des Festivals mit insgesamt 136 Arbeiten, sondern zahlreiche weitere Sektionen“, heißt es in der Programmbeschreibung. 

Das Kinder- und Jugendkino Oberhausen gründete sich Ende der 1970er Jahre und gilt als das älteste internationale Kinderkurzfilmprogramm Deutschlands. Schon immer besteht die Jury aus Kindern und Jugendlichen. Prägend für das Programm sind Internationalität, eine sorgfältige Filmauswahl und der Anspruch, Kindern auf einer Augenhöhe zu begegnen und sie ernst zu nehmen. Nachdem die Jury die Filme gesichtet hat, werden am Ende des Festivals Preise im Wert von 3.000 Euro verliehen. 

„Wir haben uns entschieden, nicht nur die bereits ausgewählten Filme und Programme online zu stellen, sondern auch einen Festivalblog einzurichten, der dann für zwei Monate läuft“, erklärt Dr. Lars Henrik Gass, Direktor des Kurzfilmfestivals. „Denn wir wollen nicht nur ein Festival online nachstellen, sondern eine neue Lösung finden, die neue Zielgruppen anspricht. Menschen, die nicht nach Oberhausen reisen wollen oder können.“ Ziel sei es, das Festival im Selbstverständnis neu aufzufassen und Ort und Zeit zu überwinden. Von Live-Formaten bis hin zu virtuellen Klassenräumen, versuchen die Veranstalter*innen einen Raum für Begegnungen zu schaffen. 

Gesellschaftliche Wichtigkeit 

„Man kann über den Kurzfilm generell nicht so viel mehr sagen, als dass er in erster Linie kurz ist“, sagt Gass. „Somit steht er nicht so stark unter ökonomischem- und Erfolgsdruck, wie ein langer Spielfilm, in den Unmengen von Geld investiert wurde.“ Denn in der Regel ist ein Kurzfilm relativ günstig und umfasst alle Genres, von einem Musikvideo über einen Spielfilm bis hin zur Dokumentation. „Beim Kurzfilmfestival sind wir vor allem an der filmischen Sprache interessiert“, so Gass. 

Ziel sei es, das Festival im Selbstverständnis neu aufzufassen und Ort und Zeit zu überwinden.

Während die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender immer mehr Kurzfilme aus ihrem Programm streichen, freuen sich die Veranstalter*innen der Kurzfilmtage über ein junges und kreatives Publikum, das den Kurzfilm als eine zeitgemäße Kunst- und Ausdrucksform wahrnimmt. Gass versteht diese Handlung der öffentlich-Rechtlichen nicht: „Der Altersdurchschnitt von den 3Sat-Zuschauern liegt bei 60 plus. Ich frage mich, wie der Sender ein jüngeres Publikum zurückgewinnen will, wenn er sich nicht bemüht kreativer, innovativer und risikofreudiger mit der Ausgestaltung der Programmflächen umzugehen.“ Denn genau das macht den Kurzfilm für ihn aus: Das gestalterische, künstlerische und inhaltliche Risiko, das hinter der Produktion steht. „Das ist wichtig für junge Leute, die sich dafür interessieren, wie sich Filmkunst weiterentwickeln wird und muss. In stark formatierten langen Spielfilmen ist solch ein Risiko nicht mehr vorstellbar.“

Sind die Kurzfilme von jungen Leuten heutzutage nicht eher YouTube-Videos? „Bei YouTube-Videos sprechen wir von Kurzfilmen, die im strengen Sinne keine künstlerischen Absichten verfolgen“, sagt Gass. Die Videos seien in keiner Form qualitativ gefiltert und es finde wenig Recherche und Akquise statt. Oft verbringe man mehr Zeit mit Suchen als mit Anschauen. Bei Kurzfilmen ist das anders: „Das Ergebnis unseres Programms ist aktive Arbeit und nicht das Ergebnis einer zufälligen Situation wie man sie auf YouTube findet. Kurzfilmen geht es darum in der medialen Unübersichtlichkeit ein Statement zu setzen.“ 

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