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KULTUR

Joker: Meisterwerk oder Triggerfalle?

Am 10. Oktober kam Joker in die deutschen Kinos. Die Meinungen sind geteilt. [Symbolbild: pixabay]

06.11.2019 14:48 - Anna Riemen

Die Geschichte von Arthur Fleck und wie er zu Batmans Nemesis, dem Joker, wurde, rief auf der einen Seite Begeisterung, auf der anderen Bestürzung und Kritik hervor. 

Ein Kommentar von Anna Riemen

Überrascht hat mich, wie vielen Leuten – speziell Publikum aus den USA – Joker schwer im Magen lag: Auf Twitter berichten viele Zuschauer*innen, dass er ihnen Panikattacken oder schlicht so viel Unwohlsein bereitet habe, dass sie den Kinosaal verlassen mussten. Einer der Gründe sei, dass die intensive Darstellung mentaler Krankheit ein Trigger gewesen sei. 

Im Film nehmen außerdem sich die unterprivilegierten Bürger der fiktiven Stadt Gotham, in der Fleck lebt, die Gewalttaten des Jokers zum Vorbild und es kommt zu einer Eruption der Gewalt auf den Straßen. Kritischen Stimmen der amerikanischen Medienwelt zufolge habe die gezeigte Aufruhr der Bevölkerung das Potenzial, zu Gewalt anzuregen.

Persönlich habe ich die Darstellung psychischer Abgründe in Joker als künstlerisch und wenig realitätsnah empfunden. Diese Meinung ist jedoch rein subjektiv. Trigger fallen für jeden Menschen individuell und unterschiedlich aus. Niemandem steht zu, zu beurteilen, für wen welche filmischen Mittel problematisch sind. Dem muss hinzugefügt werden, dass einige Szenen offensichtlich bewusst so gedreht wurden, dass sie Unbehagen auslösen: Hauptdarsteller Joaquin Phoenix schauspielert mit dem ganzen Körper. Unter anderem bringt er sogenannte „Body Horror“-Elemente, etwa einen missgebildet wirkenden Rücken, mit ein. Desweiteren hat das gemächliche Erzähltempo, in das blutige Szenen urplötzlich hereinbrechen, Potenzial, Kinogänger*innen überrascht auf ihren Kinosesseln zusammenfahren zu lassen.

Medienwelt zufolge habe die gezeigte Aufruhr der Bevölkerung das Potenzial, zu Gewalt anzuregen.

Phoenix alias Flecks hysterische Lachanfälle in den unpassendsten Situationen haben ebenfalls eine verstörende Wirkung. Dies alles deutet für mich aber eher darauf hin, dass Hangover-Regisseur Todd Phillips mit Phoenix eine exzellente Besetzungsentscheidung getroffen hat. Sein filmischer Ansatz, die Entwicklung der Geschichte komplett auf einem Protagonisten aufzubauen und ihn das Publikum durch den Film führen zu lassen, ist mit einem starken Hauptdarsteller aufgegangen. 

Was die Verherrlichung von Gewalt betrifft, so denke ich, dass die Hauptnachricht des Films das genaue Gegenteil aussagt. Es fällt leicht, Verständnis für die Wut Flecks sowie der unterdrückten Bürger*innen aufzubringen. Dass der Joker sowie die Einwohner Gothams dies jedoch zum Anlass nehmen, um mit Gräueltaten zu reagieren, sollte dem*der mündigen Kinobesucher*in dagegen überzogen und unzulässig erscheinen.

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