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KULTUR

„God bless white america“ - Vier Filme über strukturellen Rassismus

Streamingtipps für die komplette Woche! [Foto: Canberk Köktürk]

17.09.2020 11:10 - Canberk Köktürk

Filme spiegeln Zeitgeschehen und gesellschaftliche Probleme wider. Der strukturelle Rassismus ist ein Teil der Weltgeschichte. Das wird seit den 80ern, dank des New Black Cinema Genres, auch in der US-Filmindustrie reflektiert. In Deutschland wurde in den letzten Jahren hingegen kaum ein Film über strukturellen Rassismus hervorgebracht. Der deutsche Rassismus existiert bei den heimischen Filmschaffenden nur in der NS-Zeit. Wir haben euch die bewegendsten Streifen rausgesucht, die strukturellen Rassismus behandeln – Film ab!

Boyz n the Hood, 1991

John Singletons Boyz n the Hood ist ein Paradebeispiel des New Black Cinema Genres. Das New Black Cinema ist eine Bezeichnung für Filme afroamerikanischer Regisseure der 80er und 90er, wie u.a. Spike Lee und John Singleton, die gesellschaftskritische Themen, wie Diskriminierung und Rassismus behandeln. Dabei besetzten sie, anders als der damalige Mainstream, afroamerikanische Schauspieler:innen und stellten sie in den Mittelpunkt der Geschichten.

Boyz n the Hood hat mit Laurence Fishburne, Ice Cube und Cuba Gooding Jr.* eine grandiose Besetzung. Boyz in the Hood erzählt von der Geschichte junger afroamerikanischer Männer in South Central L.A., die von Gewalt und struktureller Benachteiligung geprägt ist. John Singleton gibt einem die Hoffnungslosigkeit seiner Protagonisten nachwirkend mit und liefert auch fast 30 Jahre später noch eines der wichtigsten Werke zum strukturellen Rassismus.

Regie: John Singleton
Darsteller:innen: Cuba Gooding Jr., Laurence Fishburne, Ice Cube

*Cuba Gooding Jr. muss sich aktuell vor dem New Yorker Gericht aufgrund von Vergewaltigungs- und Belästigungsvorwürfen verantworten.

Get Out, 2017

Für viele war Get Out 2017 ein Geheimtipp, als er die Kinokassen der kleineren Filmkunsttheater füllte. Menschen mit internationaler Geschichte kennen die beschriebene Situation allzu gut: Man ist auf einer Party und sobald man sich begrüßt hat und die ersten Getränke getrunken werden, verschiebt sich der Fokus auf die Herkunft, auf die Religion oder auf das Aussehens des „exotischen“ Gastes. Jordan Peele schafft es in seinem Regiedebüt dieser Situation Horror-Elemente hinzuzufügen, wodurch der Film ein bizarrer Trip wird und die schlimmsten Ängste von Betroffenen widerspiegelt. Eine Hyperbel des Alltagsrassismus, die sich allzu real anfühlt.

BlacKkKlansman wird in Zukunft einer der Kultfilme unserer Generation.

Get Out und Barry Jenkings Moonlight waren der lang ersehnte Befreiungsschlag aus den Strukturen des weißen Hollywood. Diese Filme haben bewiesen, dass vor und hinter der Kamera keine weißen Superstars stehen müssen. Auch die Folgefilme, Us von Jordan Peele und Barry Jenkings If Beal Street Could Talk, sind sehr empfehlenswert!

Regie: Jordan Peele
Darsteller:innen: Daniel Kaluuya, Allison Williams, Catherine Keener, Betty Gabriel

Hass (frz. La Haine), 1995

Hass ist die einzige europäische Produktion in dieser Liste und zeigt uns 24 Stunden aus dem Leben dreier Jugendlicher. Said, Vinz und Hubert, haben alle eine internationale Geschichte. Nach Ausschreitungen mit der Polizei wird ihr Bekannter, Abdel, durch einen Polizisten, schwer verletzt. Vinz findet in derselben Nacht die verlorengegangene Waffe eines Polizisten. Die jungen Männer entscheiden sich Abdel zu rächen, falls er seinen Verletzungen erliegt. Der weitere Verlauf der Geschichte ist eine intensive Darstellung des systematischen Rassismus und der Situation benachteiligter Menschen in Frankreich.

Der Film liegt schwer im Magen, ist aber ein Muss für jeden, der sich mit dem Thema Rassismus beschäftigen möchte. Auch wenn Filme niemals zu 100% die Realität wiedergeben können, fühlt sich Mathieu Kassovitz’ Darstellung sehr nah an.

Regie: Mathieu Kassovitz
Darsteller:innen: Vincent Cassel, Hubert Koundé, Said Taghmaoui

BlacKkKlansman, 2018

Diese Liste wäre ohne Spike Lee hinfällig. Der Film behandelt eine absurde, auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte. Der afroamerikanische Polizist Ron Stallworth, der in den 70ern in Colorado zum Detective befördert wurde, hat sowohl einen schweren Stand bei der Polizei, als auch, aufgrund seiner Tätigkeit, bei Aktivist:innen der Bürgerrechtsbewegung. In seinen gegensätzlichen Welten gefangen, beginnt er, gegen den örtlichen Ku-Klux-Klan zu ermitteln.

BlacKkKlansman ist trotz seiner schweren Thematik die leichteste Kost in dieser Liste, da er mit einer guten Prise Humor verfeinert wurde. Das mag vielen Zuschauer:innen schräg vorkommen aber die offensichtliche Hommage an die Blaxploitation-Filme (Low-Budget Produktionen der 60er-70er von und für BPoC, wie Shaft) begründet die Vorgehensweise. BlacKkKlansman wird in Zukunft einer der Kultfilme unserer Generation.

Regie: Spike Lee
Darsteller:innen: John David Washington, Adam Driver, Laura Harrier, Topher Grace

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