Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

“Mir fällt absolut keine Perspektive ein, aus der Studierende nicht systemrelevant sein könnten.”

Internet-Superstar Sebastian „El Hotzo“ Hotz [Foto: Noel Richter]

28.10.2020 16:47 - Canberk Köktürk

Der Internet-Superstar Sebastian „El Hotzo“ Hotz twittert täglich über aktuelle Geschehnisse, Critical Whiteness und zynische Selbstreflexion. Dabei findet er in wenigen Zeichen die richtigen Worte. Die ak[due]ll durfte ihm einige Fragen über seine Zeit als Studierender stellen.

ak[due]ll: Du hältst das Zeitgeschehen in 280 Zeichen fest. Dabei schreibst du das, was viele fühlen, aber nicht in Worte fassen können. Was motiviert dich täglich aus dem Bett zu steigen?

Sebastian „El Hotzo“ Hotz: Mein Hack ist es, so gegen 3 Uhr morgens einen ganzen Liter Wasser zu trinken – wenn ich aufwache muss ich dann so dringend aufs Klo, dass mir gar keine andere Wahl bleibt, als sofort aufzustehen. Ansonsten variieren die Gründe, manchmal ist es der Paketbote oder ein beruflicher Termin, meistens jedoch der Selbsthass, der mich dazu treibt, endlich meinen faulen Arsch hoch zu bekommen.

ak[due]ll: Hat der Internet-Superstar El Hotzo ein Lieblings-Meme?

Hotz: Ja, natürlich hab ich eins, das ändert sich ständig, so wie sich eben das Internet ständig ändert. Emotional am wichtigsten ist mir vielleicht das hier, weil ich damit zwei wunderbare Freundschaften verbinde:

ELhotzo meme.png

Je abstrakter, absurder und weniger erklärbar ein Meme ist, desto witziger ist es, ich freue mich auf komplett absurde Memes, die nur noch aus einer Farbe bestehen im Jahr 2025.

ak[due]ll: Man erfährt nicht viel über den Sebastian hinter dem El Hotzo. Warum hast du dich dazu entschieden zu studieren?

Hotz: Mein Leben schien spätestens mit dem Übertritt ans Gymnasium ziemlich vorgezeichnet. Abi, irgendein Studium, Job, Haus, Kinder, Familie, Harley Davidson und Fremdgehen in der Midlife Crisis, leichter Rotwein-Alkoholismus und hoffentlich so früh sterben, dass ich der Rentenkasse möglichst wenig koste. Ich habe erst viel zu spät hinterfragt, ob ich das eigentlich will. Nach meinem dualen Studium saß ich zwei Jahre im Büro, bevor ich gecheckt habe: Wow, das ist echt kacke. Studieren, zumindest im Bachelor, war also nie eine aktive Entscheidung, sondern ich habe mich gefühlt, als ob das wie selbstverständlich von mir erwartet worden wäre.

ak[due]ll: Was hätte dein Leben während des Studiums erleichtert?

Hotz: Die richtige Studienwahl und ein bisschen Zeit zum durchatmen zwischen Abi und Uni. Und vor allem: Kein an einen Konzern gebundenes Studium, bei dem ich zwischen Hörsaal und heimlichem Weinen in der Kaffeeküche des Büros ständig hin- und her pendle. Natürlich gibt es Vorteile, finanzielle Unabhängigkeit ist wirklich extrem sexy, so richtig gut hat mir die Sache allerdings weder psychisch noch sachlich getan. Naja lieben Gruß.

Studieren darf kein Privileg von Kindern reicher Eltern sein

ak[due]ll: Oli K. (10) aus Duisburg fragt: „Was willst du werden wenn du groß bist?“

Hotz: Nachdem ich mein großes Ziel, der erste „Sebastian Hotz“ in der Google-Suche zu werden (nimm das, du Bodybuilder aus Sachsen) erreicht habe, bleiben in meinem Leben keine großen Ambitionen mehr. John Lennon hat mal gesagt, dass er als Kind auf die Frage, was wer werden will, mit „glücklich“ geantwortet hat und das find ich die absolut nervigste Antwort, die jemals auf diese Frage gegeben wurde, wie kann man so ein schreckliches Kind sein.

ak[due]ll: Viele Studierende haben finanzielle Schwierigkeiten aufgrund der Pandemie. Sind Studierende systemrelevant?

Hotz: Mir fällt absolut keine Perspektive ein, aus der Studierende nicht systemrelevant sein könnten. In Deutschland wird viel beschworen, wie wichtig Bildung wäre. An der derzeit mangelnden Unterstützung Studierender in diesen Krisenzeiten, sollte auch den letzten klar geworden sein, dass das nichts weiter als leere Worte sind. Studieren darf kein Privileg von Kindern reicher Eltern sein, mit mangelnder Unterstützung und den finanziellen Konsequenzen der Pandemie wird es aber noch weiter zu einem solchen gemacht.

ak[due]ll: Hat sich etwas in deinem Leben seit der Corona-Pandemie verändert?

Hotz: Ich befürchte, dass mein Gesicht eines Tages der Wikipedia-Artikel zu „Profiteure der Corona-Pandemie (2020)“ zieren wird. Natürlich hat sich mein Leben dramatisch geändert, z.B. werde ich auf einmal vom Studierendenmagazin der UDE interviewt und es fühlt sich absolut falsch an, wenn ich sage, dass 2020 unterm Strich ein gutes Jahr für mich gewesen sein wird, obwohl es schlicht die Wahrheit ist. Ein ehrliches „Sorry“ an der Stelle. Weiterhin geändert haben sich: meine Rundenzeit im Formel 1-Spiel (besser),mein Körpergewicht (höher), meine Haut (schlecht tätowiert), meine Haare (schlecht blondiert), mein Kontostand (geringer), meine Kochkünste (verbessert), der Kontakt zu Menschen mit denen ich Abi gemacht hab (endgültig abgebrochen).

ak[due]ll: Letzte Frage, wer dürfte dich zum Essen einladen: Uli Hoeneß oder Clemens Tönnies?

Hotz: Beide, aber nur wenn wir Jeff Bezos essen.

Wie Schulden das Studileben hemmen

Was Schulden während des Studiums mit einem machen, haben wir zwei Betroffene gefragt.
 

Corona: Finanzielle Hilfe für Studierende

Nach drei Monaten Wartezeit können nun auch Studierende eine Art Corona-Soforthilfe beantragen. Vom fzs hagelt es allerdings Kritik.
 

Studierendenwerk Essen-Duisburg: 4.584 Anträge auf Überbrückungshilfe

Die Anträge kommen von Studierenden der Universität Duisburg-Essen, der Hochschule Ruhr West und der Folkwang Universität der Künste.
 
Konversation wird geladen