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KULTUR

Confessions of Nina and Simina – Ein Besuch beim feministischen Festival in Dortmund

Im „Studio“ im Schauspielhaus Dortmund habe ich mir die
Videoinstallation anschauen dürfen.
[Foto: Nikita Verbitskiy]

07.04.2022 13:00 - Nikita Marcus Verbitskiy

Am vergangenen Wochenende fand im Schauspielhaus und in der Oper in Dortmund das Feministische Festival zu Ehren der letzten Dezember verstorbenen bell hooks statt. Die Wissenschaftlerin und Autorin spielte eine tragende Rolle in der Entstehung und Verbreitung von intersektionalem Feminismus. 

bell hooks basierte ihre Lehren und Schriften auf Kritiken des Klassizismus und Rassismus, die besonders durch kapitalistische Strukturen in unsere Gesellschaft eingewebt wurden. Sie schuf Verbindungen zu Genderfragen und Problemen, denen Frauen neben BiPoC in eben diesen Strukturen begegnen. Das Festival ging über das ganze Wochenende und bestand aus Lesungen, Workshops, Aufführungen und vielem mehr. Im Zentrum standen hierbei die Lehren bell hooks’ und die Perspektive der Künstlerinnen auf diese. Ich habe die Videoinstallation „Confessions of Nina and Simina“ besucht und mich mit der Darstellerin und Regisseurin des Projekts Simina German über die Entstehung und Intention des Projekts unterhalten. 

Ein Gespräch unter Freundinnen

Beim Betreten des Saals im Schauspielhaus bin ich zunächst überrascht. Unter dem Begriff „Videoinstallation“ stellte ich mir ästhetische Projektionen überall im Raum und mehr Inszenierung vor, doch es ist kaum mehr als eine Leinwand und eine Handvoll Sitze, um zuzuschauen. Man betritt die Unterhaltung zwischen Nina de la Parra und Simina German, gute Freunde seit der Unizeit und genau so fühlt es sich auch an. Sie verbindet eine Vertrautheit und Wärme, die auf den:die Zuschauer:in strahlt. Mitten im Satz platze ich rein und fühle mich, als würde ich ihren Dialog stören. Doch schnell schwindet das Gefühl und ich merke, wie raw und authentisch die Emotionen und getroffenen Aussagen sind. Themen, die angesprochen werden umfassen das Leben mit oder ohne Kinder, Erwartungshaltungen der Gesellschaft an Frauen und wie sich das Geschlecht und die Herkunft auf das soziale Leben und den Beruf auswirken. 

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Nina und Simina in einem Gespräch und die Kamera, die sie gegenseitig filmt. Mehr visuelle Eindrücke gibt es bewusst nicht.
[Foto: Nikita Verbitskiy]

 

Und obwohl dies wichtige Themen sind, die regelmäßig reflektiert werden sollten, fühlt sich das Gespräch nicht wie eine Predigt oder Belehrung an. Der persönliche Charakter der Installation überträgt ungekünstelte echte Emotionen auf das Publikum und zeigt uns einen intimen Einblick in die Gedankenwelt der beiden Frauen. Alles was wir sehen sind die Protagonistinnen, die Kameras, die sie filmen, und zwischendurch die Kamerafrau, die die Aufnahme startet und beendet. Am Projekt waren ganz im Sinne des Festivals ausschließlich Frauen beteiligt, obwohl das Video längere Zeit vor dem Festival entstand und laut Aussage Germans bereits auf einigen anderen Festivals vorgestellt wurde.

Künstlerinnen werden zu ihrem Werk

Der Bezug zu den Lehren hooks’ ist kein offensichtlicher. Zwar wird die Verbindung zwischen Geschlecht und ethnischer Herkunft im Sinne des Intersektionalismus kurz angeschnitten, doch im Mittelpunkt stehen diese nicht. So geradeheraus und nüchtern bietet diese Installation den Künstlerinnen etwas, was leider vielen Frauen vorenthalten bleibt. Sie können ungestört, ununterbrochen und unbelehrt über ihre Erfahrungen berichten und einen offenen und ehrlichen Austausch erleben. Das, was Nina und Simina normalerweise nur in ihren privaten Gesprächen können, übertragen sie auf die Öffentlichkeit und die Zuschauenden. Simina erzählte mir, dass eine andere Frau den Schnitt übernehmen musste. In diesem Projekt fehlte ihr die sonst bitter nötige Grenze zwischen ihr und dem Subjekt. Normalerweise müssen Künstler:innen eine nüchterne Distanz zu ihm wahren, um ihre Arbeit ungetrübt zu lassen. In diesem Fall war dies unmöglich, da sie selbst zum Subjekt wurde. Sie und Nina zeigen uns die Blickwinkel der kunstschaffenden Frauen, jedoch nicht wie üblich indirekt durch ihre Kunst – sie machen sich selbst zur Kunst.
 

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