Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

Florentin Will – Über Vögel, Streaming und Pandemie

Florentin Will wurde durch verschiedene Rollen beim Neo Magazin Royale bekannt. [Foto: Joseph Strauch]
​​​​​​​15.03.2021 14:03 - Canberk Köktürk

Vor Kurzem wurde Florentin Will für die Rocket Beans TV (RBTV)-Sendung „Was ist der beste Senf?“, in der er mit Game Two-Redaktionsleiter Colin Gäbel verschiedenste Senfsorten testet, für den Grimme Preis nominiert. Will ist Moderator, Schauspieler, Podcaster und Streamer. Man kennt ihn aus dem ZDF Magazin Royale, dem Podcast UFO oder aus dem Internet-Sender RBTV. Wir haben mit ihm über seine Arbeit als vielschichtiger Künstler und den Einfluss der Pandemie auf seinen Alltag gesprochen.

ak[due]ll: Du kennst sowohl große Produktionen wie das ZDF Magazin Royale, als auch die Streaming-Community durch RBTV. Wo fühlst dich wohler?

Florentin Will: Insgesamt fühle ich mich in der Nische wohler, weil ich da das machen kann, was mir selber gefällt und mich ausleben kann. Dort muss ich keine großen Erwartungshaltungen einhalten oder irgendwelche Kompromisse erfüllen.

ak[due]ll: Du streamst nicht nur Videospiele auf RBTV: Beim Live Pen und Paper vermischen sich Gesellschaftsspiel und Impro-Theater. Kannst du dir solche Formate irgendwann im linearen Fernsehen oder als größere Produktionen vorstellen?

Will: Also im linearen Fernsehen glaube ich nicht, da das in der relevanten Zielgruppe immer mehr an Bedeutung verliert. Ich weiß auch nicht, ob das Format dafür geeignet ist. Wenn du beim Zappen bei der vierten Folge landest, hast du ja keine Ahnung, was da vor sich geht. Ich glaube, da sind die non-linearen Plattformen wie YouTube besser geeignet. Dort kann man auch Abenteuer von vor drei Jahren nachholen. Größere Pen and Paper Produktionen gab es beispielsweise schon bei der letzten BlizzCon von A Critical Role, die das bereits seit Jahren sehr professionell und sehr groß auf YouTube machen. Ich glaube schon, dass da Potenzial zum Wachsen vorhanden ist. 

ak[due]ll: Improvisation gehört zu deinem Alltag. Auch bei der YouTube-Rate-Show Verflixxte Klixx oder auch in der Morningshow MoinMoin auf RBTV. Wie bereitest du dich auf solche Sendungen vor?

Will: Gar nicht! Das hat sich immer mehr abgebaut. Am Anfang, gerade bei MoinMoin, hab ich mir noch Themen überlegt. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass es auch ohne geht. Da ich insgesamt auch sehr faul bin, mache ich keine Vorbereitung. Es hilft natürlich, dass ich keinen doppelten Boden habe und in so einer Situation einfach weiß: „Dir muss hier jetzt etwas einfallen, sonst geht es nicht weiter!“ Ich mache das jetzt seit ein paar Jahren und ich habe einen Überlebensinstinkt entwickelt, weswegen es manchmal sogar fast hinderlich ist, wenn ich mich vorbereite. Sonst geht mein Assoziations-Flow verloren. Deswegen klappt es eigentlich immer besser, je weniger ich mich vorbereite.

ak[due]ll: Aber wenn die neuen Emojis oder der „Vogel des Jahres“ anstehen, dann weißt du schon vorher Bescheid.

Will: Ja, das sind natürlich die Konstanten, die mein Leben prägen, und da gibt es auch genug Leute, die mich darauf hinweisen. Diese Themen werden pflichtbewusst abgearbeitet, das ist klar.

ak[due]ll: Das Podcast UFO hat mittlerweile eine große Community. Inzwischen gibt es einige Podcasts von deinen ehemaligen Kolleg:innen aus dem Neo Magazin Royale. Giulia Becker, Tarkan Bagci und Christian Huber. Weshalb haben sich viele von euch für einen eigenen Podcast entschieden?

Will: Einen Podcast zu produzieren ist deutlich einfacher und naheliegender, als sich beispielsweise jede Woche eine Bühne zu suchen und zu performen. Erst Recht, wenn man das zu zweit startet. Tarkan und Christian haben sich zum Beispiel im Autorenraum des Neo Magazins jahrelang die Bälle gegenseitig zugespielt, da ist ein gemeinsamer Podcast naheliegend. Beim Podcast ist auch die Versagensangst nicht so groß wie auf einer offenen Bühne.

ak[due]llMit dem Podcast UFO wart ihr auch auf Live-Tour. Momentan unmöglich. Welche weiteren Einflüsse hatte die Pandemie auf dein Leben als Künstler?

Will: Nahezu keine! Es gab letztes Jahr bei Rocket Beans TV den kompletten Lockdown, bei dem wir alle aus dem Home-Office produziert haben und ich von Zuhause aus gestreamt habe. Das war keine große Neuheit für mich. Da gehöre ich zu den glücklichen Menschen, die außer den allgemeinen Einschränkungen eigentlich keine Veränderung haben. Klar, die Podcast Live-Shows mussten verschoben werden, aber das ist jetzt auch kein enormer Unterschied.

ak[due]ll: Profitiert die Streaming-Branche von der Pandemie?

Will: Absolut! Ich bin persönlich auch immer häufiger auf Twitch. Ich finde das gut, wie die Leute sich darüber vernetzen. Neben der Unterhaltung entsteht eine Art Freundeskreis-Ersatzfunktion. Gerade wenn man sich die großen Streamer anschaut, die sich immer mehr verbinden. Jeder streamt für sich, aber die Spiele werden zusammen gespielt. Über den Voice-Chat unterhält man sich nebenbei. Das hat schon eine Art Freundeskreis-Charakter, wo man sich als Zuschauer gerne einklinkt, vor allem wenn man durch die Pandemie den eigenen Freundeskreis nicht mehr so häufig treffen kann. Von daher glaube ich, dass viele Streamer mit einem Wachstum aus der Pandemie gehen werden.

ak[due]ll: Eine letzte Frage: Wenn du dich entscheiden müsstest, ob du den Deutschen Comedy-Preis oder den „Vogel des Jahres“-Award moderieren dürftest. Wofür würdest du dich entscheiden?

Will: Definitiv der „Vogel des Jahres“-Award. Ich würde dann primär versuchen, durch meine persönliche Moderation Einfluss auf die Preisverleihung auszuüben und den nach meiner Meinung ehrlichen Gewinner vorzulesen, völlig egal, wer tatsächlich gewonnen hat.

Blasserdünnerjunge macht sein Ausstellung

Was ist los in Deutschland, was bewegt die Bevölkerung? Jan Böhmermann und die Kölner Produktionsfirma bildundtonfabrik (btf) zeigen in ihrer Ausstellung „Deuscthland“, die am Donnerstag, 23. November, ihre Eröffnung im NRW Forum Düsseldorf feierte, ihren ganz eigenen Blick auf die Gegenwart. Unsicherheit und Skepsis macht sich bei den Besucher*innen breit. Was ist Ernst und was Satire?
 

Warum Podcasts manchmal die besseren Zeitungen sind

Unsere Redakteurin möchte eine Lanze für Podcasts brechen. Denn die wahren Alleskönner bereichern ihren Alltag in vielen Situationen.
 

“Mir fällt absolut keine Perspektive ein, aus der Studierende nicht systemrelevant sein könnten.”

Interview mit Internet-Superstar El Hotzo
 
Konversation wird geladen