Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

Cyberpunk 2077: Mehr Crunch, neue Anfeindungen

Für Cyberpunk 2077 arbeiten die Entwickler:innen
seit Monaten zahllose Überstunden.

[Screenshot: Cyberpunk 2077 Press Kit]
 

02.11.2020 11:16 - Erik Körner

Seit Monaten berichten Journalist:innen über die unmenschlichen Überstunden (Crunch), die Entwickler:innen des Videospiels Cyberpunk 2077 leisten müssen. Vor kurzem wurde die Glaubwürdigkeit dieser Arbeit infrage gestellt.

Eigentlich sollte das Open-World-Epos Cyberpunk 2077 von CD Projekt Red (CDPR) am 16. April diesen Jahres erscheinen. Dann wurde es auf den 17. September verschoben. Dann auf den 19. November.

Am 27. Oktober gab CDPR auf Twitter bekannt: Drei weitere Wochen Geduld sind nötig; Cyberpunk 2077 soll erst am 10. Dezember kommen. Man wolle die Zeit nutzen, um „das Qualitätsniveau weiter anzuheben“, heißt es in der Meldung.

Viele Spieler:innen versuchten, Verständnis zu zeigen, so auch der Streamer und Let’s Player Erik Range, besser bekannt als Gronkh. Er zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen Videospielindustrie und hat allein auf seinem YouTube-Kanal fast 5 Millionen Abonnent:innen. Noch am selben Tag zitierte Range den Tweet von CDPR und meint: „Cyberpunk erst am 10.12.2020. Qualität braucht seine Zeit.“

100 Stunden pro Woche

Seit Monaten berichtet Journalist:innen wie Jason Schreier über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Entwickler:innen von Cyberpunk 2077. Genauer gesagt: Über die Crunchkultur bei CDPR. Ein:e Entwickler:in soll ihm jüngst von 100-stündigen Arbeitswochen erzählt haben. Darüber hinaus habe ein ehemaliger Entwickler beklagt, dass einige seiner Freund:innen „körperlich krank“ ausgesehen hätten.

Dass Range lediglich die Qualität von Cyberpunk 2077 kommentierte, nicht aber den damit verbundenen Crunch, stieß einigen sauer auf. Ein:e Twitternutzer:in fragte den Streamer in den Kommentaren, ob es nicht fragwürdig sei, nicht zuerst an die Gesundheit der Entwickler:innen zu denken. Daraufhin behauptete Range, Schreier würde „seit Jahren von sehr gezielten CDPR-Rants profitieren.“ Mittlerweile hat er besagten Tweet gelöscht. Den hat die Website meinMMO allerdings ausfindig machen können. In einem späteren Statement meint Range, dass seine Antwort „offenbar zu schwurbelig formuliert und im Nachhinein zu subjektiv (?) gewesen ist.”

Bedingungslose Loyalität

Ähnliche Annahmen vertreten einige Gamer:innen bereits. Allein die Kommentarsektion von meinMMO weist darauf hin. Ein Nutzer bezeichnet die Artikel etwa als „Bashing” oder „einseitige Berichterstattung” und bezweifelt die Glaubwürdigkeit der Aussagen einer der interviewten Designer:innen. Diese bedingungslose Loyalität gegenüber CDPR entstammt vor allem ihrem bisherigen Ruf als konsument:innenfreundlicher Publisher. 

In der Vergangenheit versorgten sie ihre Spiele regelmäßig mit umfangreichen Updates zu vergleichsweise geringen Preisen.

Außerdem sind sie Gründer und Betreiber der Spielevertriebsplattform GOG, die Spiele ohne DRM-Bindung anbietet. Das bedeutet: Spieler:innen benötigen keine permanente Internetverbindung während des Spielens. Darüber hinaus können sie die Spieldateien theoretisch ohne Beschränkungen mit Freund:innen teilen. 

Nichtsdestotrotz ist die Inschutznahme des Unternehmens durch solche Aussagen hochgradig problematisch. Denn sie verharmlosen das Leiden der Entwickler:innen, die Teil einer Industrie sind, in der Crunch vielerorts zum Standard geworden ist (akduell berichtete). 

Zusammenhänge zwischen Rassismus und Polizeigewalt

People of Color sind in anderer Weise von als rechtswidrig bewerteter polizeilicher Gewalt betroffen, so die Forscher:innen.
 

Antikriegstag: Das verschobene Selbstbild eines schweigenden Staates

Wie passen ein Gedenktag für den Frieden und Waffenexporte zusammen?
 

Beziehungsweise

Isolations-WG und Beziehungsquarantäne

Max hat Corona, seine Freundin Pauline nicht. Wie geht Isolation in der gemeinsamen Wohnung?
 
Konversation wird geladen