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KULTUR

Marvel Cinematic Universe - Das Opferlamm der Filmsnobs

Die Comicbücher auf denen die Filme des MCU basieren erscheinen seit 1939. [Foto: pixabay]

26.02.2022 14:00 - Nikita Marcus Verbitskiy

Eine Kolumne von Nikita Marcus Verbitskiy

Vermutlich haben die Allermeisten diese Diskussion schon einmal erleben müssen – das MCU sei kein echtes Kino, zu eindimensional oder bloße Geldmacherei. Der letzte Punkt wird nicht allzu weit entfernt von der Wahrheit sein, allerdings ist er das bei keinem Film. Schließlich wollen auch Arthouse-Regisseur:innen von etwas leben. Ich habe mir vor einiger Zeit alle Filme des MCU angeschaut und ein eigenes Bild gemacht.

Ich will gleich zu Beginn ehrlich sein - ich bin vermutlich selbst ein Filmsnob. Lange wollte ich mir das nicht eingestehen, doch irgendwo zwischen der Erstellung eines IMDB-Accounts und dem ersten Probemonat bei mubi musste ich den Tatsachen ins Auge sehen. Teil des Profils ist natürlich das zynische Abtun von überkommerzialisiertem Popcorn-Kino. Das Marvel Cinematic Universe ist davon vermutlich die reinste Verkörperung. Eine Multimilliarden-Dollar-Maschinerie, die Filme aus dem Rohr pumpt als wären es McMenüs. Nach mittlerweile 27 Spielfilmen und unzähligen Serien und One-Shots müsste selbst der:die fanatischste Zuschauer:in sich in die Arbeitslosigkeit begeben, um jede Sekunde gesehen zu haben. Und an Denen soll es nicht mangeln, schließlich stellt das MCU mit erschreckender Regelmäßigkeit Box Office-Rekorde auf, vom Merchandising ganz zu schweigen. 

Marketing für die Masse?

Hinter dem Giganten der Filmindustrie stecken kostenoptimierende Ansätze. Ein möglichst großer gemeinsamer Nenner, kombiniert mit einer niemals versiegenden Quelle neuen Contents und auf einmal ist für Jede:n etwas dabei. Dieser Fokus auf Quantität und Rentabilität stößt bei vielen Kritiker:innen und insbesondere Laien, die sich für solche halten, auf Ablehnung. Anstatt durch Innovation und Qualität eine Fangemeinde zu erschaffen, werden die Filme an eine bereits existierende Gruppe angepasst. Die künstlerische Vision kann nicht mehr im Vordergrund stehen, sondern ausschließlich der ökonomische Anreiz. So meinen es zumindest eine Meute wütender Blogger:innen und Sundance-Stammgäste zu verstehen. 

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Martin Scorsese’s fehlkontextualisiertes Zitat dient oft als Autorität in dieser Diskussion, schließlich ist er einer der bedeutendsten Filmemacher aller Zeiten. In einer Pressekonferenz zur Promotion seines neuesten Epos The Irishman äußerte der Regisseur: „Marvel Movies are not cinema, they’re something else, a different viewing experience, the cinema becomes a theme-park“ als Teil einer langwierigeren Erklärung bezüglich der Entwicklung visueller Unterhaltung in der Streaming-Ära. Der zweite Teil seiner Aussage wurde der Bequemlichkeit halber vergessen und kaum eine Stunde später wimmelte es von Headlines wie „Martin Scorsese doesn’t think Marvel Movies are Cinema!“ Was die wenigsten daraus mitnehmen konnten war leider die Aussage, die Scorsese eigentlich treffen wollte. Er beschrieb die Revolution der Filmindustrie durch Anbieter wie Netflix und Amazon Prime und erläuterte, inwiefern Filmemacher:innen sich an das Medium anpassen könnten. Seiner Meinung nach bedarf jede Form des Konsums ihrer eigenen Darstellung. Laut dem Regisseur ist eine kollektive, einmalige Erfahrung im Kino nicht mit dem täglichen Gebrauch einer App gleichzusetzen. 

Filmschaffen in der Streaming-Ära

Genauso wenig lässt sich das Ziel eines Goddard-Films mit dem einer Comicbuch-Verfilmung gleichsetzen. Bloß, weil ein Film keine bahnbrechenden Konzepte und innovative Neuerungen des Mediums mit sich bringt, muss er nicht als irrelevanter Einheitsbrei abgetan werden. Man sollte Filme anhand dessen bewerten, wie gut sie ihr gesetztes Ziel erfüllen. Kein Spiderman Film soll existenzialistische Themen durch subtilen Symbolismus vermitteln. Es ist ein guter Film, so lange er den Witz und die Leichtigkeit der Comicbücher auf treffende Art und Weise auf die Leinwand des 21. Jahrhunderts überträgt. Und darauf hat sich Marvel verstanden. Mit einem exzellenten Cast, einer großartigen Auswahl an Regisseur:innen und den weltbesten VFX-Teams standen dem Franchise alle Möglichkeiten offen.
 
Ich möchte mich zum Schluss noch einmal auf Scorsese beziehen, denn in seiner Definition von „cinema“ hat er recht. Das MCU ist keine einmalige Erfahrung, noch sollte sie es sein. Die Geschichten in Comicbüchern ziehen sich praktisch endlos. Und das Universum, welches schon eher mit einer Miniserie mit unzähligen Spin-Offs verglichen werden kann, wird dem gerecht. Jedes Medium bedarf einer adäquaten Darstellung und das Team des MCU hat diese definitiv gefunden.

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