Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

Erwachsenwerden mit Marie Kondō

Ordnung soll bekanntermaßen das halbe Leben sein. [Foto: Maren Wenzel]

26.02.2019 12:26 - Maren Wenzel

Man soll nicht dem Hype glauben, sagt man im Englischen. Derzeit gehyped wird die Netflix-Serie Aufräumen mit Marie Kondō. Weltweit misten Menschen in ihren vier Wänden aus. Wir haben mit zwei Studentinnen gesprochen, die nach der KonMari-Methode Klarschiff gemacht haben. Hat die Serie ihnen geholfen – auch beim Erwachsenwerden?

Studenten oder Erwachsene? heißt die fünfte Folge der Serie. Darin räumt ein in Kalifornien lebendes Pärchen (Frank und Matt) die Wohnung, die mal eine Wohngemeinschaft war, auf. Die beiden Schriftsteller wollen nämlich, dass Franks Eltern zu Besuch kommen und sich wohlfühlen – fünf Jahre lang hatten die ihren Sohn nicht mehr Zuhause besucht. Auf ihrer 23-tägigen Reise durch ihre Unordnung findet das Paar 26 Kaffeebecher und Unmengen an Kleidung und Papieren, die sie aussortieren wollen.

Freud und Zwang

Hilfe bekommen sie dabei von Dolmetscherin Marie Iida und Aufräumprofi Marie Kondō. Die Bestsellerautorin, deren drei Bücher bereits vor der Netflix-Serie in 27 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft wurden, hat die KonMari-Methode erfunden. Ihr Leitsatz „Does it spark joy?“ (dt.: „Bereitet es dir Freude?“) soll ihren Klient*innen dabei helfen, nur Dinge zu behalten, die Freude machen.

„Does it spark joy?“

Gegenständen, die man ausmistet, dankt man nach KonMari für ihren Dienst und verabschiedet sich. Aufräumen funktioniert nach Kategorien wie „Kleidung“, „Bücher“ und „Papier“ und wird strikt mit positiven Gefühlen verbunden. Kondō ist zwar konsumkritisch und reduziert den Besitz ihrer Klient*innen, vertritt aber keinen Minimalismus: Wer Spaß an 75 Paar Schuhe hat, kann diese behalten.

Für viele steht das im Kontrast zum Aufräumen in der Kindheit. Ebenso für die Lehramtsstudentin Hanna (22) aus Osnabrück und Geisteswissenschaftlerin Klara* (26) aus Duisburg. Beide wohnen in WGs. „Aufräumen war für mich als Teenagerin immer mit einem Konflikt meiner Mutter verbunden. Es war Zwang“, erinnert sich Hanna. Ähnlich bei Klara: „Ich war das schwarze Schaf. Ich glaube, das gibt es in jeder Familie. Ein Kind, das unordentlich ist und nicht ernst genommen wird. Das wird einem dann aufs Brot geschmiert: ‚Bei deiner Schwester sieht es richtig gut aus!‘“ Beide betonen die Schamfreiheit der KonMari-Methode.

Volle Küchen und Gemeinschaftsräume

Wie Frank und Matt in der Serie kämpften sie sich durch übervolle Küchen und Gemeinschaftsräume. Hanna brauchte 32 Tage, Klara 41. „Jede Wohngemeinschaft, die ich gesehen habe, war unordentlich“, erinnert sich Klara, die mit einem Mitbewohner lebt. Das läge zum großen Teil daran, dass alle Duplikate von Dingen mitbrächten wie ein eigenes Set Teller, Gabeln, Gläser. Hanna, die mit zwei weiteren Studentinnen wohnt, mistete mit einer Mitbewohnerin einen Schuberg aus: „Da sind Tränen geflossen bei Schuhen und Klamotten, die wir weggeben haben.“ Aber mit drei Personen auf kleinem Raum müsse man wenigstens gefahrlos durch den Flur gehen können.

Während Hanna ihre Eltern noch regelmäßig zu Besuch hatte, war das bei Klara anders: Etwa drei Jahre lang haben die ihre Wohnung nicht betreten. „Wenn du mit Eltern aufwächst, die ein unfassbar sauberes Zuhause hatten, hast du natürlich Angst, dass sie dich nicht ernst nehmen oder dir ‘ne Predigt halten.“ Nach zwei Sperrmülladungen und drei Fahrten zur Müllkippe will Klara bald wieder ihre Eltern einladen. So wie Frank und Matt es in der Serie tun.

Fühlt man sich aber allein dadurch erwachsener, dass man die Bude aufgeräumt hat? „Es sind Freunde reingekommen, die gesagt haben, es sähe aus, als hätte ich mein Leben in Griff. Andere haben gespottet, dass es fast bürgerlich aussehe“, sagt Klara. Aber sie habe das Gefühl, dass Andere sich wohler fühlten. Vor allem sie selbst fühle sich wohler und nehme sich jetzt ernster. Hanna sieht das ähnlich: „Ich finde jetzt wichtige Briefe und Dokumente wieder, kann schneller putzen und kochen. Das erleichtert meinen Alltag, den ich jetzt mit meinen Mitbewohnerinnen statt meiner Familie meistern muss.“ Während die Einen sich im Internet mit Memes über die Serie lustig machen, ist Hanna überzeugt, dass eine aufgeräumte Wohnung ihr helfe, „Erwachsenendinge“ zu erledigen.

E-Scooter sind die neue Pest der Innenstädte

Warum E-Scooter nicht cool sind. Ein Kommentar.
 

Staub+Trocken=

39000

Euro verdienen Spielerinnen in der Fußballbundesliga im Schnitt im Jahr.

So sehen die Gehaltsunterschiede bei männlichen und weiblichen Sportler*innen aus.
 

10 merkwürdige wissenschaftliche Fakten

Mit diesen zehn Fakten könnt ihr in jeder Konversation punkten.
 
Konversation wird geladen