Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

Hundertprozentige Rechte an den eigenen Gefühlen

Die Gedichtsammlung verlegt die Autorin selber über Books on Demand.
[Foto: Nina Meise]

28.07.2021 12:43 - Saskia Ziemacki

„Mutig sein und einfach machen.“ Das ist die Devise von Newcomer-Autorin Nina Meise, als sie ihren Gedichtband „Herzensrepertoire“ schreibt und selbst verlegt – und das alles neben ihrem Job als Zeitungsredakteurin. Sie zeigt uns, dass Gedichte alles andere als langweilig sein können – mit einem ganzen Repertoire an Gefühlen, Erlebnissen und Gedanken, mit denen sich vor allem junge Leute identifizieren können. 

ak[due]ll: Worum geht es in deinen Gedichten?

Nina Meise: Um alles, was mich in meinem Leben bewegt. Es ist nicht autobiographisch, aber es fließen eigene Gefühle, Gedanken und Erfahrungen mit rein. Es geht um das Erwachsenwerden – darum, sich selbst zu finden, sich selbst zu ergründen und herauszufinden: Was will ich eigentlich im Leben? Wo möchte ich mal hin? Ich glaube, das sind Fragen, die sich jeder stellt, gerade mit Anfang, Mitte 20. Ich bin 26 und auch ich beschäftige mich damit. 

ak[due]ll: Wie sieht deine Laufbahn aus?

Meise: Ich habe Germanistik und Informationswissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf studiert. Danach habe ich ein zweijähriges Volontariat bei einer Tageszeitung gemacht. Um etwas Neues auszuprobieren, war ich letztes Jahr Pressesprecherin bei der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort. Seit diesem Jahr bin ich wieder zurück bei der Zeitung, weil mir das Schreiben sehr gefehlt hat. Als Pressesprecherin kann man sich kaum kreativ ausleben – etwas, das mich am Schreiben so reizt. 

ak[due]ll: Wann und wie kommt deine Inspiration? Schreibst du an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Tageszeit?

Meise: Ich habe eine Freundin, die Musik macht und eigene Songs schreibt und wenn sie abends im Bett liegt und ihr etwas einfällt, dann muss sie es sofort aufschreiben – so ist es bei mir auch. Das kann abends um zwölf Uhr sein oder tagsüber, während ich arbeite. Wenn ich einen Gesprächspartner habe, der mich berührt, dann nehme ich einfach das, was ich gerade zur Hand habe, um es niederzuschreiben. Auch die Natur ist eine Inspirationsquelle – wenn ich spazieren gehe oder zu Hause auf dem Balkon sitze, Musik höre und entspannen kann. Habe ich dann einen Gedanken, muss der direkt raus und wird ins Handy getippt. 

ak[due]ll: Wann fällt es dir leichter zu schreiben, bei negativen oder bei positiven Gefühlen?

Meise: Ich bin kreativer, wenn ich traurig bin – um Dinge zu verarbeiten. Das ist meine Ausdrucksform. Aber generell muss ich zum Schreiben in einer bestimmten Stimmung sein. Es kann sein, dass es mir schlecht geht, weil eine Beziehung in die Brüche gegangen ist, egal ob Liebe oder Freundschaft. Aber auch, dass ich sehr glücklich bin, zum Beispiel, weil mein Patenkind geboren wurde. 

{Nicht gut für mich}
Ich klopfe immer wieder an deine Türe, selbst wenn ich dann nur für ein paar Stunden deine Liebe spüre. Und ich frage mich, was mich immer wieder zu dir treibt. Denn ich weiß, dass du nicht gut für mich bist. Vielleicht bin ich in meinem Leben auch einfach mein eigener Antagonist, der gerne sieht, wie schmerzvoll mein Herz nach Besuchen bei dir immer wieder bricht.

ak[due]ll: Kannst du eine Hintergrundgeschichte zu einem Gedicht erzählen?

