Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

Eine humanitäre Flotte zur Bewältigung der Krise

03.09.2018 10:47 - Dennis Pesch

Seit dem Sommer 2015 fuhren Schiffe von deutschen Nichtregierungsorganisationen ins Mittelmeer, um Geflüchtete vor dem Ertrinken zu retten. Der Regisseur Michele Cinque begleitete die „Iuventa“, einen umgebauten Kutter vom Verein Jugend Rettet, bei Rettungsmissionen aber auch beim Wiedersehen mit geretteten Menschen. Anfang August wurde der gleichnamige Film im Filmstudio Glückauf in Essen gezeigt. Wir waren dort.

Seit die extrem rechte Partei Lega Nord in Italien den Innenminister stellt, wird wie nie zuvor, quasi ergebnisoffen, darüber debattiert, ob Menschen vor dem Ertrinken gerettet werden sollen. In Malta und Italien werden alle NGO-Schiffe am Ablegen gehindert. Vor über einem Jahr wurde die Iuventa das erste Opfer einer politischen Haltung, die sich gegen Seenotrettung und die allgemeinen Menschenrechte wendet. Der Vorwurf, der die Beschlagnahmung rechtfertigen sollte: Beihilfe zur illegalen Einwanderung.

Die Welt zu Gast auf einem Rettungsschiff

Der Film zeichnet ein anderes Bild von den Missionen: Jede Rettungsaktion ist eine heikle Aufgabe. Mehrere Monate lang begleitete Regisseur Cinque die Crew der Iuventa mit seiner Kamera auf dem Mittelmeer und durch Italien, Malta und Deutschland. Auf ihrer ersten Fahrt rettete die Crew mehrere tausend Geflüchtete. Als die Crew auf das erste Boot trifft, das sie dabei evakuieren werden, trägt dort niemand eine Schwimmweste. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Das ist auch das erste, was die Besatzung tut, wenn sie an einem Boot ankommt: Schwimmwesten austeilen. Auf einem kleinen Schlauchboot fahren sie zu den überfüllten Flüchtlingsbooten. Die Aufregung ist groß, alle wollen eine Schwimmweste und bekommen auch eine. Die Angst vor dem Ertrinken steht den Menschen ins Gesicht geschrieben. Ruhe bewahren und ausstrahlen, das ist das A und O. Bei den ersten Manövern geht alles gut. Ein Mann betet, als er den ehemaligen Kutter betritt, eine Frau weint – ob vor Glück oder Angst ist unklar.

Die Crew fragt einige Geflüchtete, wie die Überfahrt für sie war: „Schrecklich, gefährlich. Ich war noch nie auf See. Wir waren eingepfercht. Die Leute haben sich übergeben oder gepinkelt. Ich habe sogar meine Schuhe zurückgelassen“, sagt einer. Ein weiterer trägt ein T-Shirt der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Das Motto damals: die Welt zu Gast bei Freunden.

Kämpferisch, aber betroffen

Auch mit dem Tod wird man im Film konfrontiert. Er kommt plötzlich, obwohl der Saal jederzeit damit rechnet, dass es passiert. Die Crew versucht jemanden mit einer Herz-Rhythmus-Massage wiederzubeleben. Ohne Erfolg. An die italienische Seenotleitstelle, unter der die Iuventa bei jedem Einsatz stand, meldet der Kapitän: „Wir haben zwei Tote an Bord.“

Später treffen sie zwei der Geflüchteten wieder, die sie gerettet haben. „I love Europe“, sagt einer. Die Iuventa hatte nicht nur den Regisseur an Bord, sondern auch einen Fotografen. Als die Crew die Geflüchteten in einem Lager in Italien besucht, lachen die beiden über die Fotos von sich. Sie wirken glücklich, in Europa angekommen zu sein. Als sie die beiden besuchen, ist die Iuventa jedoch schon längst von Malta beschlagnahmt worden.

Eigentlich ist sie auch mit dem Ziel aufs Meer gefahren, dass die Staaten ihrer Aufgabe zur Seenotrettung auf dem Mittelmeer nachkommen. Als aktives Symbol gegen die Untätigkeit der EU. Die Kapitänin der letzten Mission zeigt sich betroffen, gibt sich aber kämpferisch: „Wir haben nichts zu befürchten und wir sind hoffnungsvoll zurückzukehren, für die Menschenrechte zu kämpfen“, sagt sie bei einem Telefonat. Dann weint sie, weil sie es nicht fassen kann.



 

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