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KULTUR

Dälek bringt den Lärm

Foto: Michael Hoefner / www.zwo5.de , CC BY SA 3.0
18.06.2018 16:30 - Maren Wenzel

Was ist Hip Hop? Beats und Rap. Wer sehen möchte, wie die Grenzen des Genres soundtechnisch Richtung laut und düster verschoben werden, dem sei Dälek empfohlen. Die New Yorker wandeln stetig ihren tonalen Hintergrund, der in den Vordergrund tritt. Am Dienstag, 19. Juni, legen sie im DJäzz auf. Wir stellen euch den Sound des Trios vor.

Noise-Rap nennt man die Nische, die Dälek seit den 90er-Jahren stetig und immer neu bedient. Das Debut-Album Negro Necro Negros, das 1998 herausgegeben wurde, ist Fans der Nische ein fester Begriff, obwohl der kommerzielle Erfolg für das Trio stets ausblieb. Vielleicht liegt für viele auch darin der Reiz – nicht nur Däleks Sound ist Untergrund, auch sie selbst sind es geblieben. An den guten Kritiken und Preisen, die sie für ihren experimentellen Sound einheimsten, liegt es nicht. Mal werden sie als „Pioniere“, mal als „Messlatte“ und wieder mal als „Soundexplosion“ beschrieben. Aber sie bleiben mit ihrem Subgenre eben Nische.

Wer die oft erfolgreicheren Sounds aus Funk, Jäzz und Soul hören will, wird bei Dälek enttäuscht. Noise –also Lärm – beschreibt das, was Dälek auf Bühnen und in Clubs bringen, am besten. Statt melodische Hintergrundtöne tritt der Industrial-Sound in den Vordergrund, der sich aktuell bei Boom Bap, Rock, sphärischem Electronic oder Minimal bedient. Nach DJ Still, der lang Teil der Gruppe war, brachten eine Zeit lang wechselnde Musiker ihren Sound auf die Stücke von Dälek, Experimentalismus wird von den New Yorkern hochgehalten. Lyrics und Töne stehen dabei gleich laut nebeneinander, weshalb unter Youtube-Videos des Trios oft gefragt wird, ob die Stimmen schlecht abgemischt seien. Nein, das ist Absicht.

Dabei sind die Texte nicht zu unterschätzen, auch wenn bei Rapper Will Brooks aka MC Dälek leider noch Schimpfworte wie „Bitch“ und „Motherfucker“ zum Standard-Rap-Vokabular gehören. Es ist meist Wut, die die New Yorker mit ihrem aktuellen Album Endangered Philosophies (2017) (dt.: Gefährdete Philosophien) gegen Trumps Politik in den Ring werfen. Auf Son Of Immigrants rappt Brooks etwa: „Prepare for warfare, we ain’t going nowhere.“ (dt.: „Bereitet euch auf Krieg vor, wir gehen nirgendwo hin.“) DJ  rEk unterstützt das mit verwischten Sprechchören einer Demonstration, die den Track schließen. Auch der Black Lives Matter-Bewegung gegen Polizeigewalt schließt sich das Trio an. Dälek erzählen auf dem Track Weapons etwa vom Tod des 43-jährigen Eric Garner, der von der Polizei nach dem Verkauf illegaler Zigaretten getötet wurde.

Dälek, das waren lange MC Dälek (Will Brooks), Producer Oktopus (Alap Momin) und DJ Still (Hsi-Chang Lin), bis sich die Wege der drei Kollaborateure nach und nach trennten. Zuerst ging DJ Still zugunsten wechselnder DJs, dann verließ auch Oktopus die Gruppe für elektronische Projekte in Berlin. Dälek war damit aber nicht am Ende – fünf Jahre später kehrte Brooks von Live-Bühnen mit anderen Musikern mit der Idee zurück, das Projekt wiederzubeleben. Und holte sich alte Bekannte dazu: DJ rEk war noch vor Still der Mann hinter den Turntables gewesen, hatte erfolgreichere Zeiten der Combo nicht mehr erlebt. Mike Manteca, ein bekannter Sound-Architekt von Brooks, mischt jetzt auch mit.

Dälek spielt am 19. Juni, 20.30 Uhr, im DJäzz (Börsenstraße 11, Duisburg). Tickets gibt es für 14 Euro.


 

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