Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

Demi plié in der Pandemie

Felix auf der Bühne (Mitte). [Foto: Raffaele Irace]
10.03.2021 12:30 - Lena Janßen

Felix Berning ist hauptberuflich Tänzer und steht seit beinah einem Jahr nicht mehr auf der Bühne. Schuld daran: Die Coronakrise. Seit Beginn der Pandemie steht die Kulturbranche still. Wir haben mit Felix über ein Jahr ohne Bühne, seine Karriere und Tanzalternativen gesprochen.

Felix hat sein Hobby aus frühester Kindheit zum Beruf gemacht. Bereits im Alter von vier Jahren nehmen seine Großeltern ihn zum ersten Mal mit in die Tanzschule, in der sie damals selbst trainierten. „Irgendwann wurde mir das Tanzen immer wichtiger und ich habe gemerkt, dass dort meine Leidenschaft liegt“, erzählt er. „Und dieser Leidenschaft habe ich mich dann hingegeben.“ Felix fährt zu Turnieren, nimmt an den deutschen Meisterschaften teil und wechselt schließlich zur zehnten Klasse auf das Gymnasium Essen-Werden, das den Leistungskurs „Tanz“ anbietet.  

Vor der Pandemie ist Felix mit seiner Tanzgruppe viel unterwegs und auf Tour

Nach dem Abitur studiert er Tanz in Dresden. Als er dort auf einer Gala vortanzen darf, lernt er den Chef der Frankfurt Dresden Dance Company kennen. Dieser lädt ihn zum Vortanzen nach Frankfurt ein. „In meinem zweiten Studienjahr habe ich dann in der Company einen Vertrag angeboten bekommen. Ich musste lange dafür kämpfen, dass ich den Vertrag annehmen und gleichzeitig mein Studium zu Ende bringen konnte. Das war mir wichtig“, berichtet Felix von seinem beruflichen Einstieg als Tänzer. Mittlerweile tanzt er in der fünften Saison für die Dance Company. 

Der erste Lockdown

Vor der Pandemie ist Felix mit seiner Tanzgruppe viel unterwegs und auf Tour: Moskau, Tel Aviv, Barcelona. Als der erste Lockdown verhängt wird, hat die Company aktuell Vorstellungen in einem Theater: „Von jetzt auf gleich hieß es, alle Theater machen zu und wir werden uns auf unbegrenzte Zeit nicht mehr sehen.“ Felix fährt daraufhin sieben Wochen zu seinen Eltern ins Ruhrgebiet: „Ich war sehr privilegiert, weil ich zu meinen Eltern reisen konnte. Viele aus der Company kommen nicht aus Deutschland, konnten nicht in die Heimat reisen und saßen in Frankfurt in ihrer Bude fest.“ Gemeinsam suchen die Tänzer:innen der Company nach Alternativen zu einem Bühnenprogramm und stellen Online-Choreografien auf die Beine. 

Durch das pandemiebedingte Ausfallen der Trainings und Auftritte muss Felix versuchen, in Form zu bleiben: „Ich habe mit meiner Mama Home-Workouts gemacht und an Online-Ballettkursen teilgenommen.“ Als er nach Frankfurt zurückkehrt, hält es die Tanzformation aber ohne Training nicht mehr aus. Sie teilen die 16 Tänzer:innen in zwei Gruppen auf: „Wir waren dann mit acht Leuten im Studio, jeder hatte sein 20 qm Viereck auf dem Boden abgeklebt und darin haben wir dann Ballett getanzt.“ Doch der Trainingsablauf ist nicht mehr derselbe, bedauert Felix: „Die Theater blieben zu, aber wir haben trotzdem geprobt und uns auf mögliche Veranstaltungen eingestellt. Aber die sind alle gecancelt worden.“ 

Ein Stück Normalität

Seit August werden die Tänzer:innen der Company regelmäßig mit PCR-Tests getestet, um einen möglichst normalen Probealltag gewährleisten zu können. „Wir trainieren so, als würde es irgendwann eine Show geben, die wir wahrnehmen können“, beschreibt Felix die derzeitige Situation. Der 25-jährige sorgt sich aber auch um die Zukunft. Als hauptberufliche:r Tänzer:in dauert eine Karriere nicht ewig. Spätestens mit 35 Jahren ist Schluss: „Sobald man sich in die Tanzwelt begibt, ist das kein Geheimnis mehr. Tanzen ist ein Leistungssport. Wir machen unsere Körper genauso kaputt, wie ein Läufer, Olympionike oder Turner.“ Felix möchte nicht tanzen, bis sein Körper an eine Grenze kommt. Er absolviert neben dem Tanz einen Master im Kunst- und Kulturmanagement und arbeitet in der Company als Produktionsassistent. Dadurch ist er während der ausgefallenen Veranstaltungen in keine finanziell bedrohliche Lage gerutscht. Das dies in seiner Branche ein Privileg ist, ist ihm bewusst: „Ich kenne viele freischaffende Künstler, die in existenzielle Nöte geraten sind. Die Company wird von langfristigen Vertragspartnern auch weiterhin unterstützt, sodass wir gut durch diese Zeit gekommen sind“, ist Felix froh.

Für die Zukunft möchte er realistisch bleiben: „Ich möchte mein Glück und meine Zufriedenheit nicht davon abhängig machen, dass ich auf der Bühne Applaus höre. Wenn es nicht auf die Bühne geht, dann geht es erstmal nicht auf die Bühne.“ Für die Company wäre im April eine Tour nach Belgrad geplant. „Da kann ich mir schon denken, dass die nicht stattfinden wird“, bedauert Felix. „Lieber gehe ich nicht davon aus, auftreten zu können, als nachher enttäuscht zu sein.“ Nach der Pandemie aber wieder auf der Bühne stehen zu können, darüber freut Felix sich alle male. 
 

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