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KULTUR

Ein Festival veranstalten als 450 Euro Job

Den Rapper Ski Aggu buchte der Veranstalter bereits vor zwei Jahren.

[Foto: Leon Flore/negativbynature] 
18.10.2022 08:46 - Nikita Marcus Verbitskiy

Einen Job oder ein Hobby neben dem Studium haben die meisten Studierenden. Michel Petzold verbringt seine Freizeit damit, Rapper:innen und Sänger:innen zu buchen, mit Clubs und Konzerthallen zu verhandeln, Künstler:innen auf Tour zu begleiten und Marketingpläne aufzustellen. Dieses Jahr hat er zum ersten Mal ein Festival auf die Beine gestellt.

„Angefangen hat alles mit meinem 17. Geburtstag“, erzählt  der mittlerweile 21-Jährige. Der gebürtige Kölner ist in Dortmund aufgewachsen und  vor kurzem für sein Studium wieder nach Köln gezogen. „Damals wollte ich meinen Geburtstag groß feiern. Ich habe mit einem Freund zusammen einen Trailer für Social Media geschnitten und wollte, dass so viele wie möglich kommen, auch Menschen, die ich vielleicht gar nicht kannte.“ 

Seine Geburtstagsfeier war ein solcher Erfolg, dass er daraufhin eine richtige Party im Club veranstalten wollte und sein Konzept an jeden Dortmunder Club schickte. „Sebastian, der Besitzer vom Silent Sinners, mochte mein Konzept und gab mir meine erste Chance.“ Dadurch bekam Michel die Möglichkeit, eine Party im Club zu veranstalten, bevor er überhaupt alt genug war, um einen Club zu besuchen. 

Der erste Schritt zur Livemusik

Sein Konzept ging auf, sodass er die Partys regelmäßig unter dem Namen „NoCap“ veranstalten durfte. Im Laufe der Zeit begann Michel, Liveacts in das Programm einzubauen. Dabei setzte er vor allem auf lokale Artists und Menschen aus seinem Freundeskreis: „Mir ist sehr wichtig, dass man die lokale Szene unterstützt. Viele von ihnen haben  meine ersten Veranstaltungen mitgetragen und mir unter die Arme gegriffen“, erzählt Michel. 

Mit einem Künstler verstand er sich so gut, dass er sein Management übernahm. Der Dortmunder Rapper Perry2Times hatte einen seiner ersten Auftritte bei Michels Veranstaltung. Michel war von seiner Musik und Person so überzeugt, dass er ihn managen wollte. „Ich habe leider kaum musikalisches Talent, aber organisatorisches liegt mir gut. Und ich würde behaupten, dass es bei Perry andersherum aussieht“, erzählt er mit einem Lächeln. Hier kommt Michel seine Arbeit als Veranstalter zugute. Er kann ihn bei eigenen Veranstaltungen platzieren und seine Kontakte in der Industrie nutzen, um ihm Gigs zu verschaffen.

Von der Party bis zum Festival

Michel strebte nach mehr und „das Größte, was man als Eventveranstalter machen kann, ist nun mal ein Festival“, erklärt er. Daraus entstand  seine Idee für das „HighOn Festival“. Ursprünglich auf zwei Tage und 6000 Quadratmeter auf der Dortmunder Rennbahn ausgelegt, begann er Ende 2019 die Planung. 
Stattfinden konnte das Festival im Endeffekt nicht. Während die meisten Veranstalter:innen mit den Konsequenzen der Coronakrise kämpften, stellte sich die Pandemie für den Veranstalter als Glücksgriff heraus. Zwei Jahre hintereinander konnte er mit echtem Geld und realen Geschäftspartnern sein Festival planen und am Ende die Pandemie als perfekte Exitstrategie nutzen, denn im Nachhinein weiß er: „Das hätte in der Größenordnung auf gar keinen Fall funktioniert. Die Summen und das Risiko waren einfach zu hoch.“ Während andere diese Lektion auf die harte Tour lernen müssen und am Ende hoch verschuldet dastehen, hatte Michel hier zwei Probeläufe, um es beim dritten Mal richtig zu machen. „Es war, als hätten wir mit Monopolygeld gespielt“. 

