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KULTUR

Die Känguru-Chroniken auf der Leinwand

Das Känguru hoppelt nicht länger nur durch Bücher.

[Foto: ekn]

09.03.2020 14:28 - Erik Körner

Verfilmungen von Büchern scheinen häufig nur eine Frage der Zeit zu sein. Nun hat Die Känguru-Chroniken, der erste Teil der Känguru-Tetralogie von Marc-Uwe Kling, seinen Sprung auf die Leinwand geschafft. akduell-Redakteur Erik Körner hat sich den Film angeschaut.

Die Vorlage besteht aus mehreren Kurzgeschichten, die lose zusammenhängen. Eines Tages steht ein Känguru vor der Haustür des Künstlers Marc-Uwe Kling und fragt nach Zutaten für Pfannkuchen sowie Küchenutensilien. Wenige Minuten später sind die zwei Mitbewohner – ohne, dass sich Kling dagegen wehren konnte. Danach erzählen die mittlerweile vier Bücher vom Traum einer kommunistischen Weltrevolution und der Liebe für Schnapspralinen. 

Manche Geschichten bauen auf vorherigen auf; meistens sind sie bloß chronologisch verbunden. Ergo stand der Film vor der Frage: Wie strickt man eine fortlaufende, kohärente Handlung aus narrativen Fetzen? Die Antwort: Rechtspopulisten. Jörg Dwigs ist Immobilienhai und Mitglied der fiktiven, rechtspopulistischen Partei „Alternative zur Demokratie“. Er möchte Teile des Görlitzer Parks dem Erdboden gleichmachen, um dort den sogenannten Europatower zu bauen. Nach einer kurzen Auseinandersetzung mit Kling und Känguru ändert Dwigs seinen Plan und entscheidet, die Wohnung der zwei direkt mit abzureißen. Für die Protagonisten Grund genug, einen Weg zu finden, den Politiker aufzuhalten.

Ein Beutel mit Löchern

Autor Marc-Uwe Kling hat sein Talent als Voice Actor bereits in den Hörbüchern seiner Känguru-Tetralogie bewiesen, in denen er alle Rollen selbst gesprochen hat. Wenig überraschend also, dass er dem Känguru im Kino seine Stimme leiht. Dafür verkörpert Kling sich nicht selbst auf der Leinwand. Den Part übernimmt Dimitrij Schaad. Dessen Darstellung ist per se nicht schlecht. Sie unterscheidet sich nur stark vom Kling der Bücher und Hörspiele.

Er nennt Nazis noch Nazis.

Dort wirkt er nahezu apathisch. Als teile er sich mit dem Weltschmerz das Bett. Dass eines Tages ein sprechendes Känguru seine Wohnung besetzt, scheint ihn so wenig zu überraschen, wie dass Montag auf Sonntag folgt. Der Kling im Film kommt hingegen wie ein Teenager im Körper eines Mannes rüber; gefangen zwischen überfordert, aufgeregt und eingeschüchtert. Und zu lieb, verglichen mit dem Original. Die mal ideologischen, mal banalen Auseinandersetzungen von Künstler und Beuteltier, wie sie zahlreich in den Büchern vorkamen, sind daher rar.

Kapitalismus! Schweinesystem!

Abseits persönlicher Erwartungen ist die Verfilmung bestenfalls oberer Durchschnitt. Sowohl in der deutschen als auch der internationalen Filmwelt, ist der Immobilienhai, der das Wohngebiet der Protagonist*innen für eigene Zwecke vernichten möchte, ein schales Klischee. Die Parallelen Dwigs’ zum US-Präsidenten Donald Trump hören nicht beim Tower auf. Zwei seiner markantesten äußeren Merkmalen sind seine miserabel blondierten Haare und die Solariumbräune aus der Dose. 

Auch die Referenzen zu anderen Streifen, wie Pulp Fiction oder The Big Lebowski, kopieren lediglich ihr Quellenmaterial. Teils wurden Dialoge Wort für Wort übernommen. Bedauernswert, da das Buch intelligenter und subtiler geschrieben ist, als es das Skript vermuten lässt. Oft fühlt es sich an, als müsse der Film mit dem Finger auf jede Anspielung deuten und laut schreien, weil er befürchtet, das Publikum würde sie nicht selbst erkennen. Dafür wurden einige Passagen der Vorlage durch die Umsetzung bereichert. So enthält die Diskussion, welche Hunde sich am besten weit treten lassen, ein anschauliches Diagramm mit Meterangaben und Flugkurven. 

Die Bücher scheuen sich nicht, Marx zu zitieren oder die Ausbeutung der Arbeiterklasse im Kapitalismus zu kritisieren. Freund*innen dieses politischen Tons kommen in der Verfilmung nicht auf ihre Kosten, gehen jedoch trotzdem nicht leer aus. So prangt an einer Häuserwand neben Klings Wohnung ein mehrere Meter großes „Fick Neoliberalismus“-Graffito. Zumindest hat der Film den Anstand, das zu tun, was vielen Deutschen momentan anscheinend zuwider ist: Er nennt Nazis noch Nazis.

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