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KULTUR

Filmrezension: So war The Batman

Batman nennt sich in diesem Film selbst „Vengeance“, also „Vergeltung“.

[Foto: Nikita Verbitskiy]

​​​​​​​18.03.2022 10:26 - Nikita Marcus Verbitskiy

The Batman läuft seit dem 03. März in Deutschlands Kinos. Nach unzähligen Verfilmungen, inklusive einer legendären oscarprämierten Performance, stellen sich die Fragen: Gibt es noch etwas Neues zu erzählen? Und welche Daseinsberechtigung hat ein neuer Batman-Film? 

Während die meisten Comicbuch-Verfilmungen durch charmanten Witz und eine gewisse Leichtigkeit brillieren, war es bei Batman-Filmen seit jeher das Ziel mit diesem Bild zu brechen. Bereits die Comic-Vorlage gibt einen düsteren Ton vor und Regisseure ließen sich nicht die Gelegenheit nehmen, einen ernsten und brutalen Superheldenfilm für eine ältere Zielgruppe zu schaffen. Mit jeder Verfilmung versuchten die Regisseure ihre Vorgänger an Finsternis und Dramatik zu überbieten. Der glorreichste Vertreter der Antihelden-Darstellung, The Dark Knight, überzeugte sowohl Comic-Fans als auch Filmkritiker:innen. Christopher Nolan, Christian Bale und insbesondere Heath Ledger schufen eine neue Messlatte, an die sich nur wenige heran trauten.

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The Batman kommt um diese Vergleiche nicht herum, zeigt uns jedoch, weshalb er unsere Aufmerksamkeit verdient hat und keine bloße Geldmacherei im Angesicht eines gigantischen Franchises mit fertig eingebauter Merchandise-Maschinerie ist. Regisseur Matt Reeves geht einen ähnlichen Weg wie seine Vorgänger, traut sich allerdings noch ein Stück weiter zu gehen. The Batman ist düster. Buchstäblich, denn gute 95 Prozent des Films spielen nachts. Eine Aura des Film-Noir aus dem frühen 20. Jahrhundert à la Sunset Boulevard hüllt den Film in spärlich beleuchtete Dunkelheit. Das Batcave ist heruntergekommen, unpoliert und karg. Bruce Wayne ohne Maske gleicht der Hülle eines Mannes, blass und dürr mit ungepflegtem Haar und verwaschenem Augen-Make-Up. Lächeln sieht man niemanden, denn in Gotham City mangelt es an Anlässen. Ein Serienmörder mit Faible für Rätsel wütet in der Stadt. Doch der eigentliche Antagonist scheint die verdorbene, korrupte Ader zu sein, die sich durch jeden Winkel der drei Gewalten zieht. Bruce Wayne versucht zusammen mit noch-nicht-Commisioner Gordon gegen beide Seiten anzukämpfen, doch außer einer Cocktail-Kellnerin, die sich als Catwoman entpuppt, können sie auf niemanden zählen.

Schönheit in Bild und Ton

Die visuelle Interpretation gehört zu den bemerkenswertesten Stärken des Films. Die Stimmung ist durchweg einheitlich und atemberaubend in Szene gesetzt. Die Kameraführung scheut sich nicht vor innovativen Winkeln und die ominöse Belichtung perfektioniert die ohnehin exzellenten Kompositionen. Grandiose Actionszenen sind geschmackvoll in Szene gesetzt und rar genug, um etwas besonderes zu sein. Am beachtenswertesten ist dabei, dass in diesem Zuge die Vorlage geehrt wird. The Dark Knight ist ein Christopher Nolan Film, The Batman ist dagegen im Kern ein Batman-Film. Im Ton düster und depressiv, schaffen es Matt Reeves und sein Team trotzdem, eine comichafte Atmosphäre einzuflechten. Die zuvor erwähnte Film-Noir Ästhetik unterstreicht den finsteren Unterton sanft mit einer nostalgischen Wärme, die der kalten Neutralität und dem Realismus der Nolan-Trilogie gegenübersteht. 

The Batman sieht jedoch nicht bloß grandios aus, er klingt fast noch besser. Das zurückhaltende Hauptmotiv zeigt den Zuschauenden erneut, wieso weniger mehr ist. Es bleibt im Kopf, ohne nervig zu werden und geht so nahtlos in den Nirvana Song Something In The Way über, dass man als Zuschauer:in das Gefühl bekommt, der Film und der Soundtrack wurden basierend auf diesem Songerschaffen. Einzelne Passagen klassischer Choräle kontrastieren die eher einheitlichen Melodien wunderbar und bilden einen roten Faden, der das Storytelling originell bereichert. 

Ebenso positiv fällt die darstellerische Leistung auf. Robert Pattinson überzeugt als Emo-Bruce Wayne genauso sehr wie als Batman, der sich nicht scheut einmal öfter zuzuschlagen. Sein Porträt der gebrochenen, manischen Figur ist eine interessante Ergänzung in einer Reihe durchweg starker Darstellungen. Solange Pattinson nicht zu unangenehmen Kussszenen in Batman-Maske gezwungen ist, steht er ihnen in nichts nach. Zwischen ihm und Zoë Kravitz als Catwoman stimmt die Chemie leider bloß, so lange die Romantik unterschwellig bleibt. Colin Farrells Schauspiel und Make-Up als Penguin ist so überzeugend, dass man ohne einen Blick auf den Cast niemals vermuten könnte, dass er dahintersteckt. Paul Dano zeigt uns erneut, wieso er ausnahmslos als psychisch gestörter Serienmörder gecastet wird.

Schwierigkeiten im dritten Akt

Umso enttäuschender bahnt sich leider das letzte Drittel des Films an. Der schleichende Aufbau und die sorgfältige Exposition schaffen ein angenehm entschleunigtes Tempo, welches im Vergleich zu den meisten Superhelden-Filmen eine willkommene Abwechslung darstellt. Der Rest des Films schafft es dagegen nicht die 177 Minuten Laufzeit zu rechtfertigen. Bis auf einige verfrühte Höhepunkte fehlt es im Mittelteil an Spannung, woraufhin im letzten Akt versucht wird dies mit zu vielen, zu dramatischen Wendungen wettzumachen. Die Bodenständigkeit, die den Film charmant machte, weicht einem übertriebenen Finale, das sich zu spät und extravagant entfaltet. Wobei man hier die Quelle nicht vergessen darf – ein übertriebener, dramatischer dritter Akt mit vielen Wendungen ist oft Teil von  Comicbuchgeschichten. In diesem Zuge können Matt Reeves und sein Team nur gelobt werden. The Batman ist, ungeachtet, wenn nicht sogar aufgrund seiner Schwächen, eine geschmackvoll gelungene Verfilmung eines Comicbuchs. Der Film schafft es, trotz etlicher Vorgänger, etwas Neues aus dem vermeintlich leergemolkenen Material auf die Leinwand zu bringen.

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