„Es war, als hätten wir mit Monopolygeld gespielt“.

Diesmal suchte er sich das Junkyard als Spielstätte, was ihm einen beträchtlichen Teil an Arbeit abnahm. Zu einem Outdoor-Festival gehört einiges an Infrastruktur: Parkplätze, WiFi für Cashless Payment, Getränke und vieles mehr. „Wir haben drei Tage lang nur über Toiletten geredet“, erinnert sich Michel. Damals noch mit einem Partner, konnte Michel sich nun alleine auf sein Spezialgebiet konzentrieren: Booking und Marketing. 

Aber wie kommt man als 20-Jähriger ohne eine Agentur und ohne große Namen an solche Acts? Bei Michel hing alles mit seinem guten Riecher und der Pandemie zusammen. Er wollte zum Beispiel Ski Aggu für „NoCap“ buchen, als dieser noch vergleichsweise unbekannt war und baute eine Verbindung zu ihm auf. Eine Pandemie später wurde der Künstler millionenfach gehört. Michel konnte ihn trotzdem einfach über eine Instagram Nachricht buchen. „Das Booking von SOHO Bani konnte ich auch machen, bevor er seinen Ultra Hype hatte – die bekanntesten Songs kamen kurze Zeit vor dem Festival raus“. Auch ein starkes Sponsoring konnte der Veranstalter durch Vertrauen in kleine Namen gewinnen: „Als ich unseren Sponsoringpartner Purize 2020 angefragt habe, ging damals noch der Geschäftsführer selbst ans Telefon.“ 

HighOn Open Air 2022

Am 03. September war es soweit: Das „HighOn Festival“ kann endlich stattfinden. Komplett reibungslos läuft das Festival zwar nicht ab – Probleme mit dem Wetter und Personalmangel sorgen für einen holprigen Start – doch die Stimmung bessert sich mit jedem Act. Das Lineup ist perfekt auf die Besucher:innen abgestimmt. Hier hat der Veranstalter Wert auf einen roten Faden gelegt und das ist spürbar. Den Anfang machen Dortmunder Künstler:innen und Menschen aus Michels Freundes- und Bekanntenkreis, so auch sein Artist Perry2Times zusammen mit Michels neuem Artist, Big4Slatt, den er seit kurzem ebenfalls unter Vertrag genommen hat.

Michel selbst ist wie unter Strom, dauerhaft am Telefon und findet keine ruhige Minute. „Ich habe schon gemerkt, dass es etwas anderes ist, als bei NoCap einen Act und drei DJs zu buchen.“ Die ganze Verpflegung der Artists, jede noch so kleine Frage, die Kommunikation mit den DJs und den Managern bis hin zur Strukturierung des Timetables ließen keinen freien Moment. „Als die Liveacts durch waren, habe ich meinen ersten Drink genommen und an dem Tag das erste Mal etwas gegessen", verrät er. 

Zwischen all dieser Organisation muss Michel natürlich ab und zu auch mal eine Vorlesung besuchen und eine Hausarbeit schreiben. Sein Studium ergänzt seinen Beruf zum Glück perfekt. Der Kölner studiert Medien und Eventmanagement an der HMKW. Seine Professor:innen haben Verständnis für den zeitintensiveren Nebenjob: Eine Hausarbeit sollte eigentlich am Tag des Festivals abgegeben werden, Michel durfte das am nächsten Tag nachholen. Auch erinnert sich Michel an einen Moment während der Vorlesungszeit: „Ich wurde während einer Vorlesung angerufen und musste etwas Dringendes für das „HighOn Festival“ klären. Deswegen habe ich den Prof gefragt, ob ich kurz eine halbe Stunde raus kann. Er meinte nur, dass dies eine Vorlesung über Eventmanagement sei und mich davon abzuhalten, ein Event zu managen, das Kontraproduktivste wäre, was er tun könnte.“ 

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