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KULTUR

Ich kaufe mir die Comic Con

(Foto: seg)

10.12.2018 11:29 - Julia Segantini

Wenn dir an einem Tag Wonder Woman, Darth Vader und Monkey D. Ruffy über den Weg laufen und sich Menschen auf Klingonisch unterhalten, kann das nur eines bedeuten: Die Comic Con steht an. Unsere Redakteurin Julia Segantini war am Sonntag, 2. Dezember, in den Dortmunder Westfalenhallen und hat zwei Besucher*innen gefragt, wobei es bei der Comic Con geht.

Es ist nicht so voll und es wird weniger gedrängelt als erwartet, stelle ich zufrieden fest, als ich die Convention betrete. Es riecht nach Popcorn. Die Messehalle ist gefüllt mit Ständen von Künster*innen, die ihre Werke verkaufen. Meist handelt es sich dabei um Motive aus der Comic-Welt – Superheld*innen, Zombies, Mangafiguren. An mehreren Stationen kann man sich vor nachgestellten Filmszenen mit Cosplayern (Menschen, die eine Figur aus Manga, Anime, Comic, Film oder Videospiel durch Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu darstellen) ablichten lassen. Ein weiteres Highlight sind die Stargäste, die sich bei Podiumsdiskussionen den Fragen der Zuschauer*innen stellen.

„Ich würde es schöner finden, wenn die Leute nicht nur kämen, um sich die Taschen voll zu kaufen“

Mit dabei sind unter anderem Schauspieler*innen aus Game of Thrones und Stranger Things und Ikonen wie Chuck Norris. Ein Selfie mit ihm hätte mich zwar nicht gereizt, einen verschwommenen Schnappschuss von weitem hätte ich allerdings schon gemacht – man will ja auch angeben. Das wird allerdings durch hohe schwarze Stellwände, die den Star von uns Normalsterblichen trennt, unmöglich. Für ein Foto mit dem Star aus Walker, Texas Ranger bezahlt ein Fan 100 Euro – wenn er*sie Schlange steht. Wer ohne zu warten ein Bild möchte, zahlt fast den dreifachen Preis.

Kommerz vor Comics

Der finanzielle Aspekt ist überhaupt das, worum es bei der Comic Con vor allem zu gehen scheint. Dass ich zähneknirschend vier Euro für eine Cola bezahle, ist nicht mal das schlimmste. Wohin man sieht, fast nur Verkaufsstände. Merchandise heißt hier das Zauberwort. Reihe um Reihe türmen sich Fanartikel von Marvel-Superhelden, Harry Potter, Naruto und Star Wars und lenken so von den eigentlichen Stars ab: den Cosplayern.

Manche haben sichtlich viel Mühe in ihr Kostüm gesteckt. Mit viel Liebe zum Detail verkörpern einige Besuchende ihre Lieblingsfiguren aus Film und Fernsehen. Eine Jigsaw-Puppe im originalgetreuen Anzug und authentischer Maske fährt mit einem laut quietschenden Dreirad an mir vorbei. Obwohl hinter Maske und Perücke nicht der richtige Serienmörder aus der Saw-Reihe stecken kann, habe ich doch leichte Hemmungen zu fragen, ob das Dreirad extra quietschend gemacht wurde. „Das war schon so!“ antwortet eine freundliche Frauenstimme, bevor sie fröhlich weiter fährt. Gerade wegen solch origineller Ideen ist es schade, dass es hier vor allem um das Verkaufen von Fanatikeln geht. Bei einem Großteil davon handelt es sich nicht mal um besonders seltene Stücke. Die meisten habe ich schon bei Elbenwald oder bei GamesStop gesehen.

ComicCon2.jpg
Zwei Jawas unterhalten sich in Jawaisch.


An den Ständen habe ich mich schnell satt gesehen. Und nun? Zwar gibt ein paar nachgestellte Filmkulissen, in denen man sich mit Zombies, Clowns und Co. ablichten lassen kann, doch sind einige davon eher lieblos gestaltet. Während ich diese betrachte, höre ich ein lautes Quietschen. An mir vorbei fährt wieder die Jigsaw-Puppe und erntet bewundernde Blicke. Ich schaue mich um. Ich habe alle Stände nun schon dreimal gesehen und weiß einfach nicht, was ich noch mit meiner Zeit anfangen soll.

Lieber cosplayen statt kaufen

Ähnlich sieht es Lea, die heute einen selbsterfundenen Charakter zwischen Visual Kei (in Japan ein Sammelbegriff für optisch auffällige Musiker) und Weihnachten mit ihrer Freundin cosplayt und zum dritten Mal hier ist. „Ich würde es schöner finden, wenn die Leute nicht nur kämen, um sich die Taschen voll zu kaufen“, sagt sie. Sie wünscht sich, dass der Fokus stärker auf den Cosplayern gelegt wird. „Auf der Chizuru (monatliche Anime- und Manga-Convention in Dortmund) haben die zum Beispiel Cosplay Wettbewerbe und andere Aktionen, bei denen man sich kennenlernen kann“, erzählt sie.

Deshalb ginge sie lieber auf kleinere Conventions wie die Chizuru, „da kennt man mehr Leute, das ist fast wie eine kleine Familie“. Auf der großen Comic Con sei alles unpersönlicher, man werde von weniger Menschen angesprochen, die ein Bild machen möchten. „Ich glaube, die meisten gehen dahin, um die Stars zu sehen“, vermutet sie während wir an den Schlangen zu den Schauspieler*innen vorbeilaufen. Ich überlege, ob ich mich für Anthony Head, der in Buffy - im Bann der Dämonen den „Giles“ spielte, anstelle. Aber um 35 Euro für ein Foto und weitere 30 Euro für ein Autogramm auszugeben bin ich dann noch zu geizig. Und zu arm.

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