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KULTUR

Final Symphony II in der Essener Philharmonie

Ein Blick auf die Bühne vor Beginn des Abends. [Foto: Erik Körner]

15.07.2019 11:21 - Erik Körner

Final Symphony II ist eine weltweite Konzertreihe, in der exklusiv arrangierte Stücke aus den Spielen Final Fantasy V, VIII, IX und XIII vorgetragen werden. Nach Aufenthalten in den Niederlanden, Japan oder Finnland fand am Samstag, 6. Juli, die Musik der beliebten Rollenspielsaga ihren Weg in die Philharmonie Essen. 

Die Uhr meines Handys verriet mir, es müsse jeden Moment losgehen. Von unseren Plätzen auf den Rängen gegenüber der Bühne schauten sich meine Begleitung und ich um. Scherzend meinte er zu mir: „Schon merkwürdig, dass der Altersschnitt in der Philharmonie einmal unter 60 zu liegen scheint.“ Nur kurze Zeit später betraten die Essener Philharmoniker*innen mit Dirigent Eckehard Stier die Bühne und eröffneten den Abend mit In A Roundabout Way - Fanfare, ein speziell für Final Symphony II komponiertes Intro von Jonne Valtonen.

Aller Anfang ist überraschend

Anschließend begrüßte uns Ilyass Alaoui, Redakteur und Moderator beim Online-Gamingsender RocketBeans TV. Als Moderator führte er das Publikum souverän und charmant durch den Abend. Neben einer kleinen Zusammenfassung der Vorgeschichte Final Fantasys, interviewte er kurz Dirigent Stier oder lockerte die Veranstaltung mit persönlichen Anekdoten zur Videospielreihe auf.

Verglichen mit herkömmlichen Konzerten werden bei Final Symphony keine einzelnen Lieder nacheinander aufgeführt. Stattdessen bekam jedes Spiel eine Art Mash-Up verschiedener Lieder mit zirka 20 bis 25 Minuten Länge. Das erste dieser Stücke trug den Titel Final Fantasy XIII - Utopia in the Sky.

Der Soundtrack von Final Fantasy XIII wurde größtenteils von einem Orchester eingespielt. Komponist und Arrangeur Hamauzu änderte manche der Lieder des Stückes zusätzlich, sodass sie sich deutlicher von seinen Urversionen abhoben. Ich war leicht von einigen Variationen, in erster Linie von Blinded by Light, enttäuscht. Die Originalversion ist schwungvoll und leichtherzig, während die Konzertfassung merklich zurückgelehnter war. Allerdings verstehe ich die Entscheidung, das Lied aus einem anderen Winkel darstellen zu wollen, vollkommen. Schließlich ist das auch die Intention der Konzertreihe.

Die Songs der Stücke aus Final Fantasy V, VIII, und IX wiesen vergleichsweise wenige dieser charakteristischen Abwandlungen auf. Die technischen Limitationen der 90er Jahre erlaubten den Spielen keinen orchestralen Soundtrack. Dementsprechend mussten sie für Final Symphony II nicht signifikant umgeschrieben werden, um sich von der Aufnahme zu unterscheiden. 

Musikalische Meisterleistungen

Besonders Final Fantasy V - Library of the Ancients stach aufgrund seiner zwangsweise minimalistischen Vorlage hervor. Der fünfte Teil erschien 1992 auf dem Super Nintendo Entertainment System.

Die Philharmonie bekam Unterstützung von Pianist Mischa Cheung.

Dessen Lieder waren häufig kaum eine Minute lang, bestanden aus wenigen Spuren mit künstlich klingenden Instrumenten. Dieselben Songs dann über 25 Jahre später in einem erwachsenen Gewand von einem Orchester zu hören, war beeindruckend.

Mein Highlight des Abends folgte nach Final Fantasy IXFor the People of Gaia. Die Philharmonie Essen bekam für das Stück virtuose Unterstützung von Pianist Mischa Cheung. Dieser spielte im Anschluss eine Solofassung von You’re Not Alone aus Final Fantasy IX. Zum letzten Mal wurde das Lied beim Konzert im finnischen Tampere vor drei Jahren aufgeführt. Wie schon im vorherigen Stück glänzte Cheung mit seiner Expertise sowie seiner Hingabe und lieferte eine makellose Performance des unter Fans überaus beliebten Titels.

Kämpfe auf Brücken, Vögel zum Reiten

Nach Final Fantasy V – Library of Ancients fragte Stier, ob noch Lust auf eine Zugabe bestünde. Die Antwort in Form in Form lauten Jubels folgte in wenigen Sekunden. Den Anfang machten zwei Klassiker des Final Fantasy-Universums: das treibende Clash on the Big Bridge und das verspielte Chocobo Theme. Wie zuvor spielten die Philharmoniker*innen nicht beide Lieder einzeln, sondern als gemischtes Arrangement. Eine gewagte, wenngleich gelungene Kombination. 

Das musikalische Gesicht der Serie, Main Theme of Final Fantasy, stellte das letzte Lied des Abends dar. Eine bessere Wahl hätte dafür nicht getroffen werden können. Einerseits klingt er melancholisch und dennoch hoffnungsvoll. Allein durch seine Charakteristika eignet er sich Schließer eines Sets. Andererseits kam er in allen Ablegern des Franchises vor und begleitete Spieler*innen durch die Jahrzehnte auf ihren Abenteuern. 

Das Publikum verabschiedete die Philharmoniker*innen, Stier, Cheung und Alaoui mit mehrminütigen Standing Ovations und ohrenbetäubendem Jubel. Gemessen an den Reaktionen bleibt zu hoffen, dass die Philharmonie Essen künftig häufiger Videospielkonzerte abhalten wird. 

Geschmackliche Differenzen beiseite: Ein großes Lob an Jonne Valtonen und Roger Wanamo, die für die Arrangements zuständig waren. Es schien, als hätten sie die Musik der Final Fantasy-Komponisten Uematsu sowie Hamauzu und ihre Rolle in den Spielen verstanden. Anstatt sie lediglich orchestral aufzuplustern, übernahmen sie die bisherigen Stärken der Lieder und überlegten, wie sie diese hervorheben können. Kräftige Titel bekamen einen Schub in ihrer akustischen Macht, die ruhigeren Lieder verträumte Verzierungen. Wer einen Eindruck ihrer Arbeit bekommen möchte, findet das Stück Final Fantasy VIII – Mono no Aware in voller Länge auf Youtube.
 

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