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KULTUR

Ich bin ein Hund und ich will nur deine Liebe – Konzertrezension Drangsal

Drangsal bei seiner Show in Dortmund [Foto: Erik Körner]

01.04.2019 12:08 - Erik Körner

Nicht nur in der Mode, sondern auch in der Musik kommt alles irgendwann wieder. Max Gruber, alias Drangsal, bringt momentan mit seinen Liedern den Sound der Achtziger zurück in den deutschen Mainstream. Unser Redakteur Erik Körner besuchte sein Konzert am 22. März im Dortmunder FZW. Eine Rezension.

Als ich zum ersten Mal Drangsal während des Kochens hörte, dachte ich: Das ist die ideale Musik für alle, die mit dem Ende ihrer Pubertät den im Gesicht hängenden Pony, die ausschließlich schwarze Garderobe und ihre ungesunde Obsession für My Chemical Romance gegen hochgekrempelte Hosenbeine, American-Spirit-Tabak und Morrissey eingetauscht haben. Nicht zuletzt, weil ich beiden dieser Personengruppen angehörte, beziehungsweise angehöre. Ehe ich mich versah, war ein Ticket für die Show in Dortmund bestellt.

Im Verlauf des Abends öffnete sich ein Moshpit nach dem anderen.

Nach einer mit Hits wie Sweet Little Lies oder Carry On My Wayward Son gefüllten Umbaupause wurden die Lichter gedimmt. In einem sich zwischen grenzwertig und ästhetisch bewegenden Anzug gekleidet, mit einer glitzernden, pinken Deimel Firestar-Gitarre im Anschlag, betrat Drangsal mitsamt seiner Band die Bühne.

Die ersten Töne von Jedem das Meine erklangen. Binnen weniger Sekunden sang und tanzte das gesamte Publikum euphorisch. Im Verlauf des Abends öffnete sich ein Moshpit nach dem anderen. Ich ging nicht davon aus, bei Drangsals eher düster klingenden Musik von so viel Enthusiasmus überwältigt zu werden.

Die Setlist war ein sauberer, wenngleich vorhersehbarer, Schnitt durch Drangsals Oeuvre. Per se ist das nichts Schlechtes. Harieschaim (2016) und Zores (2018) bestehen aus insgesamt 25 Liedern. Ein Konzert, gerade von neueren Künstler*innen, besteht in der Regel aus zirka 12 bis 15 Liedern. Für eine Balance alter und neuer Songs bleiben ergo nur sechs bis sieben pro Album übrig. Leider bedeutet das, dass, zumindest momentan, Lieder dabei sein müssen, die weniger Hitpotenzial besitzen. Gerade bei ACME dachte ich mir: „Kann ich stattdessen wieder Do The Dominance haben?“ Spätestens sobald Zores’ unausweichlicher Nachfolger veröffentlicht wird, sollten Drangsal-Konzerte eine durchgehend potente Setlist haben.

An dieser Stelle ein großes Lob an das Soundpersonal. Sowohl die Instrumente als auch die Vocals klangen klar sowie definiert. Gerade bei Liedern wie Sirenen, dessen Intro ein stark verzerrter Bass kennzeichnet, führt gerade schlechtes Mixing des Basses schnell zu einem undefinierbaren, akustischen Brei. Die Drums waren nicht zu dominant und ließen die Gitarren nicht unter sich versinken.

Align to the sound of the drums

Wer Max’ Twitteraccount folgt, weiß: hinter Drangsal steckt kein melancholischer Komponist, sondern ein Mensch voller eigenartigem Humor. Ein Fan brachte ihm ein sonnengelbes T-Shirt mit der Aufschrift „Piss mir ins Maul“ mit. Selbiges trug der Sänger gegen Ende der Show. Da war es auch wenig verwunderlich, dass während eines Liedes spontan Bushidos Sonnenbankflavor zitiert wurde.

Im Anschluss einer kurzen Verschnaufpause voller Zugabe-Rufe betrat die Band ein letztes Mal die Bühne. Mit Allan Align und Turmbau zu Babel standen sich je ein Lied beider Alben in der Zugabe gegenüber. Dieser Kontrast verdeutlichte nochmals die musikalische Entwicklung, die Drangsal innerhalb der letzten zwei Jahre durchlief. Sämtliche Songs auf Zores scheinen zielgerichteter, wohlformulierter. Harieschaim war zweifelsohne ein grundsolides Album, wirkte aber konzeptionell unfokussierter.

Zu meiner Überraschung schallte 1000 Mal berührt von Klaus Lage durch die Halle.

Der finale Track stammte nicht von Drangsal selbst. Zu meiner Überraschung schallte 1000 Mal berührt von Klaus Lage durch die Halle. So viele Menschen verschiedenen Alters sowie verschiedener Subkulturen gemeinsam zu einem 35 Jahre alten Schlager feiern zu sehen, hatte etwas magisches.

Julia war im Dezember 2018 bei einem Drangsal-Gig in Düsseldorf. „Leider war damals die Stimmung des Publikums nicht so gut.“ erinnert sie sich. Die Motivation des Sängers schien darunter gelitten zu haben. „Hat dann auch nicht geholfen, dass er gefühlt gar keinen Bock hatte.“ Die Show in Dortmund lief im Vergleich besser. „Die Stimmung war um einiges angenehmer, Drangsal hatte dieses mal auch merklich mehr Lust als in Düsseldorf.“

Normalerweise muss ich nach einem Konzert erstmal wieder Musik anderer Künstler*innen konsumieren, da ich im Vorfeld eines Auftrittes häufig nichts als die Band, die ich sehen werde, höre. Bei Drangsal war es dieses mal ein wenig anders. Zores habe ich mir ausschließlich lückenweise gegeben, Harieschaim nur wenige Tage vorher dem Auftritt erstmals durchgehört. Die überschaubare Menge an Songs, die ich schon vorher mochte, läuft immer noch rauf und runter. Die Songs, die unter meinem Radar flogen, tönen zumindest häufiger durch meine Kopfhörer. 

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