Meise: Das Gedicht „Fernweh“ ist ganz persönlich für mich. Es geht darum, den Mut zu haben, die Welt zu entdecken. Und das ist etwas, was ich bereue, wenn ich ehrlich bin. Mein Weg war sehr straight. Nach dem Abi habe ich direkt angefangen zu studieren, habe das Volontariat gemacht und bin sofort in die Arbeitswelt eingestiegen. Ich habe viele Freundinnen, die erst mal rumgereist sind und da stelle ich mir die Frage, ob ich es auch hätte machen sollen. 

ak[due]ll: Wie sieht das Marketing für dein Buch aus?

Meise: Ich mache das Meiste über meinen Instagram-Kanal, weil da die Alters- und Zielgruppe ist, die ich erreichen möchte. Ich habe mein Buch über Self-Publishing veröffentlicht. Das heißt, ich habe alles selbst gemacht, von der Covergestaltung bis hin zum Lektorat. Man ist ganz frei und kann die Medien anschreiben, die einem gefallen. Ich habe Literaturzeitschriften angeschrieben und das Buch für einen Self-Publishing Preis eingereicht. 

ak[due]ll: Das klingt alles nach viel Arbeit für eine Person, die gleichzeitig einen Hauptberuf ausübt. Wie hast du das geschaukelt bekommen?

Meise: Es ist viel Arbeit und ich habe mich überall selbst eingelesen. Aber die Self-Publishing-Plattform „Books on Demand” ist einfach aufgebaut und gut erklärt. Ich habe über Wochen in Etappen daran gearbeitet. Man bekommt seine eigene Plattform, bei der man sich immer wieder einloggen und weiterarbeiten kann. Hat man einen Verlag hinter sich stehen, der einem sagt, wann man etwas abliefern muss, hat man viel mehr Druck. 

ak[due]ll: Warum hast du dich dafür entschieden, „Herzensrepertoire“ selbst zu verlegen?

Meise: Ich habe meine Gedichte an verschiedene Verlage geschickt, um eine professionelle Meinung zu erhalten. Zwei Verlage wollten sie veröffentlichen. Das Problem war: Der Selbstkostenanteil war extrem hoch, von 3000 bis 7000 Euro. Da ich keine Autorenkarriere anstrebe, war es mir einfach zu teuer. Das Preis-Leistungsverhältnis beim Self-Publishing ist wesentlich besser. Der Selbstkostenanteil liegt in einem geringen zweistelligen Bereich. Wenn man ein paar Bücher verkauft, hat man das Geld schnell wieder drin. Und man hat hundert Prozent Rechte an seinem Werk. Bei großen Verlagen kommt man als No-Name sowieso nicht rein. Ich habe während des Studiums selbst Praktika bei Verlagen gemacht und gesehen, wie viele Einsendungen man pro Tag bekommt. Die kann man gar nicht alle durchlesen. 

ak[due]ll: Hast du Tipps für Nachwuchs-Autor:innen? 

Meise: Mutig sein und einfach machen. Selbst wenn man es nur für sich macht. Es ist ein großer Schritt und es war auch von mir nicht leichtfertig. Man fragt sich: Wie kommt es an? Wenn man an die Öffentlichkeit geht, hat man Respekt vor dem Feedback. Ich habe es anfangs niemandem erzählt, auch meine Freunde haben es nicht mitbekommen. Es war mein persönliches, eigenes Projekt. Jetzt finde ich es wirklich cool, wenn man sich traut.

{Was ich will}
Ich wünschte, ich wäre mit mir allein.
Aber einsam will ich auch nicht sein.
Ich wünschte ich wäre mutiger.
Aber bitte auch kein Draufgänger.
Ich wünschte ich wäre spontan.
Aber nicht ohne Wochenplan.
Ich wünschte ich wäre beliebt.
Aber nicht so, dass sich jeder direkt in mich verliebt.
Vor allem wünschte ich mir aber, ich wüsste genauer, wer ich wirklich sein will.
Und weil ich das nicht weiß, bleib ich oft lieber still.

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