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KULTUR

Hakenkreuze, ja bitte?

Foto: David Peters
20.08.2018 13:03 - David Peters

Ein Kommentar von David Peters

Deutsche Gamer*innen schauten bei Spielen, die sich mit dem Zweiten Weltkrieg und Nationalsozialismus beschäftigten, oft in die Röhre. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) verweigerte Spielen mit verfassungsfeindlichen Symbolen von vornherein die Altersfreigabe. Dies hat sich nun geändert, akduell-Redakteur David Peters bricht deshalb nicht in Jubel aus.

Bisher mussten Spieleentwickler*innen ihre Werke für den deutschen Markt so verändern, dass keine Symboliken zu sehen sind, die laut dem hierzulande geltenden Paragraphen 86a des Strafgesetzbuches verfassungsfeindliche Kennzeichen sind. Die halbstaatliche USK lehnte eine Altersfreigabe, die für eine Veröffentlichung in Deutschland notwendig ist, nämlich ab.

Jetzt entschied sich die USK aufgrund einer veränderten Rechtsauffassung der zuständigen Obersten Landesjugendbehörde dazu, diese Spiele in der Originalfassung auf die sogenannte Sozialadäquanzklausel zu prüfen. Diese erlaubt die Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole im Sinne der Lehre, Wissenschaft, der Aufklärung oder eben der Kunst. Unter den Begriff Kunst fallen aber eben auch Videospiele, daher ist die Kehrtwende der USK nur konsequent.

Jetzt kommen wir aber zum entscheidenden Punkt: Wann ist es in Ordnung, Hakenkreuze und ähnliche Symbole in Videospielen zu verwenden? In Multiplayergames benutzen viele Spieler*innen schon Nazi-Symboliken und Zahlencodes. Möchte man dann, dass solche Menschen in Spielen wie Call of Duty oder Battlefield mit Hakenkreuz-Uniformen rumrennen? Mich würde sowas eher erschrecken.

Strategiespiele wie die Hearts of Iron-Reihe, in der man auf einer Weltkarte den Zweiten Weltkrieg teilweise erschreckend realistisch nachspielen kann, würden da vermutlich eher unter die Sozialadäquanzklausel fallen. Hier habe ich schon wesentlich mehr Verständnis als bei einem kompetitiven Multiplayer-Shooter, da auch historische Elemente an die Spieler*innen vermittelt werden können. Aber die Vorstellung, dass dabei ein riesiges Hakenkreuz auf der Weltkarte prangen könnte, ist doch sehr befremdlich.

Es braucht sehr viel Fingerspitzengefühl um die einzelnen Entscheidungen zu treffen. Hier muss sorgfältig abgewägt werden, ob die Darstellung verfassungsfeindlicher Symbole notwendig für die Geschichte oder die zu vermittelnden Inhalte ist oder ob es sich nur um plumpe Provokation oder sogar Verherrlichung des Nationalsozialismus handelt. Deswegen fällt mein Freudenschrei, Spiele zukünftig in den Originalversionen spielen zu können, doch eher verhalten aus.

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